Amici-Bertrand-Linse: Fluch und Segen

Begonnen von Dieter Stoffels, Januar 17, 2011, 23:03:21 NACHMITTAGS

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Dieter Stoffels

Liebe Mikroskopiker,

die Amici-Bertrand-Linse wird gebraucht um bei der Polarisationsmikroskopie (Konoskopie) das Achseninterferenzbild vergrößert darzustellen. Des Weiteren ist Sie gut geeignet um die Linsensysteme eines Objektives auf Fehler zu prüfen (gleiches gilt für ein Hilfsmikroskop zur Zentrierung der Phasenringe). Kurz vor Weihnachten habe ich  beim Mikroskopierens versehentlich die Amici-Bertrand-Linse eingeschoben und festgestellt, dass sich ein vermeinliches Fremdpartikel im Linsensystems meines planapochromatischen Objektives 40x/Öl-Iris befindet (Abb. 1).


Abb. 1: Bild aufgenommen mit der Amici-Bertrand-Linse

Die Stimmung sank. Bei keinem weiteren Objektiv war dieses Partikel zu beobachten. Schnell war klar, dass das Fremdpartikel tatsächlich dem Objektiv zuzurechnen war; beim Drehen des Objektives drehte sich das Partikel mit. Ich habe das Objektiv entnommen und im Auflicht von Seiten der Frontoptik bei 200-facher Vergrößerung mikroskopisch untersucht (Abb. 2).


Abb. 2:  Bild aufgenommen bei 200-facher Vergrößerung von Seiten der Frontoptik

Hierbei zeigte sich, dass  es sich um ein metallisches Partikel handelt, das vermutlich auf der Oberfläche der untersten Linsengruppe lag. Das mikroskopische Bild wurde durch das Partikel nicht beeinträchtigt. Nach Rücksprache mit Herrn Sackel von der Firma Zeiss habe ich das Objektiv zur Prüfung eingeschickt. Nach einigen Tagen wurde mir mitgeteilt, dass lediglich eine Reinigung, ich vermute, der Oberfläche der  hinteren Linsengruppe, erforderlich ist.  Mittlerweile habe ich das Objektiv in einwandfreiem Zustand zurückbekommen und möchte mich an dieser Stelle für die rasche Instandsetzung bedanken. Die Stimmung ist wider auf dem Höhepunkt. Ich habe mir vorgenommen vor den Feiertagen nicht wider unbedacht einen Schieber in den Stahlengang einzubringen!

Herzliche Grüße!

Dieter  









Nomarski

Hallo Dieter,

wahrscheinlich wurde dort ein paarmal gezielt gegengeklopft und der Krümel sitzt wieder dort, wo er nicht stört.
Für einmal Planapo zerlegen lassen und wieder zusammenbauen kann man sich wahrscheinlich fast ein Neues für kaufen.

Viele Grüße
Bernd

Dieter Stoffels

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deinen Hinweis. Die von Dir beschriebene Art der Partikelentfernung mag sicher bei einigen Werkstätten gebräuchlich sein, die Firma Zeiss möchte ich hiervon aber freisprechen. Ich selbst habe vor dem Versand versucht, durch ruckartige Bewegungen das Partikel aus dem Sehfeld zu entfernen. Des Weiteren habe ich einem starken Magneten eingesetzt, um zu prüfen, ob sich hiermit das Partikel zumindest bewegen lässt (mir ist bewußt, dass das Metallgehäuse stark abschirmend wirkt). Alle Eigenmaßnahmen waren ohne Erfolg. Nach Erhalt  des gereinigten Objektives habe ich natürlich erneut gründlich geprüft. Die Linsen des Objektives sind vollständig rückstandsfrei. Auch die weiteren Spuren der Abbildung 2 sind nicht mehr vorhanden, etwas, dass nur durch eine gründliche Reinigung möglich ist.

Ob sich eine derartige Reinigung lohnt, hängt sicher vom Wert des Objektives ab. Der Preis dieses planapochromatischen Objektives wird bei ca. 5000 Euro liegen. Die Reparatur hat  240 Euro gekostet, ein Preis der für mich gut vertretbar ist, besonders dann, wenn sich wie bei Zeiss, umgehend um das Objektiv gekümmert wird. Auch wäre es möglich gewesen, einzelne Linsen zu ersetzten, was aber in meinem Falle nicht nötig gewesen ist. Bei einer Objektivreparatur ist offenbar mehr möglich, als häufig gedacht. Vor dem großen Frust, kann sich somit eine Nachfrage beim Hersteller lohnen.

Herzliche Grüße!

Dieter

Peter V.

Hallo!

ZitatDie Reparatur hat  240 Euro gekostet

ich geb zu - ich hätte mit mehr gerechnet!

Herzliche Grüße
Peter
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Nomarski

Hallo Dieter,

da es sich wohl eher um einen Messingspan gehandelt haben könnte, der sich da abgehobelt hat, wird der Magnet wenig nützen.
Ich denke mal, mit der Zerlegung und Beseitigung des Partikels wird die Sache bei Zeiss noch nicht abgegolten gewesen sein, sondern die Linsen müssen beim Einbau richtig zentriert sein inkl. opt. Prüfung.
Bei einem Objektiv, das auf dem Gebrauchtmarkt 200 oder 300 Euro kostet, würde dieser Aufwand natürlich in keinem Verhältnis stehen als zu dem von dir genannten Neupreis.

Viele Grüße
Bernd