Einfache aber wirkungsvolle Reparatur von Delaminationen

Begonnen von EugenOnegin, August 09, 2012, 18:10:05 NACHMITTAGS

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EugenOnegin

Hallo liebe Mikroskopiegemeinde,

es ist mir leider nicht bekannt, ob dieses Verfahren schon mal beschrieben wurde. Wenn dem so ist bitte ich um Verzeihung für die Doppelnennung :)

Vor ca. 3 Jahren habe ich eine Russentonne (Astronomiefans kennen das Ding vielleicht) erstanden. Dabei handelt es sich um ein Spiegelobjektiv für die Fotographie. Leider zeigte sich eine Delamination der Fläche zwischen aufgeklebtem Fangspiegel und der Frontplatte der Maksutovoptik. Damals kam mir die Idee, dass Immersionsöl ähnliche optische Eigenschaften aufweist wie Glas und außerdem Kriecheigenschaften besitzt. Da das Objektiv ohne Reparatur leider hinüber gewesen wäre, habe ich einfach einen Ring aus mehreren Tropfen I-Öl zwischen Frontplatte und Fangspiegel aufgetragen.

Es hat funktioniert! Das Öl ist in den Spalt gekrochen und hat die Delamination beseitigt. Und zwar komplett!

Daraufhin habe ich das ganze mit einem Zeiss 10x KLP-W Okular probiert. Nach ca. 1 Woche Einwirkzeit war auch hier eine randliche Lamination (geschlossener Kreis, ca. 3mm Durchmesser) nicht mehr auszumachen (auch nicht mit Tricks). Ich habe dafür das Okular zerlegt und die betroffene Linsengruppe in eine kleine Petrischale mit ein wenig Immersionsöl eingelegt.

Für meine Begriffe ist das sicherlich eine interessante Methode potentiell verlorene Optik wiederzubeleben.

Danach folgte ein Versuch mit einem Wollaston-Prisma aus meinem DIC Kondensor (Zeiss Standard). Hier wurde die Delamination leider nicht völlig beseitigt (vll. sollte ich die Klebeschicht an der Kittfuge mal entfernen) aber stark gebessert.

Fotos wären nicht schlecht, leider habe ich das vergessen. Diese werden aber beim nächsten Versuch nachgeliefert.

Der Haken an der Sache: Wie lange mag sich wohl Immersionsöl halten? Ich habe schon Öle von Ortholuxen gesehen (allerdings von 1954!!) die nicht mehr klar waren. Weiß vielleicht jemand von euch, ob das auch für moderne Öle gilt?

Herzliche Grüße

Fabian Herrmann

Eckhard F. H.

ZitatDas Öl ist in den Spalt gekrochen und hat die Delamination beseitigt. Und zwar komplett

Hallo Fabian Herrmann,
wohl, wohl! Fragt sich nur, wie lange dieser Zustand andauert, bis er von einem neuen Makel abgelöst wird.  ;D
Gruß - EFH

EugenOnegin

Guten Abend Herr Nowack,

da haben Sie sicher recht, eine kritische Haltung ist sicher angebracht. Ich kann nur sagen, dass sich bei der Reparatur vor ca. 3 Jahren bis heute keine Veränderungen zeigen. Zumindest sind diese für mich nicht sichtbar.

Herzliche Grüße

Fabian

Frank D.

Hallo Fabian,

eine wirklich wirkungsvolle Methode. Eventuell kann der Randbereich noch mit Epoxydharzkleber versiegelt werden, oder Du benutzt statt Immersionsöl flüssiges Kanadabalsam (evtl. in wenig Xylol gelöst).

Hier ein Verweis auf die erste Methode:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2179.msg12472#msg12472

Und dieser führt zum Balsam:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11824.msg87712#msg87712

Herzliche Grüße
Frank

reblaus

Hallo Fabian -

im Forum existiert bereits ein längerer Zwirn über dieses Thema, neben Immersionsöl wurden auch andere Sachen verwendet, mit Teilerfolgen. Einfach mal Suchen!

Gruß

Rolf

PS. Ich sehe grade - Frank war schneller!


peter-h

Hallo zusammen,

vor ca. 1 Jahr oder schon länger habe ich ein Zeiss Kpl 10x ebenfalls mit einem Öl versehen. Etwas komplizierter, denn die Linsengruppe wurde unter Vakuum mit Öl getränkt damit es auch sicher keinen Luftspalt mehr gibt. Das Öl wurde extra mit sehr niedrigem Dampfdruck ausgesucht. Ein Diffusions-Pumpenöl für den Ultra-Hochvakuumbereich. Das Okular ist nicht mehr bei mir, habe aber auch keine Negativmeldung. Nach der Behandlung war keine Delaminierung mehr erkennbar.

Ein Zeiss DIC Prisma hat sich allen Versuchen widersetzt. Es wurde der Randbereich von aller Versiegelung befreit und zig mal im Vakuum versucht das Öl eindringen zu lassen. Pech !

Gruß
Peter