Verständnisfrage OPTOVAR

Begonnen von peter-h, Januar 28, 2012, 16:24:41 NACHMITTAGS

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Detlef Kramer

Hallo,

ich hatte heute einen geruhsamen Nachmittag und habe mir "Die Geschichte der Mikroskopie" von Dieter Gerlach vorgenommen und habe folgendes gefunden:

S. 900:

"Auf Herausforderungen durch die Konkurrenz wusste Michel durch originelle Ideen zu reagieren. Als Leitz mit seinem großen Forschungsmikroskop Orthoplan auf den Markt kam und in der Werbung die Bedeutung besonders ausgedehnter Gesichtsfelder in den Mittelpunkt stellte - die allerdings nur durch Tuben mit größerem Durchmesser zu erzielen waren -, antwortete Michel mit seinem sogenannten Großfeldrevolver. Dabei wurde mit einer Zwischenoptik die Maßstabszahl des Zwischenbildes um 0,8 verkleinert. wodurch sich das Bildfeld entsprechend vergrößerte. Die Verkleinerung wurde durch  Verwendung stärkerer Okulare ausgeglichen. Man konnte so vorgehen, weil die bisher für eine Sehfeldzahl 20 benutzten Objektive aus Sicherheitsgründen eine Reserve von 25 hatten. Im Übrigen waren die extrem großen Sehfelder nur eine vorübergehende Erscheinung, weil es sich in der Praxis zeigte, dass das Überblicken zu großer Felder auf die Dauer unbequem ist."

Also, meine Erinnerung war nicht ganz richtig oder meine ursprüngliche Information bezüglich des Optovars stammt wo anders her. Interessant Gerlachs Einschätzung des Nutzens großer Gesichtsfelder. Zumindest 22 ist heute schon bei den besseren Chinesen Standard und Zeiss verwendet Bei den Axios mittlerweile 24, so weit ich weiß.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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reblaus

Hallo JB -

Danke für die Auskunft!

Viele Grüße

Rolf

PS.: Im Vergleich zu den Planpos u.ä scheinen mir die Telanlinsen in den Revolvern vergleichsweise stabil, nur in meinem IIIRS Auflichtkondensor habe ich so was.

peter-h

Noch ein kleiner Hinweis zu dem Sehfeld.

In der Zeiss Schrift "Mikroskop-System STANDARD" von 1974 , zu sehen bei Woitzik
http://www.mikroskop-online.de/Mikroskop%20BDA%20Standard%20Prospekte/Mikroskop-System%20Standard.pdf

gab es keine Okulare mit 20mm Sehfeldzahl. Das Großfeldsystem wurde aber beschrieben.
Somit wäre das wahre Sehfeld mit Okularen wie Kpl W 10x/18 dann 22,5mm.

Es wurde sogar ein Großfeld-System-Mikroskop STANDARD 18 angeboten.

Gruß
Peter

TPL

Lieber Peter,
CZ-Okulare mit 20mm Sehfeldzahl gab es schon wesentlich früher. Ich finde sie mindestens ab 1960 in Zeiss-Druckschriften (C5x/20). Ein Kpl-W 8x/20 Pol, dass seiner Bauart nach nicht jünger als 1968 ist, verwende ich selbst.

Solche großen Sehfeldzahlen waren in den ersten Jahren wohl nur für die Verwendung mit monokularen Tuben geeignet, denn die frühen Bino-Tuben "schafften" nicht mehr als Sehfeldzahl 18.

Herzliche Grüße, Thomas

W.Woinack

Hallo Detlef, danke für die Chance, mal wieder den Oberlehrer zu spielen. Okulare mit 24-iger Sehfeld gibt es bei Zeiss nicht. 25 ist für den Imager.; 23 für das AxioScope und 22 für das Axiolab, bzw. 23 in Verbindung mit Zwischen-
platte und AxioScope-Tubus.
Nichts für ungut. Ich konnte an der Steilvorlage einfach nicht so vorbeigehen.
Gruß
Willi

Detlef Kramer

Hallo Willi,

freu Dich! Ich hatte in Erinnerung, dass unser Axioskop 40 SF 24 hat. War aber schon lange nicht mehr dran.

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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peter-h

Noch eine Frage.

Kann man, oder hat sogar schon jemand den Analysator im Optovar nachgerüstet? Allerdings, woher die Teile nehmen  ???

Gruß
Peter

Klaus Schloter

Hallo Peter,ja man kann den Analysator nachrüsten schau mal im Know how nach dort wurde das im vergangenen Jahr beschrieben.

