Fragen an die Objektiv Experten!

Begonnen von Bachianer, Februar 15, 2012, 21:05:29 NACHMITTAGS

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Bachianer

Hallo alle, ;)

meine Frage beschäftigt sich mit verölten Blenden!
Als ich eben in meiner Objektiv- Kiste geschaut habe ist mir bei einem 135mm 2,8 OM Zuiko etwas Öl auf der Blendenlamelle aufgefallen!
Wie bildet sich bei manchen Objektiven Öl auf der Blende, schlechte Verarbeitung oder wie Rheuma, der Eine hat es der Andere nicht???

Führt dieses Öl irgendwann unweigerlich zu Pilz auf der Optik durch Verdunstungsprozesse oder gibt es für das 135mm noch ein Leben nach dem Öl?
Kann man Objektive vor dem Verölen bewahren indem man sie regelmäßig benutzt?

Ich habe eine Menge Objektive die mir ans Herz gewachsen sind, ich möchte sie vor Pilzkrankheiten und der Ölpest schützen!

Danke,
Andreas

treinisch

Hallo,

zu den meisten Fragen kann ich nichts beisteuern,
aber: Sollte man nicht erwarten, dass Öl einer
Verpilzung eher abträglich ist? Es handelt sich ja
wohl schließlich nicht um Salatöl.

Viele liebe Grüße

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

reblaus

Hallo -

Öl gehört nicht auf Blenden- oder Verschlusslamellen. Punctum. Nur muss man leider manchmal damit leben. Es verpilzt auch kaum, sondern verharzt und das ist viel unangenehmer.

Gruß

Rolf


-JS-

Hallo Andreas,
ZitatWie bildet sich bei manchen Objektiven Öl auf der Blende, schlechte Verarbeitung oder wie Rheuma, der Eine hat es der Andere nicht???
Das unerwünschte Öl (oder niedrigviskose Fettbestandteile) auf den Blendenlamellen findet / finden bei Foto-Objektiven zumeist ihren (manchmal komplizierten) Weg von der metrischen Einstellschnecke über Jahre und zahllose verschlungene Kanäle zunächst bis zum Hauptstellring der Irisblende und anschließend ebenfalls über lange Zeiträume hinweg meist auf kapillarem Wege auf die Blendenlamellen selbst.
Von dort aus kann dann ein thermisch bedingter destillativer Umschlag auf die benachbarten Glasoberflächen stattfinden, letztere können somit im wahrsten Sinne des Wortes 'beschlagen' und das führt in der Folge leider zu unerwünschten Effekten wie Weichzeichnung, fehlender Schärfe, flauen Farben und dergleichen 'Schönem' mehr.
In Verbindung mit Staub und Schmutzpartikeln hat die Geschichte durchaus auch Nährbodencharakter. Es gibt genügend ubiquitäre Pilze, die in der Lage sind, auch mittel- und langkettige Kohlenwasserstoffe in ihren Stoffwechsel einzubinden. Die Spuren dieser meist unendlich langsam wachsenden Mycelien sind leider irgendwann einmal unwiederbringlich auf dem Glas zu sehen und machen als Resultat das Objektiv gänzlich unbrauchbar.
Eine Abhilfe wäre ausschliesslich durch komplette Zerlegung der Optik, einer Entfettung der gesamten Blendeneinheit, der gründlichen Reinigung des Linsenaufbaus sowie auch der Einstellschnecke inklusive deren anschliessender (sparsamer) Neubelegung mit einem geeignetem und in seiner Viskosität angepassten Schneckenfett zu erreichen.
Ob sich dieser recht hohe Aufwand allerdings lohnt, müsstest Du ganz allein für Dich entscheiden.
Viele Grüße
Joachim



... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

TPL

Hallo Andreas,
es klang schon an: Verölung und Verpilzung sind zwar beide schlimm, aber sie treten aus unterschiedlichen Gründen auf. Wir beide können da ja ein Lied singen... :-[.

