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Urlaub mit dem Mikroskop

Begonnen von Rolf-Dieter Müller, September 29, 2013, 11:03:52 VORMITTAG

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Eckhard F. H.

Hallo Rolf-Dieter,
herzlichen Dank für diese Augenweide. Sieht aus, als probten kleine Aliens ´La Ola´? ;D
Gruß - EFH

peter-h

Hallo Rolf-Dieter,

ich erlaube mir noch einige Bilder nachzuliefern.
Da wäre zunächst der Sanddorn im Sommer.



Nun in trinkbarer Form als Grog  ;D


und Deine erwähnten Seehunde gibt es auch noch. Nur war mein 300er Tele zu schwach.


Eine schöne Insel und mit Mikroskop noch schöner.
Peter


Rolf-Dieter Müller

#17
Hallo Klaus, Eckhard und Peter,

vielen Dank für Eure Anmerkungen.

@Klaus, ja Eingeweihte haben es erkannt, ich war auf Borkum, das ist die westlichste der Ostfriesischen Inseln. Den Aufenthalt dort habe ich bewusst gewählt, da die Insel klimatisch sehr ansprechend ist und mit Bahn und Schiff (Katamaran) von mir aus als fast durchgehende Verbindung zügig zu erreicht werden kann.

@Peter, am nächsten Tag habe ich das ,,Sanddorn"-Fachgeschäft aufgesucht. Ich hätte nicht gedacht was man alles aus den Früchten herstellen kann. Auf meiner Nachfrage und dann zu meiner Überraschung werden die Artikel, obwohl mit ,,Borkumer-.." ausgezeichnet, gar nicht dort hergestellt. Jedenfalls der von mir mitgebrachte ,,Borkumer Sanddorngelee" kommt aus Aurich.

@All, etwas habe ich noch. Auf der Insel gibt es auch reichliche Flechtenvegetation. Neben Xanthoria sp. findet man vornehmlich in offenen Flächen der Dünen-Gebüschvegetation die Cladonia portentosa (Ebenästige Rentierflechte).


Bild 6 Offene Dünen-Gebüschvegetation

Mir ist aufgefallen und wenn mich nicht alles täuscht, findet man Flechtenwuchs vornehmlich im Umfeld von Kaninchenpopulationen.


Bild 7 Cladonia portentosa (Ebenästige Rentierflechte) – links oben. Aufnahme aus Standhöhe

Vor meinem Urlaub drückte mir Horst Wörmann ein Keramikring 17x12 mm mit der Bemerkung ,,versuch es damit einmal" in die Hand. Deshalb habe ich auch meinen Mikroheizer mitgenommen, um der Aufforderung nachzukommen. Zuerst erschien mir der Sublimationsabstand mit 12 mm doch recht viel, aber es geht ja auch mit ,,Masse statt Klasse" für einen ersten Versuch.

Am letzten Abend vor meiner Abreise habe ich es gemacht. Der Ring wurde mit einer Esslöffel-Spitze zerkleinerter C. portentosa gefüllt und dann an Deckglas sublimiert. Eigentlich wollte ich am gleichen Abend noch Bilder in diesem Beitrag einstellen, doch erreichte mich vorher die Nachricht von Joachim (-JS-), das der Adapter versandfertig ist und so beschloss ich die Aufnahmen Zuhause, aber unter gleichen ,,Feldbedingungen" zu machen. Außerdem wollte ich die Gelegenheit wahrnehmen, Mikroaufnahmen ordentlich zu bemaßen, denn mein Objektträgermikrometer hatte ich dummerweise nicht mit gehabt.

Den Adapter hat Joachim hier beschrieben: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=17580.0

Und hier mein Ergebnis mit der Canon 600d, einem 50 mm Normalobjektiv und ganz normalem Zeiss Okular 8x Kpl (kein Brillenokular!).


Bild 8 Sublimat Flechteninhaltsstoff Cladonia portentosa (Ebenästige Rentierflechte) – Canon 600d, Canon Lens EF 50 mm 1:1.8, Zeiss Okular Kpl 8x /18, Zeiss Objektiv Planapo 25 / 0.65 am Zeiss Standard 16 – mit gekreuzten Polfiltern

Dieses ist nur ein Ausschnitt der Vielfalt von Auskristallisationen. Wenn ich mir beim Durchmustern die verschiedenen Kristallformen ansehe, dann ruft es schon fast nach fraktionierender Sublimation.

Die Kristalle dieser Flechteninhaltsstoffe sind übrigens farblos, eine Hellfeldaufnahme ist trotzdem möglich. Beide Bilder können gut verglichen werden, denn der Ausschnitt ist identisch.


Bild 9 Sublimat Flechteninhaltsstoff Cladonia portentosa (Ebenästige Rentierflechte) – Canon 600d, Canon Lens EF 50 mm 1:1.8, Zeiss Okular Kpl 8x /18, Zeiss Objektiv Planapo 25 / 0.65 am Zeiss Standard 16 – Hellfeld

Natürlich habe ich auch das Präparat mit Durchlichtfluoreszenz angesehen. An einer anderen Stelle war sogar eine ausgeprägte Primärfluoreszenz bei Blauanregung mit je nach Sperrfilter grün bzw. grüngelb emittierenden Farben. Bevor ich aber hiervon Bilder zeige, möchte ich das Ergebnis erst mit Horst Wörmann diskutieren um sich zu sein, keiner Fehlinterpretation (zum Beispiel durch Reflexionen) aufzusitzen.

Das kann dann ganz gut ein Thema in einem gesonderten Beitrag sein.

Wieder Zuhause war dieser Urlaub für mich doch sehr erkenntnisreich. Nicht nur das weitere Ansätze zur Optimierung meiner Ausrüstung erkennbar waren, auch dieser Beitrag mit Euren Anmerkungen hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Viele Grüße
Rolf-Dieter