Mein Schritt in die Mikrofotografie - Feedback willkommen

Begonnen von Alex H., April 05, 2026, 11:07:51 VORMITTAG

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Alex H.

Hallo miteinander,

da ich seit ein paar Wochen mehr Zeit als üblich am Mikroskop verbringe (das Mikroskop ist für mich ,,nur" ein Hilfsmittel für meine Beschäftigung mit der Botanik), habe ich nun begonnen mich auch etwas mehr mit der Fotografie am Mikroskop zu befassen. Eines vorweg: meine Ausstattung ist im Vergleich zu der mancher Damen und Herren hier im Forum relativ bescheiden, aber ich versuche dennoch das Optimum aus dem vorhandenen Equipment herauszuholen. Improvisation und Bastelarbeiten inklusive.
Ich möchte euch daher hier ab und an mal was zeigen und freue mich sehr über eure ehrliche Meinung, sowohl was die Präparate, die Bilder als auch die technische Umsetzung betrifft.

Das erste Bild zeigt ein Präparat, welches ich am 30.04.2022 hergestellt habe. Es handelt sich dabei um Koniferenpollen, sehr wahrscheinlich überwiegend um den der Gewöhnlichen Fichte (Picea abies). Der Pollen wurde in Pflanzenöl eingedeckt und mit einer Lackumrandung versehen. Er stammt aus einer Probe, die ich im Rheindelta am südöstlichen Bodensee von einem stehenden Gewässer als gelblichen Film abgeschöpft habe.


Pollen in Pflanzenöl, wahrscheinlich überwiegend Picea abies

Das Bild entstand am Lomo Biolam mittels eines adaptierten Smartphones. Als Okular verwendete ich ein Leitz Wetzlar Periplan 10x/18 Brille, sowie den schwarzen Geradetubus von Carl Zeiss Jena. Als Objektiv kam ein Lomo Achromat 20x 0.40 zum Einsatz. Als Lichtquelle diente der vor kurzer Zeit hier im Forum besprochene  LED-Spot von Baltimore (erhältlich u. a. bei Action). Das Bild ist das Ergebnis eines Stapels aus fünf Einzelbildern und wurde mit Hilfe von Picolay erstellt (an dieser Stelle vielen Dank an Heribert Cypionka für dieses tolle Programm). Der Hintergrund wurde mit ,Microsoft Fotos' bzw. ,Paint' entfernt bzw. ,,geputzt". Die Länge des Maßstabsbalken berechnete ich mit Hilfe eines Objektmikrometers.

Grüße
Alex
Botanik, vorrangig heimische Wildpflanzen, die Morphologie der Sporen, Pollen, Blüten, Früchte und Samen, Blütenökologie, Kryptogamen im Allgemeinen;
mikroskopische Hilfsmittel: optimiertes LZOS MBS-10 und ein angepasstes LOMO Biolam;

hebi19

Zitat von: Alex H. in April 05, 2026, 11:07:51 VORMITTAG....meine Ausstattung ist im Vergleich zu der mancher Damen und Herren hier im Forum relativ bescheiden, aber ich versuche dennoch das Optimum aus dem vorhandenen Equipment herauszuholen.


Hallo Alex

Whow....was Du da "mit bescheidener Ausstattung gezaubert hast ist toll !!!  Und das als erstes Bild...

Ich freue mich richtig auf weitere Bilder
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname

Jürgen H.

Alex, das sind sehr schön plastisch wirkende Photos, Danke!

Viele Grüße

Jürgeb
n

Gerd Schmahl

Hallo Alex,
auch mir gefällt das Ergebnis. Wenn es allerdings darum geht, die Aufnahmetechnik etwas zu verbessern, ist so ein mit viel Aufwand zurechtgeputztes Bild nicht so optimal. An den unbearbeiteten Bildern kann man viel besser erkennen, ob es bei der Beleuchtung, dem Präparat oder sonstigen Einstellmöglichkeiten vielleicht doch noch Verbesserungspotential geben könnte. Vielleicht brauchst Du dann auch den Hintergrund nicht mehr so aufwendig zu entfernen. Mich würde mal das Original interessieren, oder zumindest der Original-Stak.
Bei PICOLAY, mit dem ich auch alle meine Staks mache, gibt es ja einige Einstellmöglichkeiten. Welche hast Du benutzt?

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Alex H.

Hallo Martin, hallo Jürgen,

vielen Dank für euer Feedback! Freut mich, dass euch das Bild gefällt.

Hallo Gerd,

Zitat von: Gerd Schmahl in April 05, 2026, 20:19:20 NACHMITTAGSMich würde mal das Original interessieren, oder zumindest der Original-Stak.
Bei PICOLAY, mit dem ich auch alle meine Staks mache, gibt es ja einige Einstellmöglichkeiten. Welche hast Du benutzt?

hier der Original-Stack:


Die Schlieren rühren daher, dass ich den Pollen aus einem Gewässer abgeschöpft und unbehandelt auf den Objektträger überführt habe. Da waren alle möglichen "Verunreinigungen" dabei.
Ich habe beim Stapeln nichts eingestellt, lediglich die fünf Bilder hochgeladen, dann die Funktion 'Stack with current parameters' geklickt und das Ergebnis gespeichert.