Glaspilz kenne ich von mehreren Vergrößerungsobjektiven und einem Stereomikroskop, das dummerweise genauso blöd gelagert wurde, wie die Vergrößerungsobjektive - nämlich dunkel, kühl und feucht ::). Dass also Vergrößerungsobjektive verpilzen liegt nahezu in der Natur ihres Milieus. Die immer wiederkehrenden Optik- "Kellerfunde" sind deshalb auch für mich eine echte Abschreckung (Dachbodenfunde sind nur insofern besser, als es dort meist nicht ganz so feucht ist).

Dein (und mein :'() Problem ist aber ein Ölschleier.

Wie Rolf korrekt geschrieben hat: auf die Blenden-Lamellen gehört nicht ein Tropfen Öl! Null! Gar nichts! Eine Bahndlung mit Xylol (nach Reinigung in WD-40 und Waschbenzin!) hat bei meinen Reinigungen immer genau die saubere und glatte Oberfläche hinterlassen, die ich mir für diese filigranen Blättchen wünsche. Die kleinen Bolzen allerdings, mit denen die Lamellen in ihren Lagern gehalten werden - die brauchen eine Schmierung!

Und da liegt der Hase im Pfeffer: Je nach Fett oder Menge desselben wandert dieses im Verlaufe der Jahre und der atmosphärischen Bedingungen auf die Lamellen. Eine Benetzung der Lamellen muss nicht zwingend schlimm sein, aber sie kann dazu führen, dass ein nützliches, aber instabiles Schmiermittel sich irgenwann in zwei völlig unnütze Bestandteile aufteilt: ein "bockelhartes" Gemisch aus Harzen, Abrieb und Staub und einen Niederschalg der leichter flüchtigen Bestandteile auf den angrenzenden Linsen (liest sich das irgendwie bekannt?).

Im Gegensatz zum Glaspilz sind solche Fett-Verharzungen mit Ölnebel allerdings reparabel. Der Aufwand ist nur recht hoch.

Beste Grüße,
Thomas

Nomarski

ZitatDie kleinen Bolzen allerdings, mit denen die Lamellen in ihren Lagern gehalten werden - die brauchen eine Schmierung!

Brauchen sie nicht, wichtiger ist, daß der Bolzen zum Lager das nötige Spiel hat und durch Klemmung nicht abreißen kann. So einen Fall hatte ich kürzlich, der sich zum Glück noch retten ließ.

Viele Grüße
Bernd

-JS-

#6
Ich möchte Bernd beipflichten - die Lagerbuchsen brauchen keine Schmierung.
Entweder sind sie aus Sinterbronze gefertigt und bauen mit ihrer Oberflächeneigenschaft
genügend Gleitfähigkeit gegenüber der Lagerungsbohrung auf oder sie sind aus gehärtetem
Stahl und zugleich leicht untermaßig ausgeführt.
In beiden Fällen erübrigt sich dann eine Herabsetzung der Oberflächenreibung durch ein
Schmiermittel.
Gleiches gilt z.B. auch für die Lagerstifte von Verschlusslamellen, hier wäre ein Öl sogar
eher hinderlich, weil es nach Jahren verharzen kann und damit zusammenhängend die
Verschluss-Zeiten 'falsch' werden könnten.
Aber Letzteres dürfte nun wirklich OT sein  ;D
Viele Grüße
Joachim
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

TPL

Vielen Dank, Euch beiden!
Ich habe auf die Lagerbolzen (eher: Bölzchen) bisher immer einen Hauch eines (nicht entgasenden) Teflon-Schmiermittels eines großen Mikroskop-Herstellers aufgebracht, weil mir die Kontakte nach der Reinigung einfach zu "trocken" vorkamen. Völlig ohne Schmierstoffe ist die Sache natürlich einfacher ;D. Das werde ich demnächst gleich an der vorderen Stativblende eines Uralt-Universals umsetzen.
Herzliche Grüße,
Thomas

