Man muss auch mal Glück haben

Begonnen von Carsten Wieczorrek, Juni 10, 2026, 21:38:39 NACHMITTAGS

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Carsten Wieczorrek

Hallo,
ich versuche schon länger, für meine historischen Diatomeen-Präparate eine "würdevolle" Aufbewahrungsbox zu besorgen. Nun, das ist prinzipiell einfach, die gibt es da, wo es auch die Präparate gibt. Ihr kennt sie alle, diese aristokratischen Mahagoni Kistchen mit aufklappbarer Vorderseite und in der Regel 12 Schublädchen für je 6 Objektträger. Ja, die gefallen mir auch. War aber leider ehe-technisch nicht drin: "Du hast 380 Pfund für eine Holzkiste geboten?". Alle Kisten, auf die geboten habe, und das waren 4, sind für über 700 Pfund weg gegangen. Vor zwei Wochen habe ich dann zugeschlagen. Und dann gleich drei Kisten, ok, nicht ganz vollständig. Ok, kein Mahagoni. Ja, auch kein aristokratisches Aussehen. Eher die Labor-Aufbewahrungsbox "BILLI" von ca. 1900 oder 1910. Und restaurieren muss ich die auch noch. Dafür fast für lau: 90 Pfund...

kiste1.jpg
Bild 1: Die Kisten

Verkauft über Ebay wurde das Angebot als "empty boxes, no slides".

Also erst mal sauber machen und außen etwas Möbelpolitur drauf. In einer der kleinen Kisten war Unterhalb der letzten Schublade ein dicker grauer Karton, sieh Bild 2:


kiste2.jpg
Bild 2: Kiste mit Karton


Nein! Zwei Kartons! Und dazwischen klebte etwas. Im warsten Sinne des Wortes, siehe Bild 3:


kiste3.jpg
Bild 3: was klebt denn da

Das Bild ist fürs Foto getürkt, die Objektträger klebten wirklich und waren verschimmelt. Grüne, braune und schwarze Beläge auf allen Glasflächen, so dass man nicht hindurch schauen konnte. Ich wollte schon alles wegwerfen. ABER die Etiketten waren alle sauber OHNE Schimmel. Absolut ungewöhnlich. Das Papier schimmelt normaler weise als ertses. Kann es sein, dass man solche Etiketten in der Pathologie früher präpariert hat? Also sauber machen. Das Ergebinis seht ihr in Bild 3.

Was ist das? Es sind histologische Schnitte von Hund- und Katzenorganen. Keine guten, ich würde raten, erstes Semester. Da ich von den histologischen Begriffen nicht viel verstehe, habe ich ein Foto gemacht und Gemini befragt. Die KI hat mir alles übersetzt. Dann sagte sie noch "Schaue dir das xyz Präparat mal genau an, da steht "injekted" bei. Wenn das so ist, sieht der Schnitt besonders für Laien sehr schön aus.". Damit nimmt die KI Bezug auf die Technik, vor dem Fixieren mit hohem Druck konzentrierte Farbstofflösungen oder gar flüssigen Kunststoff durch die Adern zu pressen. Also, was sieht man? Schauen wir uns es an:


schnitt1.jpg
Bild 4: Auschnitt aus dem Präparat mit dem Planapo 10/0,32


schnitt2.jpg
Bild 5: Auschnitt aus dem Präparat mit dem Apo 15


schnitt3.jpg
Bild 6: Auschnitt aus dem Präparat mit dem Apo 40/0,95


Viel Spaß beim Betrachten,

Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Alex H.

#1
Hallo Carsten,

das ist ja eine schönes Extra! Ich freu' mich jedenfalls immer sehr über solche unerwarteten Draufgaben, die beim Erwerb historischer Dinge gar nicht so selten sind. Vor allem sehr alte Bücher aus Antiquariaten beherbergen oftmals kleine Überraschungen. In botanischer Literatur, direkt aus Antiquariaten, habe ich schon gepresste Pflanzenteile, alte Buchwerbung, Kassabelege und Zeitungsausschnitte als Lesezeichen gefunden. Andere mögen sowas entsorgen, für mich es es ein "nice-to-have". Und historische Präparate - auch wenn sie aus dem "ersten Semester" stammen mögen - sind da nochmal eine Steigerung.

Grüße
Alex