Grüße
Alex
Botanik, vorrangig heimische Wildpflanzen, die Morphologie der Sporen, Pollen, Blüten, Früchte und Samen, Blütenökologie, Kryptogamen im Allgemeinen;
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Gerd Schmahl

Hallo Alex,
da hast Du ja eine beeindruckende Putzarbeit geleistet! Ein sauberes Präparat ist natürlich die Voraussetzung für gute Bilder, aber aus den Umständen hast Du wohl das Beste gemacht.

Bei durchsichtigen Objekten ist bei PICOLAY die Funktion "Prefer high/low frames" manchmal ganz hilfreich, um die Oberflächen besser herauszuarbeiten, also den Einfluss der tieferen Bildebenen auf die vorderen zu optimieren. Damit könntest Du mal experimentieren. Dazu musst Du aber nicht einfach "Stack with current parameters" klicken, sondern "Set staking parameters" oder F2 und dann hier die Funktion auswählen. Ich setze dann auch meist noch das Häkchen bei "Test 4 filter settings" und suche mir aus den 4 generierten Varianten die aus, die mir am besten gefällt. Allein die letzte Funktion, ohne Veränderung der anderen Parameter schafft oft schon deutliche Unterschiede.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Peter T.

Hallo Alex,

das sind wirklich sehr ansprechende Bilder! Würde mich auch freuen, mehr von Deinen botanischen Aufnahmen zu sehen.

Beste Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

rlu

Hallo Alex,

sehr schöne Vorgehensweise vor allem mit dem Maßstabsbalken. Der fehlt bei den meisten Fotos im Forum. Du kommst ja aus der Forschung, das ist es ja unumgänglich.
Habe versucht dein Bild zu verbessern, da war aber kein großer Verbesserungs-Spielraum. Oben eine leichte Vignette.
Das dezente Nachbearbeiten der Ränder ist auch schwierig, da man dann oft zuviel abschneidet. Aber auch hier OK.

Die Idee mit dem Pflanzenöl war nicht so schlecht. Pollen sind da zickig. In der Mikroskopie ist es oft eine Kontrast-Frage, welches Eindeckmittel man verwenden sollte oder nicht.

Der Gelbstich ist vermutlich dem günstigen Objektiv geschuldet. Da du ja jetzt eine Probe hast, ist es nicht verkehrt mit einem nahe gelegenen Verein Kontakt aufzunehmen, sich auszutauschen und Mikroskope zu testen.
Sind auf weitere Aufnahmen gespannt.

Liebe Grüße
Rudolf


rhamvossen

#8
Hallo,

Schöne Bilder dieser Pollenkörner. Die ungeputzte Aufnahme "lebt' für mich etwas mehr.

@Rudolf
Zitatvor allem mit dem Maßstabsbalken

Wirklich???

ZitatHabe versucht dein Bild zu verbessern

Wozu?


ZitatDer Gelbstich ist vermutlich dem günstigen Objektiv geschuldet.

Warum sollte das sein? Und welche Gelbstich, ich sehe keine? Diese Pollenkörner haben eine gelbe Farbe.

Beste Grüsse,

Rolf

rlu

Hallo Rolf,

klar mache ich oft. Ich nehme ein Bild und schaue ob ich noch was verbessern kann.
Bei Anfängern ist es oft nur der Kontrast. Es gibt so viele, die den anderen beim Scheitern zuschauen.
Deswegen, wäre es eigentlich immer hilfreich/lehrreich, wenn man nicht nur die fertigen Bilder sieht, sondern das Rohmaterial. Der Ansatz vom Gerd ist da vollkommen richtig.

Das Grundsätzliche ist eigentlich - für mich:
a. kann man selber noch was lernen.
b. kann man man lernen, indem man den anderen was zeigt und sich überlegt, wie es eigentlich richtig geht
c. will er/sie/* das?
und es gibt hier einige, die wirklich was drauf haben, sich aber nur in Ansätzen dazu äußern, Mikroskopiker halt ;-)

Beim Thema Maßstabsbalken überlege ich dann auch, wie kriege ich den überhaupt rein(einfach). Mit Picolay, mit einem Bildbearbeitungsprogramm, mit einer Software wie von Herrn Linkenheld angeboten. Lineal, Formel, Pixelzählen etc.

Die Bilder von meinen nicht so teuren Objektive sehen alle so aus(gelb). Meine Planapos nicht.
Vielleicht hat der Detrius einen Gelbstich, wer weiß.

Ich finde, ein guter erster Ansatz und man muss man jeden loben, der sich traut seine Bilder zu zeigen.
Wenn man in den anderen Foren unterwegs ist, z.B dem focusstackingforum , da werden immer die ganzen Parameter für die Bildbearbeitung angegeben.