-JS-

#8
Lieber Thomas,
vergiss aber bitte nicht, vorher die Bohrungen für die 'Bölzchen' gründlich zu reinigen.
GRÜNDLICH !!!
Ich möchte damit andeuten, dass genau dort oftmals die Ursache des Übels von Schwergängigkeit
der Lamellenbewegung zu suchen ist. Minimale Restfette in pleistozänischem Zustand der Verharzung,
also etwa so zäh wie Bernstein (jaja, ich weiss, da *kann* was nicht stimmen...), dort vergessen
und/oder nicht entfernt, machen noch so sorgfältige Reinigung der übrigen Bestandteile vollkommen
zunichte. Nachher geht's dann alleweil genau so zäh.
Also: Stereolupe, feine Nadel, Dichlormethan oder (für Todesmutige) Xylol und pulen, was das
Zeug hält  ;D
Viel Erfolg!
Gruß
Joachim
PS: was ist bitte
Zitatvordere(n) Stativblende eines Uralt-Universals
... grübel... ??
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

TPL

Zitat von: -JS- in Februar 16, 2012, 00:14:16 VORMITTAGwas ist bitte
Zitatvordere(n) Stativblende eines Uralt-Universals
... grübel... ??

Lieber Joachim,
ganz kurz nur - vor der Heia:
die frühen, hammerschlag-lackierten STANDARD Universal hatten eine vordere Stativblende unterhalb des Kondensors und eine hintere Stativblende knapp vor der Kollektoroptik des Leuchrohres. Darin unterscheiden sie sich nicht vom Phomi I.

Ich vermeide in diesem Zusammenhang gerne den Begriff Leuchtfeldblende, da die vordere Stativblende - je nach eingesetztem Objektiv und Kondensor - auch schon mal die Funktion der Aperturblende hat! Zugegebn, etwas verwirrend, aber ... so isses.

Gute Nacht,
Thomas

Bachianer

O.K. danke ihr Lieben,

also hängt Pilzbildung nicht zwingend mit verölten Lamellen zusammen, das habe ich so verstanden!
Wie ist es wenn ein pilzbefallenes Objektiv mit anderen Objektiven in eine Kiste aufbewahrt wird, kann er sich auf andere Objektive verbreiten oder ist das Unfug?
Wo vor ich ein wenig Angst habe ist das so ein pilzverseuchtes Objektiv alle anderen Optiken anstecken kann, dass wäre der Supergau... >:( :(

Thomas hast du dein Photar schon unterm Stemi gehabt und rausgefunden was los ist?

danke euch,
Andreas

-JS-

#11
Lieber Andreas
st_ell (aus Richtung norddeutsch-hamburgischer betrachteter phonetischer Diktion) Dir bitte
die von dort aus sehr weit südlich gelegene und damit für hanseatisch ausgerichtete Ohren recht
schwer verständliche Syntax vor:
'Schpore könnet ungemein weit flieche... do wäret dischtanze von 100 meta denno goanix.
Unn...Schpore hebbet no gor kenne Grennse, so denn wenzich Lügge penetriert solln weehn.'
In sicherlich laienhafter Übersetzung dieses aus dem Gedächtnis formulierten Protokoll-Ausschnitts
eines überaus interessanten Kolloquiums (Zeitrahmen 1971):
'Der Bewegungsraum von Sporen ist ungemein groß. Distanzen von 100 Metern sind keine Selten-
heit. Auch in Bezug auf das Penetrieren kleinster Lücken gibt es für Sporen keine Grenzen.'
Demzufolge muss Deine bänglich gestellte Frage
ZitatWo vor ich ein wenig Angst habe ist das so ein pilzverseuchtes Objektiv alle anderen Optiken anstecken kann,
leider abschliessend mit einem klaren 'JA' beantwortet werden.
Tut mir leid.
Abhilfe 1: Objektive zum Einlagern einzeln in **gute** Tüten verpacken, wenn möglich, mit Stickstoff, besser mit Argon
begasen.
(Argon hat eine höhere Dichte und bleibt gern trotz Brown'scher 'Wimmelbewegung' am Boden und im Volumen der
Tüte zurück und hilft zudem den 'lieben Kleinen' dabei. schneller durch Ersticken den Weg zum Hades zu finden
[wieso fällt mit jetzt der Song 'Don't pay the ferry-man' ein  ;D ;D] ).
Abhilfe 2: Objektive weder auf dem Dachboden noch im feuchten Keller lagern, sondern bei Zimmertemperatur (18-22 °C)
vor Licht geschützt und trocken.
Ich denke, dass für den Anfang vielleicht schon mal genug Tipps vorliegen.
Viele Grüße
Joachim


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