Stephan Hiller

#23
Hallo Peter,

ich nehme den Ball hier noch mal auf und zeige einige Optovare wie ich sie in meiner Sammlung habe (es gibt sicherlich noch mehrere Spielarten davon aber die wichtigsten sind sicherlich mal dabei). Und es ist wie du schon vermutet hast: es sind mehr als in deiner Aufstellung.

Generell gab es bei Zeiss (West) 2 Typen von Optovare: die "Großen" (473052-9901) und die "Kleinen". Die Großen (im nachstehenden Bild links dargestellt hatten 5 Positionen des Drehrades: PH (die schon erwähnte Amici-Bertrand Linse) und die Vergrößerungsoptiken 1,0 – 1,25 – 1,6 – 2,0. Beim Großfeldoptovar: PH – 0,8 – 1,0 – 1,25 – 1,6.
Das Kleine Optovar ist vermutlich das Ältere (wurde viel bei den schwarzen GFL's benutzt) und hatte nur 4 Stellungen: PH – 1,0 – 1,6 – 2,5.
Alle Optovare konnten wahlweise auch mit einem Analysator ausgestattet werden. Man erkennt diesen Einbau an dem kleinen Knopfhebel auf der Rückseite des Optovars (im nachstehenden Bild die rechten beiden Optovare in der unteren Reihe  - links ist der Analysator eingeschwenkt rechts ausgeschwenkt. Am Großfeldoptovar - links dargestellt - fehlt der Analysator und damit auch der Knopfhebel).



Was viele nicht wissen, es gab auch eine sogenannte Tubus Großfeldlinse 0,8x.
Im nachstehenden Bild ist sie zu sehen. Sie wurde in das Gewinde des Monokular- oder Binokulartubus der alten Zeiss Schiebtuben eingeschraubt (unten zu sehen an einem schwarzen GFL Tubus). Diese Großfeldlinse passt nicht in die neueren grauen Knicktuben (Siedentopf) zumindest nicht in Meine. Diese Linse hatte die gleiche Funktion wie die Stellung 0,8 des Großfeldoptovars nämlich das Sehfeld zu vergrößern.



Die Großfeldlinse unterscheidet sich von der Linse des Großfeldoptovars optisch und auch im Gewinde. Die Baulänge des Großfeldoptovars ist kürzer und sie fungiert gleichzeitig als untere Telan-Linse. Nachstehend nochmal das Großfeldoptovar und die beiden Linsen im Vergleich.



Nicht zu verwechseln mit den Optovaren ist das "Filterkarussell" (nachstehend neben dem großen Optovar dargestellt). Es hat 2 Filterräder eingebaut mit folgenden Beschriftungen:
Oben: Leer – 50 – 53 – -65 – 0,01
Unten: Leer – 41 – 44 – 47 – 0,1
Beide Räder können unabhängig voneinander gedreht werden. Die Positionen 0,01 und 0,1 sind Neutraldichte-Filter die anderen Positionen sind nach meinem Kenntnisstand Absorptionsfilter für die Fluoreszenzmikrosokopie und die Zahlenwerte geben die Wellenlängen der Hauptransmisson an (also z.B. 53 = 530 nm). Man kann die Filter auch kombinieren. Man möge mich korrigieren, wenn ich jetzt etwas falsches sage. (Die Position mit der Beschriftung -65 erschließt sich mir allerdings nicht). Ich besitze leider keine Anleitung für dieses Teil und wäre dankbar, wenn jemand aus dem Forum, der im Besitz selbiger ist, mir diese als pdf Kopie zukommen lassen könnte.



Da ich auch die Okulare mit dem 20er Sehfeld habe werde ich Peters Tests bezüglich der Homogenität der Ausleuchtung mit und ohne Großfeldoptovar versuchen nachzureichen, sobald ich etwas mehr Zeit habe.

Grüße

Stephan Hiller

reblaus

Hallo SH -

-65 ist ein Kurzpassfilter, der den sichtbaren Bereich durchlässt und das Infrarot jenseits 650 und auch etwas das UV blockiert. Er ist auch in der Filterkassette (39 mm) für die Phomiversale enthalten und die Absorptionskurve wird in den üblichen alten Filterbroschüren abgebildet.

Gruß

RB

peter-h

Hallo Stefan,

herzlichen Dank für die schöne Zusammenstellung und die Abbildungen. So kommt doch Licht in das Optovar Dunkel  ;D

Ein schönes Wochenende und Grüße
Peter