Pipetten-Ziehgerät aus Meßuhrständer selbstgebaut

Begonnen von HDD, Januar 18, 2011, 05:39:38 VORMITTAG

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HDD

Hallo an alle Selbstbauer,

Ich habe ein einfaches Pipettenziehgerät aus einem Messuhrständer selber gebaut. Den Messuhrständer und
den kleinen Schraubstock bekommt man in jedem besseren Werkzeughandel. Der Schraubstock hat 25.- und
der Meßuhrständer hat 20.- gekostet.
Die Bilder erklären sich von selbst. Bei Fragen stehe ich jederzeit zu Verfügung. Es ist mir mit ein wenig Übung
gelungen, Pipetten mit 0,03 mm Innendurchmesser herzustellen. Durch den senkrechten Ziehvorgang werden
die Pipetten sehr gerade, vorrausgesetzt man hat alles gut ausgerichtet.

Viele Grüße

Horst-Dieter

Hinweis:

Photobucket hat die Bilder in der falschen Reihenfolge geladen. Die Serie fängt von unten an.


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Klaus Herrmann

Lieber Horst-Dieter,

Du bist In-genie-ör. Es kann gar nicht anders sein, denn wärst Du Chemikör - man sieht darin versteckt sich kein Genie ;) , dann würdest Du mit Augenmaß und Gefühl die Mikropipetten frei Hand ziehen. Und die werden natürlich auch schön gerade, wenn man den Bogen raus hat.

Industriell werden Pipetten tätsächlich mit einem Automaten gezogen. Die Blutpipette, aus der Du die Mikropipette gezogen hast mit Deiner bewundernswerten Konstruktion wurde sicher so hergestellt.

Was ich aus den Bildern nicht ersehen kann: gibt es da einen gesteuerten Vorschub. Weil es maschinell ja gar nicht so einfach ist im richtigen Moment der Erweichung des dünnen Glasröhrchens die Flamme weg zu nehmen und mit der richtigen Geschwindigkeit zu ziehen.

Unsere Glasbläser an der Uni haben in den Anfängen tatsächlich noch Schmelzpunktröhrchen von Hand gezogen. Die waren immer 150cm lang - so weit die Armspanne war und wurden dann auf 20 mm geschnitten und diese 20 mm langen Stücke in der Mitte in spitzer Flamme abgeschmolzen.
Später wurde dann ein Automat gekauft.

Ich schätze ohne die Details zu kennen, dass ich 5 Mal schneller bin als Deine Maschine! Allerdings ist mein Stundenlohn enorm hoch, so dass ich bei einem Wirtschaftlichkeitsvergleich sicher unterliegen würde. Um alleine meine optimale Betriebstemperatur und ruhige Hand zu erreichen brauchts ein Viertele guten Bordeaux ;D Und den trinke ich aus dem Glas, nicht aus der Pipette! :D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

HDD

#2
Hallo Klaus

Danke für die Blumen. Das Glasröhrchen wir allein durch das Gewicht der Halterung mit der
Krokodilklemme nach unten gezogen.
Die Halterung ist nicht am Stab festgeklemmt sondern lässt sich leicht am Stab auf und ab bewegen.

Mit der Flamme steuert man die Zuggeschwindigkeit. Hält man die Flamme etwas weiter weg,
verlangsamt sich der Schmelzvorgang. Setzt man nun die Flamme ein Stück weiter unten an
und geht damit näher an das Glasröhrchen, beginnt der Schmelzprozess von Neuem.
So kann man die Spitze strecken und sie wird länger und länger. Durch auf und ab wedeln mit der
Flamme steuert man praktisch den Schmelzprozess, ganz ohne Formeln und Vorschub. ;) ;) ;)

Mit einer " weichen " Flamme zieht man praktisch jede gewünschte Länge aus und kann sie anschließend
noch von Hand ( ohne die Vorrichtung ) abwinkeln. Die abgebrochenen Spitzen werden ganz leicht
angeschmolzen, damit sie nicht so scharfkantig sind. Dazu gibt es einen Trick : Ganz leicht mit
Spucke benetzen. Dann langsam zwischen den Fingern durch die Flamme drehen. Wenn man das Gefühl hat,
die Spucke beginnt zu verdampfen sofort aus der Flamme rausnehmen.

(Ich stell mir gerade die Sprüche vor, die jetzt folgen werden) :D

Wenn gewünscht, kann ich ja mal Bilder von den verschiedenen Spitzen ins Forum stellen.

Glas lässt sich wunderbar formen und biegen. Durch das dünnste Röhrchen, das ich gezogen habe, hat
gerade mal ein Haar gepasst. Der Aussendurchmesser beträgt dann ca 3-400 my.

Es geht kinderleicht und macht auch noch Spaß .. und gerade werden die Spitzen auch.

Viele Grüße

Horst-Dieter


reblaus

Ja, und Glas hat auch noch die wunderbare Eingeschaft, dass es noch kalt aussieht, selbst wenn es schon auf 400 Grad C erhitzt ist ...

einAuge

Zitat von: Klaus Herrmann in Januar 18, 2011, 11:04:19 VORMITTAG
Unsere Glasbläser an der Uni haben in den Anfängen tatsächlich noch Schmelzpunktröhrchen von Hand gezogen. Die waren immer 150cm lang - so weit die Armspanne war und wurden dann auf 20 mm geschnitten und diese 20 mm langen Stücke in der Mitte in spitzer Flamme abgeschmolzen.
Später wurde dann ein Automat gekauft.

In der Schule, während einer Projektwoche, mussten durften wir die Dinger einen ganzen Tag lang mit wachsender Begeisterung im Chemieraum (da hatte ja jeder Schüler einen Brenner) ziehen. Das war ein Spass... Und Bordeaux gabs auch nicht. Höchstens ne Schokomilch  :P

Das Ziehgerät ist aber wirklich interessant!

Viele Grüße,
Matthias

Peter V.

#5
Lieber Horst Dieter,

schaffst Du das auch mit Deiner Ziehmaschine?

http://www.youtube.com/watch?v=D8HgFLQyejo

Etas ot: Ich habe vor Kurzem eine Reportage über das Ziehen ineinander verschlungener farbiger Glasstäbe in Lauscha gesehen. Das Ganze sieht etwa so aus wie bei den Chinesen, wenn sie einen einzige Teigklumpen nur mit den Händen zu  einem ganzen Topf voller Nudeln durch Akrobatik ausziehen- nur geht es bei den Glasstäben über -zig Meter. Ich meine, es ging um dieses Endprodukt: http://www.farbglashuette.de/en/tubes-and-rods/fadenglasstaebe.html In höchstem Maße beindruckend, leider kann ich diesen Beitrag bei Youtube und Co. nicht finden.
Soweit ich weiss, beherrscht das in Europa nur die Glashütte in Lauscha.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Dieter Stoffels

#6
Hallo Peter,

wenn Horst-Dieter im hundertsten Stock wohnt, sehe ich dar keine Probleme!

Viele Grüße!

Dieter

HDD

Hallo Peter, hallo Dieter,

Dafür müsste ich noch ein wenig üben. Fünf Meter könnte ich senkrecht schaffen. Aber in der Horizontalen müsste ich schon alle Nachbarn mit einbeziehen. Sie versorgen mich zwar schon mit dem ungewöhnlichsten Viehzeug, aber das wäre ein neues Projekt, was erst mal bei einer Grillfete besprochen werden müsste.  ;D ;D ;D

Herzliche Grüße

Horst-Dieter