Anfängerfrage Heuaufguss

Begonnen von Werner Rühl, November 21, 2010, 14:14:53 NACHMITTAGS

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skipvolli

Hallo Werner

Also generell brauchen die meisten Infusorien natürlich Sauerstoff und die Futterbakterien zehren diesen auf, allerdings ist der Gasaustausch durch die kleine unbewegte Füssigkeitsfläche, die ja nach oben noch dazu durch die Kahmhaut abgedeckt ist, sehr gering.
Ich decke meine Gläser ( 1l Einmachgläser mit Glasdeckel, aber ohne Gummidichtung), da ich sie direkt auf dem Schreibtisch stehen habe wegen des Geruchs schon ab.
Wenn die Gläser allerdings nur ca. bis zur Hälfte gefüllt sind, reicht der vorhandene Sauerstoff, vor allem bei regelmäßiger Öffnung der Gläser ein Aufgussleben lang (ca. 3 Wochen).
Noch ein Tipp:
Drei bis vier Aufgüsse im Abstand von einer Woche parallel ansetzen und den frischesten jeweils mit dem ältesten impfen, Datumsaufkleber dran, dann verlierst du nicht die Übersicht und kannst auch quasi wissenschaftlicher arbeiten. Solche Serien habe ich auch schon zeitgleich mit Proben aus verschiedenen Gewässern betrieben und dann die Unterschiede verglichen. Ist im Winter eigentlich eine sehr wirksame Methode zu "Tümpeln".
Man kann  zum Ansetzen auch Proben aus verschiedenen Bereichen desselben Gewässers benutzen (Detritus, Planktonnetz, Aufwuchs von Wasserpflanzen)

liebe Grüße

Wolfgang

Werner Rühl

Hallo Wolfgang

Vielen Dank für die Tips.
Ich hoffe daß ich irgendwann eine Poszivmeldung abgeben kann.

Viele Grüße

Werner
Erkläre es mir, ich werde es vergessen. Zeige es mir, ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können. Indisches Sprichwort.


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Werner Rühl

So, nach 6 Tagen habe ich eine verd. stinkende Brühe.
Seit 2 Tagen ist der Behälter offen.
Gerade wieder Proben entnommen.
Habe ein totes Lebewesen gefunden. Schaut aus wie Tier mit Beinen und langen Krallen dran, leider tot.
Anonsten, nichts lebendiges gefunden.
Werde heute Nachmittag mal zum Weiher fahren und neue Proben holen.
Da es heute Nacht mit -8°C sehr kalt war, kann es sein daß der Weiher schon gefriert.

Viele Grüße

Werner
Erkläre es mir, ich werde es vergessen. Zeige es mir, ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können. Indisches Sprichwort.


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piu58

Zitat von: Werner Rühl in November 26, 2010, 17:32:33 NACHMITTAGS

Aber wenn ich den Behälter nicht verschlossen habe, stinkt es erbärmlich !!



Es kann sein, dass unter Luftzutritt ganz andere Gerüche entstehen als bei Luftabschluss. Anaerobier ergeben Fäulnisprozesse, im aeroben kann man eher von Verrottung reden. Außerdem kannst du ja nur wenig Heu nehmen, das reicht. Eine Blumenvase - auch ein guter Patoffeltierechen- Zuchttümpel - stinkt ja auch nicht erbärmlich.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Werner Rühl

Hallo

Zuerst einmal viele Grüße aus dem kalten England.
Bin hier bis zum 18.12. auf Dienstreise.
Hatte am Sonntag nochmal Proben meines mittlerweile fast 2 Wochen alten Heuaufgusses "gesichtet".
Und wieder kein Erfolg.
Obwohl ich alles richtig gemacht hatte.
Wasser aus einem eiskalten Bach ( möglicherweise ist fliessendes Wasser nicht geeignet ) und nicht zuviel Heu.
Und diesmal im warmen Wohnzimmer ans Fenster , mit offenem Deckel.
Ich kann nur eines sagen, da vergeht einem die Lust am Mikroskopieren.
Wollte doch zu gerne meiner Tochter etwas zeigen.
Doch Pustekuchen, nicht das geringste Lebenszeichen !!

