Beschädigtes (oder verdrecktes?) Prisma bei einem Leitz-SM

Begonnen von detlef.q, Februar 22, 2012, 06:50:15 VORMITTAG

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detlef.q

Hallo zusammen,

wie es wohl so vielen von uns ergeht, kommt man irgendwann zum 2, 3, oder ... Mikroskop.
Ich habe gerade ein kleines, schwarzes Leitz-SM, Monookular, an Land gezogen und musste an dem Gerät einen Mangel festgestellt: Beim Einsatz von Objektiven, ab einer Vergrößerung von 40x, sieht man starke Schatten beim Blick durch das Okular. Diese Beeinträchtigung stammt von dem Prisma, welches an Ober- und Unterseite Unregelmäßigkeiten in der Oberflächenfarbe aufweist. Bläulich schimmernde Stellen wechseln sich mit weißlich schimmernden Stellen ab.
Ich zeige das Prisma hier, die fehlerhaften Stellen sind auf dem Foto jedoch nicht zu sehen.



Wie es scheint, ist eine Beschichtung des Prismas (Antireflexbeschichtung) teilweise verschwunden, oder es ist irgendeine Verunreinigung auf dem Prisma.

Und jetzt meine Fragen an Euch:

-   Kann ich das Prisma mit irgendeinem Mittel reinigen, ohne die Antireflexschicht zu beschädigen?
-   Oder, falls diese Beschichtung beschädigt ist, ist es besser diese ganz zu entfernen?
-   Lässt sich eine Antireflexbeschichtung erneuern?
-   Oder ist das Prisma sozusagen ,,erledigt" und nicht mehr zu retten?

Vorab Danke für Eure Antworten!

Liebe Grüße
Detlef

Rawfoto

Guten Morgen

Ich wuerde einen Reinigungsversuch wagen, verlieren kannst Du ja nicht viel, wenn es wirklich die Beschichtung ist ist das nicht finanzierbar. Ich glaube sogar Du findest keinen Linsenhersteller der sich das antut eine ihm nicht bekanntes Prisma neu zu beschichten ...

:-)

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Werner

#2
... Ich habe ein ähnliches Problem mit einem Tubusprisma (Meopta).
Die Entspiegelungsschicht ist fleckig, das Streulicht macht flaue Bilder. Die Schicht besteht üblicherweise aus Magnesiumfluorid, das ist aber nur in heißer starker Schwefelsäure löslich ist. Eine Entfernung damit habe ich noch nicht probiert. Das Übliche ist wohl ein Wegpolieren mit Pech und Ceroxid. Die fehlende Schicht erzeugt einen Lichtverlust von 4%, was aber besser ist als ein fleckiges Bild. War ja früher auch so.
Ich warte aber stattdessen, ob ich nicht ein passendes Prisma günstig ersteigern kann, nur ist Meopta ja relativ selten angeboten

Eine Internetsuche ("entspiegeln") ergibt, daß es doch einige Firmen gibt, die gegen Vergütug vergüten. Man muß sie zu Einzelheiten kontaktieren.
Die Kosten liegen ab 100 Euro. Für ein Einzelstück ist das ganz schön happig, es relativiert sich aber dann, wenn man mehrere Teile gleichzeitig entspiegeln läßt.
Eine Überlegung wert ist, ob man sich nicht noch einige große Deckglaser mitentspiegeln läßt, die kann man dann bei Bedarf mit Öl oder Kanadabalsam auf unverspiegelte ebene Flächen aufkleben.

Viele Grüße   -   Werner

detlef.q

Hallo,

na dann werde ich mal einen Reinigungsversuch durchführen.

Eine professionelle Neuverspiegelung  lohnt sich bei diesem ,,einfachen" Gerät wohl nicht, da werde ich lieber versuchen, mir ein Austausch- Prisma  zu besorgen. 
Es ist aber interessant, dass so etwas durchführbar ist.

Das Wegpolieren mit Ceroxid ist eine gute Idee, nur denke ich, dass dieses Poliermittel nicht so leicht zu bekommen ist.  Die ,,seltenen Erden" sind ja sehr rar und teuer.

Ab wann sind  verspiegelte Prismen in die Mikroskope eingebaut worden, gibt es hier einen ungefähren Zeitpunkt?

Gruß Detlef

ortholux

Lieber Detlef,

Du hast es ja bereits erkannt. Ein koplettes SM mit Monotubus ist mit Glück für rund 50 Euro bei ebay zu bekommen. Ein einzelner Tubus für rund 10.

Vergütungen gab es ab den 30er Jahren. Hier eine unbelegte Quelle, die von 1935 spricht:

http://www.allerlei.gmxhome.de/history.htm

Viele Grüße
Wolfgang

Werner

Hallo Detlef!

Das Poliermittel und Polierpech ist nicht soo.. schwer zu bekommen.
Schau mal auf den Amateur-Astronomieseiten unter dem Stichwort "Schleifen" oder "ATM".
Da sind oft Quellen angegeben.

