Buntsandstein aus Bad Orb im Auflicht

Begonnen von Fahrenheit, November 04, 2012, 21:23:00 NACHMITTAGS

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Fahrenheit

Liebe Freunde,

zur Abwechselung mal etwas mineralisches: Buntsandstein aus Bad Orb, der mir heute beim Besuch der Steinbrüche oberhalb des Ortes in die Hände gefallen ist.

An einem Hang südöstlich der Stadt liegen einige aufgegebene Steinbrüche, in denen der Buntsandstein für die umliegenden Gebäude gebrochen wurde. Die meisten sind zwischenzeitlich überwachsen, aber einer wurde geräumt und eine Wand aufbereitet. Von diesem künstlichen Aufschluss stammen meine Proben, die ich im improvisierten Auflicht (Jansjö ...  :D ) auf dem Leitz HM fotografiert habe. Dabei handelt es sich allerdings wieder um Einzelaufnahmen mit den Achromaten, mit Unschärfen muss also gerechnet werden.  ;D

Kurz zur Geologie (Wikipedia zum Spessart):
Der Untergrund des Spessarts besteht besonders in seinem westlichen Teil (Vorspessart) bis östlich Aschaffenburg aus Diorit sowie verschiedenen Arten von Gneis und Glimmerschiefer. Es gibt um Aschaffenburg auch gangartige Vorkommen an Spessartit, die aber in der Regel bereits abgebaut wurden. Meist besteht der Untergrund allerdings aus Buntsandstein, der die kristallinen Gesteine überlagert. Ganz im Südosten sind noch Muschelkalkrelikte erhalten. Im Norden liegen unter dem Buntsandstein auch Ablagerungen aus dem Perm (Rotliegendes und Zechstein).

Bild 1: Eine der Buntsandsteinwände im geräumten Steinbruch

Die Wand ist ca. 5 bis 6 Meter hoch.

Bild 2: Eine geschichtete Verwitterungszone


Bild 3: Oberfläche eines Plättchens aus der Veritterungszone, Vergrößerung 35x, Einzelaufnahme


Bild 4: Die gleiche Oberfläche nach dem Einsatz eines Bürstchens, Vergrößerung 35x, Einzelaufnahme


Bild 5: Der zerfallende Sandstein bildet die Grundlage für teilweise üppiges Flechtenwachstum, Vergrößerung 35x, Einzelaufnahme


Bild 6: Etwas näher heran, Vergrößerung 100x, Einzelaufnahme


Bild 7: Und was baut man nun daraus? Hier als Beispiel das alte Maschinenhaus des einzigen noch erhaltenen Gradierwerks am Ort.


Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

TPL

#1
Lieber Jörg,
willkommen zurück und "Chapeau" vor Deinem Beitrag, der mich als Erdenkundler ein wenig beschämt (wie so Vieles, was hier in den letzten Wochen wort- und erst recht bildkräftig gezeigt wurde).
Bedauerlicherweise ist der Buntsandstein zwar durchaus bekannt für spektakuläre Wirbeltiere, aber ein Jammertal zur "Suche am Wochenende" oder gar zum Schlämmen von Mikrofossilien. Ich wil das natürlich Niemandem ausreden, aber da ist einfach nichts drin. NIX, gar nichts! Es sind ja kontinentale Ablagerungen und damit potenzielle Quellen der terrestrischen Palynologie (Kunde von den fossilen Sporen und Pollen). Aber bis auf ganz seltene, nicht durch oxidierende Wässer zerstörte Schichten ist der Buntsandstein eine für die Biostratigraphie eher schwierige Formation.

Umso schöner, zu sehen, was darauf wächst, und was man aus diesem lebhaft gefärbten, plattigen Gestein für einen schönen Nutzen ziehen kann. Im Weserbergland werden sogar die Dächer damit gedeckt...

Glückauf, Thomas

Fahrenheit

#2
Lieber Thomas,

schön, dass Dir der kleine Beitrag zu den Steinbrüchen in Bad Orb gefällt und vielen Dank für Dein Lob!

In den Aufschlüssen, besonders in den überwachsenen, wirkt der Sandstein zunächst ja völlig unspektakulär, aber ich finde die Verwitterungszonen immer sehr interessant. Die ausgeprägte Schichtung im oben gezeigten Beispiel fand ich da besonders schön.

Dass Sandstein zum Eindecken von Dächern benutzt wird, hätte ich nicht gedacht - er ist doch meist sehr Wasserdurchlässig?