Liebe Grüße
Rudolf

rhamvossen

#10
Hallo Rudolf,

ZitatDie Bilder von meinen nicht so teuren Objektive sehen alle so aus(gelb)

Ich finde der Hintergrund in das zweite Bild nicht gelb, eher warm weiss. Wir sollten hier auch die Farbtemperatur der Lichtquelle, der eingestellte Weissabgleich und die Farbe des verwendete Oel nicht vergessen. Und die Pollenkörner haben natürlich einfach eine gelbe Farbe. Beste Grüsse,

Rolf

rhamvossen

Hallo Alex,

Mit welchem Smartphone wurde das Bild aufgenommen? Die Bilder sind nur ungefähr 100kb, mich würde interessieren wie das Bild in höhere Auflösung aussieht. Und auch wie ein Einzelbild aussieht. Beste Grüsse,

Rolf

Alex H.

Hallo liebe Foristen,

vielen Dank an alle, die sich hier an diesem Thread beteiligen! Danke für eure Einschätzungen, Meinungen und Ratschläge.

Hallo Rudolf,

ich denke, dass die gelbliche Farbe des Fichtenpollens im Präparat bzw. auf den Bildern  zum einen auf die Eigenfarbe der Pollenkörner und zum anderen auf die Farbe des als Eindeckmedium fungierenden Speiseöls zurückzuführen ist. Präparate in Euparal, mit dem selben Objektiv betrachtet, weisen diese Färbung nicht auf, auch nicht auf Fotos. Jedoch habe ich den Eindruck, dass durch das öffnen der Kondensorblende die Farbe allgemein kälter erscheint.

Hallo Rolf,

ich finde auch, dass manche Präparate ,,ungeputzt" lebendiger wirken. Vor allem Bilder mit Wasserorganismen gewinnen für mich oft durch mitabgebildetem ,,Schmodder" an Leben, vor allem wenn die Organismen damit interagieren, und seien sie nur daran festgewachsen oder angehaftet. Im Fall des Fichtenpollens gefällt mir die ,,geputzte" Version aber besser, da die Schlieren auf dem ,,ungeputzten" Bild nicht natürlich entstanden, sondern durch das Auftragen des mit Tümpelwasser vermischten Pollens auf den OT zustande kamen.
Die Bilder sind mit einem Apple iPhone 12 mini entstanden. Ich habe die Bilder bisher extern hochgeladen, wo sie automatisch mit einer bestimmten Auflösung abgespeichert werden. Ich werde meine Bilder in Zukunft direkt in den Forenwebspace hochladen.
Anbei wie gewünscht ein originales Einzelbild des Fichtenpollenpräparats:

1a IMG_0644.jpeg
Einzelbild, unbearbeitet

Das zweite Bild das ich hier zeigen möchte ist weniger ,,spektakulär" als mein erstes. Es zeigt die rund 30 μm großen Sporen von Huperzia selago (Lycopodiaceae), dem Tannenbärlapp. Das Präparat habe ich am 21.09.2019 hergestellt. Zuerst habe ich die unbehandelten Sporen auf den OT gegeben und diese anschließend mit Isopropanol benetzt. Anschließend habe ich mit Euparal eingedeckt. Das Foto ist ein Einzelbild und entstand unter voll geöffneter Kondensorblende und schiefer Beleuchtung. Vom Ausschnitt und der Beschriftung abgesehen ist das Bild unbearbeitet.

Huperzia selago Bild2 fertig.jpg
Huperzia selago, Sporen, ungefärbt in Euparal

Irgendwie habe ich das Bild nicht besser hinbekommen. Auch durchs Stapeln wurde das Foto nicht besser und habe es daher als Einzelbild belassen. Vielleicht wäre die Abbildung besser, wenn ich die Sporen ebenfalls in Pflanzenöl eingedeckt hätte.

Grüße
Alex
Botanik, vorrangig heimische Wildpflanzen, die Morphologie der Sporen, Pollen, Blüten, Früchte und Samen, Blütenökologie, Kryptogamen im Allgemeinen;
mikroskopische Hilfsmittel: optimiertes LZOS MBS-10 und ein angepasstes LOMO Biolam;

A. Büschlen

Hallo Alex,

Zitatda ich seit ein paar Wochen mehr Zeit als üblich am Mikroskop verbringe (das Mikroskop ist für mich ,,nur" ein Hilfsmittel für meine Beschäftigung mit der Botanik), habe ich nun begonnen mich auch etwas mehr mit der Fotografie am Mikroskop zu befassen.

ZitatIch möchte euch daher hier ab und an mal was zeigen

Danke, dass du uns an deinem Schaffen teilhaben lässt.

Was ist dein Ziel? Möchtest du mit deinen Bildern deine Bestimmungsarbeiten dokumentieren?

Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.