Viele Grüße

Werner

Erkläre es mir, ich werde es vergessen. Zeige es mir, ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können. Indisches Sprichwort.


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Peter V.

Hallo!

Ohne der große Experte für Tümpelei und Heuaufgüsse zu sein, würde ich einfach mal vermuten, dass jetzt einfach die falsche Zeit ist. Das Wasser zu kalt, alle Viecher "tot". Und klare fließendes Wasser ist ohnehin nicht so geeignet, besser wäre stehendes Wasser vom Rand eines Teiches gewesen.
Nicht verzagen - der Winter ( und zur haben haben wir ja nun mal einen "richtigen" Winter ) ist einfach nicht die richtige Zeit für "das Leben im Wassertropfen".

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Lothar Lammfromm

Zitat von: Werner Rühl in Dezember 07, 2010, 22:06:20 NACHMITTAGS
(...)Hatte am Sonntag nochmal Proben meines mittlerweile fast 2 Wochen alten Heuaufgusses "gesichtet".
Und wieder kein Erfolg. (...) Wasser aus einem eiskalten Bach ( möglicherweise ist fliessendes Wasser nicht geeignet ) und nicht zuviel Heu. Und diesmal im warmen Wohnzimmer ans Fenster , mit offenem Deckel.
Ich kann nur eines sagen, da vergeht einem die Lust am Mikroskopieren. Wollte doch zu gerne meiner Tochter etwas zeigen. Doch Pustekuchen, nicht das geringste Lebenszeichen !!

Nur den Mut nicht verlieren!

Es kann sein, dass deine Kultur längst schon zusammen gebrochen ist.

Den Tipp mit dem Mineralwasser Volvic (Link von oben) finde ich gut. So hast du nämlich wiederholbare Bedingungen. Das Tümpelwasser dieser Jahreszeit ist vermutlich nicht sehr erfolgversprechend. Darum mein Ratschlag: Halte dich an einen Aquarianer deines Vertrauens!

1. Aquariumwasser

(stibitze dem Aquarianer rund 2 Liter Aquariumwasser, das du idealerweise auf Vorrat, offen und am Fenster aufbewahrst, z.B. in einer größeren Schale - wirf ein Reiskorn und ein Pflanzenblatt hinein, nach Möglichkeit auch ein paar Aquarienalgen - verdunstetes Wasser kannst du schadlos mit Leitungswasser auffüllen). Dieses Wasser (bzw. handelt es sich dabei praktisch um ein "Miniaquarium") ist neben Volvic einer deiner Grundlagen zum Aufbau von Kulturen.

2. Algen und halb zersetzte Pflanzen aus einem Aquarium solltest du dir auch besorgen, und feucht/sonnig lagern bzw. gleich im Mikroskop untersuchen. Es ist immer wieder verblüffend, welche Tiere und Einzeller sich so alles in der Nähe von Algen oder in der Nähe von verwesenden Pflanzenblättern aufhalten.

3. Statte einer Zoohandlung einen Besuch ab. Dort kaperst du kleine Mengen Stroh/Heu/Holzspäne, möglichst benutztes aus Kleintiergehegen, (ggf. auch zusätzlich Aquariumwasser und Pflanzenreste, vor allem, falls du unter den Nachbarn bzw. via Kleinanzeigenmarkt keine Aquarianer findest), kleine Mengen Tierkot (Reptilienkot finde ich als Nährgrundlage für Mikroorganismen prima - Vogelkot ist aber auch interessant), und - last but not least - ein Dutzend Gerstenstrohpellets (gibt es u.a. als Grünalgenvernichter im Teichbedarf) für die Produktion von Pantoffeltierchen.

4. Frischhefe solltest du dir auch besorgen - und zwar zum Füttern deiner Kulturen - und ein paar winzige Brocken Käse wären gut - außerdem ist Fleischextrakt bzw. Suppenwürfel (Richtung Rind) zum Anfüttern von Mikroorganismen gut, allerdings nur ein paar winzige Krümel, maximal eine Messerspitze.

(es soll ja nicht stinken bzw. eine "Massenzucht" von Mikroorganismen vorgenommen werden)

5. Nimm verschiedene Proben aus Regenwasser"tümpeln" sowie den Gewässern deiner Umgebung und: feuchte Erdproben. Die feuchten Moose bzw. veralgten/schmierigen Beläge von den Bäumen deiner Umgebung verdienen ebenfalls Würdigung. Und die Erde, die sich unter alten Holzstücken und unter Laubhaufen findet.