Gruß   -   Werner

Hugo Halfmann

Hallo Detlef,

wenn das das Prisma aus dem Monotubus ist, dann würde ich mir ggfls. einen neuen Tubus besorgen, für die paar Euro lohnt es doch nun wirklich nicht, ein teures Poliermittel zu kaufen.
Mehr als "Sidolin streifenfrei" würde ich da nicht investieren. Meist sind das irgendwelche Fettschlieren, die sich im Laufe der Jahre auf dem Prisma abgelagert haben, oft sind die Geräte dann in der Vergangenheit falsch gelagert worden, das war bei meinem alten Zeiss-Winkel Binotubus auch so: das Fett, welches die Augenabstandsverstellung schmieren sollte, hatte sich an den unmöglichsten Stellen verteilt. Das Mikroskop stand Jahrzehnte auf einem nicht isolierten Dachboden, die Hitze längst vergangener Sommer ließ grüßen.....
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

detlef.q

Hallo Hugo,

ja, ich werde mir einen neuen Tubus besorgen. Evtl. habe ich Glück und ich finde einen Binotubus.

Ich habe das Prisma gereinigt, die optischen Eigenschaften haben sich leicht verbessert.
Mir ist jetzt klar, dass sich die Antireflexbeschichtung teilweise abgelöst hat.

Werner, danke für den Tipp. Ich finde es interessant, dass es überhaupt möglich ist eine Linse, oder eben ein Prisma zu polieren.
Wer weiß, wofür das noch mal gut ist. Ich werde der Sache mal nachgehen.

Viele Grüße
Detlef

peter-h

Hallo Detlef,

bevor Du wirklich mit Schleif- oder Poliermittel beginnst, kannst Du auch eine schonende Methode versuchen.
Wir haben Aufdampfschichten sehr oft mit einer Tesafilm-Methode auf Haftung geprüft. Tesafilm gut aufreiben und dann mit einem Ruck abziehen. Bei alten Schichten ist die Haftung nichtmehr so fest und sollte mit einigen Versuchen so abzuziehen sein. Damit wird in keiner Weise die optische Oberfläche angegriffen. Je nach der Art der Aufbringung einer einfachen MgF2 Schicht und der Vorbehandlung der Oberfläche ist die Haftung gut - schlecht.
Ob es wirklich starke Kontrastverluste ohne eine Antireflexbeschichtung sind will ich nicht recht glauben. Kratzer , Schleifspuren und Schmierfilme sind weit schlimmer.
Ein Glas - Luft Übergang bringt 4% Reflexionsverluste. Mit MgF2 (Brechwert ~1,38) kommt man auf 1,4% (streng genommen nur für eine Wellenlänge), also auch nicht auf Null !
Erst Mehrschichten aus wenigstens 5 Einzelschichten können die Verluste breitbandig unter 0,2% bringen.

Die Verspiegelung würde ich mir gut ansehen ! Hier ist es sogar möglich ohne großen Aufwand eine Silberschicht neu aufzubringen. Die Anleitungen findet man bei den Astronomen. Das kostet dann kaum etwas, nur wenige Gramm Chemie!

Nur so meine Gedanken zu einem alten Prisma  ;)
Peter


Mario1966

Hallo Detlef, ich beschäftige mit seit Jahren mit Optik im mikroskopischen und astronomischen Bereicht.
Bei der Antireflexschicht handelt es sich um eine aufgedampfte Schicht die ist wischfest aber nicht kratzfest in dem Sinne, du nimmst erst ein Pinsel machst die Flächen sauber wegen Quarzstaub und normalen Staub dann nimmste ein leichgetränkten  weichen Lappen mit Isopropanol und wischst leicht über die Flächen da passiert nicht ( nicht stark auf drücken).

Gruß Mario

detlef.q

Hallo Peter,

die Sache mit der "Haftfestigkeitsprüfung" mittels Tesa ist wirklich eine gute Idee! Dadurch habe ich bisher fast die gesamte Beschichtung abgezogen. Nur ein paar hartnäckige Stellen sind noch vorhanden. Und das ist nur eine Frage von Zeit und Ausdauer.

An diese Methode hatte ich im Vorfeld kurz gedacht, sie ist mir dann aber wieder entfallen.
Dabei ist mir das nicht fremd: Mittels Gitterschnitt habe ich vor mehreren Jahren die Haftung von Lacken und Farben geprüft.
Schönen Dank, dass Du mich daran erinnert hast!

Hallo Mario,

Isopropanol habe ich schon ausprobiert, dadurch konnte ich nur sehr wenig der Beschichtung abwischen. Aber zusammen mit der Tesa-Methode werde ich mein Prisma bald sauber haben.

Ach ja, und Wolfgang Danke für Deine "History", einen Einblick in die Geschichte der Fototechnik.
Dann gibt es die vergüteten Prismen ja doch schon sehr lange. Mein Gedanke war, ob man nicht gezielt nach Geräten ohne Vergütung schauen könnte, falls es da öfters zu Problemen mit den alten Antireflexbeschichtungen kommt. Aber das ist dann ja Quatsch. Ich denke, dass die meisten Vergütungen die Zeit bisher wohl überlebt haben.

Einen schönen Abend
Detlef