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

Lieber Jörg,

durch Deinen tollen Beitrag habe ich einiges zum Spessart gelernt.
Stürze bei Deinen sonntäglichen Ausflügen bitte nicht in die Kinzig, der Bach führt jetzt sicher viel Wasser.  ;)

Mit freundlichem  Gruß

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Fahrenheit

Lieber Hans-Jürgen,

auch Dir vielen Dank!

Die Kinzig habe ich noch nicht gesehen, aber gemessen an der Orb dürfte sie tatsächlich einiges an Wasser führen.
Und nein, zum Schwimmen gehe ich lieber in die örtliche Therme.  ;D

Herzliche Grüße
Jörg
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Rawfoto

Hallo Joerg

Spannendes Abendprogramm lieferst Du da, danke. Verwundert bin ich ueber den Abfall der Qualitaet von der Mitte zum Rand bzw. zu den Ecken. Da mir das so noch nicht bewusst geworden ist wuerde mich interessieren was fuer Objektive Du da eingesetzt hast.Kannst Du Bitte auch sagen wie viel Du vom Zwischenbild verwendet hast?

Liebe Gruesse aus Muenchen

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Fahrenheit

Lieber Gerhard,

vielen Dank! Mal was anderes als Pflanzenschnitte.  ;)

Die Objektive sind die Achromate, die Leitz seinerzeit (Mitte der 60er Jahre) am HM verbaut hat. Das HM war als Kursmikroskop für Universitäten und Schulen gedacht und musste da natürlich preiswert sein (kostete dann aber doch zwischen knapp 500 und fast 700 DM).
Die Objektive liefern besonders mit natürlichem Licht ein sehr schönes, stimmiges Bild, aber eine Bildfeldebnung in irgend einer Form war da natürlich nicht mehr drin.

Wenn Du magst, kannst du auf der MKB-Webseite ein wenig zum HM nach lesen. Leica war so freundlich, auf Anfrage eine Kopie des Originalkatalogblatts sowie eine "Geburtsurkunde" zuzusenden.

Leider kann ich Dir nicht sagen, wie viel vom Zwischenbild bei der Okularadaption mit Fremdokular genutzt wird, zumal das auch je nach Objektiv unterschiedlich ist.

Herzliche Grüße
Jörg
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Rolf-Dieter Müller

Lieber Jörg,

Dein Beitrag gefällt. Gut, die Mikrobilder sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber warum nicht wenn man unterwegs ist und das Arbeitsmikroskop weit weg.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Fahrenheit

Lieber Rolf-Dieter,

schön, dass Du dem Beitrag trotz der sehr unscharfen Bilder etwas abgewinnen konntest.  :D

Die Oberfläche des Sandsteins ist mit seine Riefen und Erhebungen natürlich eine echte Herausforderung. Aus meiner Sicht hätte man da auch mit Plan-Objektiven stacken müssen, um einen halbwegs scharfen Gesamteindruck zu erreichen. Eigentlich gehört eine solche Probe unter ein Stemi, wo die Schärfentiefe wegen des höheren Arbeitsabstandes nicht ganz so problematisch ist.
Das gilt natürlich erstrecht für den bewachsenen Stein. Aber was soll's ich habe hier halt nur mein HM. ;)

Herzliche Grüße
Jörg
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RalfAusDrols

Hallo Jörg,

das vorletzte Bild gefällt mir gut. Es muss nicht immer das durch und durch knacke scharf Bild sein, einwenig Kunst im Bild sei auch mal erlaubt.

Gruss
Ralf

Eckhard

Lieber Jörg,

ich experimentiere auch gerade mit Auflichtobjektiven. Schöne Bilder. Mut zur Unschärfe kann ich da nur sagen. Es muss nicht immer gestapelt werden.

Hast Du denn aus dem Gradierwerk etwas Rotdorn stibitzt?

Herzliche Grüsse
Eckhard

Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
Zeiss Sigma (ETSE, InLens SE)

www.wunderkanone.de
www.penard.de
www.flickr.com/wunderkanone

Fahrenheit

Lieber Freunde,

auch Euch vielen Dank für Euer Lob!

Lieber Eckhard,

nein, kein Mut, blanker Pragmatismus.  ;D Und es sind nicht mal Auflichtobjektive.
Dir viel Erfolg bei Deinen Experimenten, ich freue mich schon auf die Ergebnisse.

Rotdorn? Das hätte ich tun können. aber der ist schon zu lange tot. Da bekommt man keine schönen Häckeldeckchen mehr hin.  ;D

Herzliche Grüße
Jörg
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