6. Klaue deinen Kindern die rote oder orange (ggf. braune) Füller-Tinte (1 Patrone reicht) - notfalls besorgst du dir im Schreibwarenhandel einen billigen (ja: der allerbilligste tut es) Set an bunten Füllerpatronen (bei mir um die Ecke kostet z.B. 36 bunte Füllerpatronen 1 Euro)

7. Von einem Pfund Erde (mein Vorschlag: nimm die Erde unterhalb vermooster Grasstücke plus ein paar Löffel Blumenerde) und zwei Liter Wasser kochst du dir ein schönes Süppchen. 5 Minuten kochen, umrühren, und dann den Sud abgießen - und auffangen! - in diesen Sud tust du nach dem Abkühlen einen viertel Teelöffel Zucker dazu, ein paar Tropfen Milch, einen winzigen Brocken Käse sowie ein paar Krümel Fleischextrakt bzw. Rindersuppenextrakt. Den Sud solltest du dann kühl aufbewahren zur späteren Verwendung.

Einen zweiten Erd-Sud erstellst du wie siehe oben, allerdings diesmal ohne Kochen!

So: Und nun kombinierst du s.o. fleißig. Die verschiedenen Grundlagenflüssigkeiten mit den Inkubatoren (z.B. Erdsud, Gerstestrohpellets, Stroh, verwesende Pflanzenteile, Algen, Hausstaub) und den Nährmedien (z.B. Hefe, Käse, Rindfleischextrakt, Zucker).

Du kannst ja eine kleine Versuchsserie starten mit einem halben Dutzend Yoghurtbechern bzw. Marmeladendeckel, Reagenzgläsern oder Petrischalen, die du unterschiedlich beschickst.

Nach zwei/drei Tagen solltest du in den meisten (!) Fällen was sehen. Ach, und die rote Tintenfarbe: Gib einen Tropfen (ein Tropfen genügt) in den Heuaufguss (bzw. die verschiedenen anderen Varianten, die du dir durch Kombination, siehe oben, erzeugen kannst). Ergebnis: Viele Lebewesen nehmen diese Farbe auf und lassen sich dann im Mikroskop  viel :) besser erkennen.

P.S.
Wenn es dann immer noch nicht klappt, schicke ich dir gerne einen Brief mit Algen/Mikroorganismenkulturen/Gerstenstrohpellets u.ä. Wäre ja gelacht, wenn sich bei dir keine mikroskopischen Lebewesen einstellen sollten - Frust darf nicht sein !!  ;D

Werner Rühl

Hallo Lothar

Wow, danke für die ausführlichen Tips.
Bin noch bis zum 22.12. auf Dienstreise in England,
deswegen werde ich weitere Aktivitäten in Sachen Heuaufguss ins nächste Jahr verlegen.


Viele Grüße

Werner
Erkläre es mir, ich werde es vergessen. Zeige es mir, ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können. Indisches Sprichwort.


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Pommbaer

#23
Tipp:

Es heisst nicht umsonst Heuaufguss. Eine Sommerwiese - naturbelassen ( ohne Dünger oder sonstige Behandlung ). Das Schnittgut in der Sonne trocknen lassen ( Heu halt ) und dann kannste dir das einlagern. Ich wage zu bezweifeln, dass man mit grünem Schnittgras jemals große Erfolge erzielen wird.

Wir haben Jahrelang die örtlichen Schulen mit dem Heu unserer Naturwiese versorgt, da es für den Heuaufguss bestens geeignet war. Einfach Heu + Regenwasser, ein paar Tage stehen gelassen und es wimmelte nur so vor Pantoffeltierchen und Co.
Regenwasser deshalb, da es im Grunde genommen destilliertes Wasser ist, also kaum Ionen enthält. "Saurer Regen" spielt heutzutage kaum noch eine Rolle.

Wenn du einen Film auf der Wasseroberfläche hast ist das schon nicht verkehrt - das ist ein Mikrofilm aus Aeroben Mikroorganismen.