Botanik: Pfefferminze (Mentha × piperita) *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, September 26, 2026, 11:07:41 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Die Pfefferminze wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2004 gekürt.

Die Minzen (Mentha) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae),  zu der unter anderem auch Salbei, Rosmarin und Basilikum zählen.
Die meisten der je nach Quelle etwa 20 bis über 30 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel beheimatet; auf der Südhalbkugel (Australien und Afrika) kommen nur wenige Arten vor. Alle Minze-Arten gedeihen meist an feuchten Standorten.
Die größten Anpflanzungen liegen in Nordamerika.

Bild 01 Habitus, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Quelle: Lubera GmbH, 26160 Bad Zwischenahn

Die Heimat der echten Pfefferminze (Mentha × piperita) ist England.
De Pfefferminze (Mentha × piperita) ist ein ist ein sogenannter Tripelbastard also um einePflanze, die als Kreuzungsprodukt dreier verschiedener Arten anzusehen ist.
Als Hybrid ist sie normalerweise steril, produziert keine Samen und vermehrt sich nur vegetativ, indem sie sich über ihre Ausläufer ausbreitet.
In einigen Geschäften wird "Pfefferminz-Samen" verkaufen.

Es ist tatsächlich nicht möglich, aus Samen zu züchten; ich frage  mich, was solche verkauften Samen hervorbringen werden?
Weil die geschlechtliche Vermehrungsmethode über Blüten und Samen bei dieser Hybrid-Art biologisch blockiert ist, nutzt die Pfefferminze eine hocheffiziente vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung:
Die Vermehrung durch Stecklinge geschieht im Sommer.

Im Gegensatz zu anderen antiken Minzarten ist die Pfefferminze eine relativ junge Pflanze.

Mentha × piperita entstand Ende des 17. Jahrhunderts (um 1696) vermutlich als zufällige, natürliche Kreuzung aus der Bachminze (Mentha aquatica) und der Grünen Minze (Mentha spicata) in der englischen Grafschaft Hertfordshire, wobei Mentha spicata wiederum eine Kreuzung von einer Rundblättrige Minze Mentha rotundifolia und Rossminze Mentha longifolia ist.
In Deutschland ist die Pflanze seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bekannt und wurde wahrscheinlich von einem Kräuterkundigen mit dem Namen Göring aus Straßburg mitgebracht.
Johann Adam Göring (1797 – 1857) war ein historischer Kräuterkundiger, der die Pfefferminze Mitte des 19. Jahrhunderts (um 1848/49) aus Straßburg nach Deutschland (speziell in die pfälzische Gemeinde Gommersheim) brachte).

Die Pfefferminze ist eine mehrjährige Pflanze und wächst ca. 90 cm hoch und trägt von Juli bis September rosafarbene Blüten.
Aufrechter, buschiger Wuchs mit  starkem Wurzelsystem: Flachwurzler.

Bild 02 Blätter, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Foto: H.-J_Koch
Die Blätter (4 bis 8 cm lang) sind kreuzgegenständig angeordnet.
An jedem Blattknoten (Nodus) wachsen zwei Blätter einander gegenüber (gegenständig).Jedes neue Blattpaar ist im 90-Grad-Winkel zum vorherigen Paar gedreht.Betrachtet man den Stängel von oben, entsteht eine Anordnung in vier senkrechten Reihen.

Pfefferminzblätter sind mittel- bis dunkelgrün, oval bis lanzettlich geformt und besitzen eine leicht gezahnte Blattkante.

Die Pfefferminze ist eine der wenigen Heilpflanzen, die man auch in der Lehrbüchern der strengen Schulmedizin findet.

Der unverwechselbare Geschmack der Pfefferminze stammt vor allem vom natürlichen Pflanzenstoff Menthol. Er ist Bestandteil der ätherischen Öle, die in den Blättern gespeichert werden. Menthol aktiviert bestimmte Kälterezeptoren im Mund. Dadurch entsteht das typische kühlende Gefühl, obwohl die Temperatur tatsächlich unverändert bleibt.

Bild 03 Blattoberseite, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Foto: H.-J_Koch

Bild 04 Blattunterseite,  Pfefferminze (Mentha × piperita)

Foto: H.-J_Koch
Mit stark hervortretenden Nerven.

Bild 05 Blüte, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Foto: H.-J_Koch

Bild 06 Blütenstände, .Pfefferminze (Mentha × piperita),

Autor: Sten Porse

Blütezeit; Anfang Juli bis Ende September

Bild 07 Pfefferminze. Der Stiel ist  kantig, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Quelle: Von Simon Eugster --Simon 13:37, 2 July 2006 (UTC) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=913969

Bild 08 Illustration, Pfefferminze (Mentha × piperita)


A: blühender Stengel  in natürl. Größe. 1 Knospe, vergrößert, 2 u. 3 Blüte, 4  Blüte zerschnitten, 5 Kelch aufgeschnitten, 6 Staubgefäß, 7 Pollen, 8 Stempel, 9 oberer Teil des Griffels mit Narben, 10 Fruchtknoten im Querschnittt.

Quelle: Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen - List of Koehler Images
Dieses Werk ist gemeinfrei.

Systematik:
Ordnung:  Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie:    Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie:    Nepetoideae
Gattung:    Minzen (Mentha)
Art:    Pfefferminze
Wissenschaftlicher Name: Mentha × piperita
Syn.: Mentha lavanduliodora ined
Trivialnamen: Gartenminze, Englische Minze, Mint, Edelminze, Kornminze, Hausminze, Katzenkraut, Mutterkraut.
Englische Bezeichnung: Peppermint

Bedeutung von ,,ined.": Der Zusatz steht für ineditus (lateinisch für ,,unveröffentlicht").
Er zeigt in der botanischen Nomenklatur an, dass dieser Name zwar in der Fachwelt kursierte oder in Manuskripten verwendet wurde, aber nie offiziell und gültig nach den botanischen Regeln publiziert wurde.

Die Pfefferminze wurde 1753 von Carl von Linné (1707 -1778) in Species Plantarum Band 2 Seite 576–577 als Mentha piperita erstbeschrieben.

In der Volksheilkunde wird die Droge ,,Menthae aquaticae folium"
bei -Magenbeschwerden und Kopfschmerzen eingesetzt.
Das ätherische Öl  ist  der Hauptwirkstoff der Blätter.

Inhaltsstoffe:
1 bis 2 % ätherisches Pfefferminzöl  als Hauptwirkstoff, das zu 50 bis 60 % aus Mebthol, dem Pfefferminzkampfer, besteht.

Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 09 Schnittstellen, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Foto: H.-J_Koch

Bild 10 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 11 Gliederhaar, ungefärbter Schnitt, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Mehrzelliges Gliederhaar.

Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Pfefferminze (Mentha × piperi)


Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,


LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 16 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 17 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 18 Übersicht, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Der Stämgel ist vierkantig, wie bei allen Lamiaceen.

Bild 19 Detailaufnahme mit Beschriftung, Pfefferminze (Mentha × piperita)

MP = Markparenchym, K = Kambium,  T = Trachee, RP = Rindenparenchym, KO = Kantenkolenchym, PH = Phloem

Bild 20 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 21 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 22 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,
Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 25 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Teil 2
Spross, Längsschnitt
30 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 26 Übersicht, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 27 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 28 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 29 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 30 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Teil 3
Blattstiel, Querschnitt
20 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Negativaufnahmen, FastStone Image Viewer

Bild 31 Übersicht, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 32 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Bild 33 Detailaufnahme, Pfefferminze (Mentha × piperita)


Literaturverzeichnis:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

Walter Eschrich ,,Pulver-Atlas der Drogen", ISBN: 3-7692-2505-8

Holm ,,Botanik und Drogenkunde", ISBN: 978-3-7692-544-8

Bettina Rahfekd ,,Mikroskopischer Farbatlas der pflanzlichen Drogen", ISBN: 978-3-8274-1951-4

Hans Jürgen Pfänder ,,Farbatlas der Drogenkunde", ISBN: 3-437-00627-4

Rettenmaier", ,,Botanik -Drogenkunde", 973

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

,,Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen", ISBN: 978-3-89996-508-7

,,Heilpflanzen und ihre Kräfte" 1985

,,Was blüht denn da?", ISBN: 978-3-440-11379-0

,,Kosmos Neophyten", ISBN: 978-3440-16874-5

Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

wie immer sehr sehenswert und lehrreich. Vielen Dank für Deine Mühe und Hingabe.

Die Minze kommt natürlich in die Botanik-Liste.


Beste Grüße

Peter

Daniel Scheibenstock

Hallo Hans Jürgen,

Danke für den Absatz über die Vermehrung, das ist bei vielen Pflanzen sehr interessant und hier besonders☺️

Liebe Grüße Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol, DIC, PH)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Olympus SZX12
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Jürgen Boschert

Lieber Hans-Jürgen,

wieder ein toller Bericht, danke!
Beste Grüße !

JB

Hans-Jürgen Koch

Liebe Pflanzenfreunde

Peter, Daniel und Jürgen.

danke für euer Interesse und die lobenden Worte.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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