Historische Diatomeenpräparate : Triceratium johnsonianum

Begonnen von Carsten Wieczorrek, September 08, 2026, 21:14:34 NACHMITTAGS

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Carsten Wieczorrek

Hallo,
hier kommt wieder ein Schätzchen. Es sind drei Algen auf dem Präparat. Die Triceratium johnsonianum liegt in der Mitte einer Linie aus drei Algen. Der Präparator hat als Marker hier zwei Triceratium secedens verwendet. Wenn ich alles richtig gemacht habe, heißt Triceratium johnsonianum heute Trigonium tabellarium.


Auch dieser Objektträger hat Standardmaße. Er ist sehr knapp 1 mm dick. Die Kanten sind gerundet und geschliffen. Das verwendete Deckgläschen ist rund, 10 mm im Durchmesser und trägt einen Lackring. Dieser ist dreifarbig schwarz, weiß und rot. Leider ist er sehr dick und verhindert den Einsatz von 100er Objektiven. Auf dem Objektträger sind zwei Etiketten. Das linke wappenförmige Etikett trägt die gedruckte Beschriftung "W. WHITE PREPARER NOTT M". Am rechten Rand folgt ein rechteckiges Etikett. Die Überschrift ist gedruckt "DIATOMACEA". Darunter steht Handschriftlich "Triceratium johnsonianum / Genre / S. Moronense".


W. White
W. White gibt es nicht. Es ist nie ein mikroskopischer Präparator dieses Namens aufgetaucht. Nach Forschungen von Dr. Brian Stevenson (historical-microscopy.com / microscopist.net) und Steve Gill handelt es sich dabei um ein Pseudonym des Präparators George Harris.

George Harris (ca. 1835 – 1904)
George Harris wurde um 1835 in Nottingham geboren. In offiziellen Dokumenten und Adressbüchern wurde er zeit seines Lebens meist als Mechaniker, Büchsenmacher oder Elektriker geführt. Er betrieb ein kleines Ladengeschäft, in dem er gebrauchte Elektrogeräte, Haushaltswaren und optische Kuriositäten (wie Zauberkästen für die Abendunterhaltung) verkaufte. Er war mit Mary Jane verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos.

Spätestens ab 1879/1880 begann Harris mit der kommerziellen Herstellung von Dauerpräparaten, die er über Kleinanzeigen (unter anderem im Magazin Science-Gossip) unter dem Pseudonym ,,W. White" vertrieb. Harris war handwerklich hochbegabt. Neben sauberen Insektenteilen fertigte er anspruchsvolle, geometrisch gelegte Diatomeen-Präparate. Typisch für seine Arbeiten sind die präzisen, oft mehrfarbigen Lackringe zur Versiegelung der Deckgläser.

Trotz der hohen Qualität seiner Präparate und seines handwerklichen Geschicks blieb Harris zeitlebens in prekären finanziellen Verhältnissen. Die Kombination aus seinem Elektrogeschäft und dem Präparateverkauf reichte im Alter nicht mehr zum Überleben. In der Volkszählung von 1901 wurde er mit 72 Jahren als arbeitslos gelistet. George Harris verarmte vollständig und verstarb am 11. Januar 1904 im Arbeitshaus von Nottingham an den Folgen einer altersbedingten Demenz.

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Bild 1: der Objekttäger



Was sehen wir hier? Auch hier starte ich mit einem Übersichtsbild, um den Dreck der Zeit zu zeigen (Bild 2).


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Bild 2: Trigonium tabellarium im Hellfeld, mit dem 10er Planapochromaten


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Bild 3: Trigonium tabellarium im DIK, mit dem 10er Planapochromaten


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Bild 4: Trigonium tabellarium im DIK, mit dem 16er Planapochromaten

Ich finde die DIK Bilder mit dem nicht dafür vorgesehenen 16 Planapochromaten besser als die mit dem GF Planapochromaten 10.

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Bild 5: Trigonium tabellarium im DIK, mit dem 40er Planachromaten


dik402.jpg
Bild 6: Triceratium secedens im DIK, mit dem 40er Planachromaten


Schöne Grüße
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako