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Diaphanol

Begonnen von Jürgen H., Februar 24, 2009, 10:37:07 VORMITTAG

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Jürgen H.

Liebe Mikrogemeinde,

In der Literatur wird Diaphanol als Mittel zur Aufhellung und Erweichung von Chitin beschrieben. Anscheinend handelt es sich bei dem Stoff um eine 50% Eisessiglösung, die mit Chlordioxid gesättigt wird.

Weiß jemand, wo man diesen Stoff erwerben kann? Bei Chroma oder Roth scheint er nicht erhältlich zu sein.

Die eigene Herstellung liefe wohl auf einen höchstpersönlichen Test der Giftigkeit und Explosivität von Chlordioxid hinaus ???

Mikrogrüße

Jürgen Harst

Gabi_1966

Lieber Herr Harst, bin beim Googlen auf Ihren Beitrag Suche nach käuflich erwerbbarem Diaphanol gestossen. Haben Sie mittlerweile eine Quelle, die Sie mir nennen würden ???
LG Gabi Spadinger

Jürgen H.

Liebe Frau Spadinger,

leider kann ich Ihnen für Diaphanol keine Quelle nennen.  Ich glaube auch mittlerweile, dass diese Chemikalie  für die histologische Zwecke der von mir behandelten Kleininsekten  unnötig, wenn nicht sogar schädlich ist. Möglicherweise benötigen Sie das Mittel für andere Zwecke. Die eigene Herstellung, für die Sie im Netz leicht eine Anleitung finden, ist allerdings nicht unproblematisch.

Schöne Grüße

Jürgen



Klaus Herrmann

#3
Hallo Jürgen,

ich bin ja ein unerschrockener Chemiker, aber das würde ich ohne Abzug und Schutzscheibe nicht machen. Abgesehen von der begrenzten Haltbarkeit - deshalb gibt es die Lösung auch nicht zu kaufen.

Edit wobei mich das irritiert:  http://www.amazon.de/s/?ie=UTF8&keywords=chlordioxid&tag=googhydr08-21&index=aps&hvadid=72612456626&hvpos=1t3&hvexid=&hvnetw=g&hvrand=12410237905834295151&hvpone=&hvptwo=&hvqmt=e&hvdev=c&ref=pd_sl_2cno4adgrq_e
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Jürgen H.

Lieber Klaus,

Danke für Deine fachkundlichr Einschätzung. Mein "nicht unproblematisch" war natürlich viel zu zahm ausgedruckt. Da war mein erstes posting in diesem Tread schon ein wenig präziser.

Kaliumchlorat und konz. Schwefelsäure, samt Reaktionsprodukten..., ich jedenfalls würd es überhaupt nicht machen. Und wie gesagt: Es mag das Chitin zwar erweichen, aber was bleibt von dem "Rest"?

Schöne Grüße

Jürgen

treinisch

#5
Hallo Jürgen,

das Kaliumchlorat und die Schwefelsäure sind nicht das Problem, gasförmiges Chlordioxid ist explosiv, das zusammen mit der dann fein zerspritzenden Schwefelsäure ist schon eher unattraktiv.

Aber: Das Besondere bei Diaphanol ist ja, dass es rückstandsfrei verdampft. Ist das denn zum Aufhellen überhaupt nötig? Wenn Salz nicht stört, warum nimmt man dann nicht einfach Hypochlorit in Essigsäure? Es bildet sich ziemlich zügig freies Chlordioxid, aber in Lösung, also nicht explosiv. Das wäre ja Diaphanol, bloß mit etwas Natriumacetat (oder was auch immer das Kation am Hypochlorit ist).

Haltbarkeit und Reaktionsverhalten sollten exakt mit salzfreiem Diaphanol übereinstimmen, würde ich sagen.

vlg

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

JB

Zitat von: treinisch in Oktober 05, 2015, 21:38:48 NACHMITTAGS
Wenn Salz nicht stört, warum nimmt man dann nicht einfach Hypochlorit in Essigsäure? Es bildet sich ziemlich zügig freies Chlordioxid, aber in Lösung, also nicht explosiv. Das wäre ja Diaphanol, bloß mit etwas Natriumacetat (oder was auch immer das Kation am Hypochlorit ist).

Das scheint mir auch die einfachste Loesung zu sein. Dabei wird genug aktives Chlordioxid frei http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18954731

Gabi, geht es Ihnen um das Aufhellen von Sklerotin oder um das Aufweichen von Chitin fuer die Histologie? Fuer das enzymatische Aufweichen kann man Chitinasen verwenden, angeblich aus Pilzen http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=12718.msg95273#msg95273 aber alternativ auch als Reinstoff von Sigma etc.

Beste Gruesse,

Jon

Jürgen H.

Zitatdas Kaliumchlorat und die Schwefelsäure sind nicht das Problem, gasförmiges Chlordioxid ist explosiv, das zusammen mit der dann fein zerspritzenden Schwefelsäure ist schon eher unattraktiv.

Hallo Timm, sagte ich doch, "samt Reaktionsprodukten"....

Zitat
Aber: Das Besondere bei Diaphanol ist ja, dass es rückstandsfrei verdampft. Ist das denn zum Aufhellen überhaupt nötig?

Meine Anfrage, die Gabi aus dem Netz gefischt hat ist von 2009. Damals hatte ich so meine Schwierigkeiten mit dem splittrigen Chitin beim Schneiden selbst meiner Kleininsekten und suchte nach einem gangbaren Weg. Als eine Möglichkeit wurde Diaphanol in der Literatur beschrieben. Es mag ja auch sein, dass die Chemikalie Chitin erweicht. Nur gehen dabei auch Feinstrukturen verloren. http://www.readcube.com/articles/10.1038%2F180238a0.

Und nötig ist die Erweichung des Chitins für histologische Zwecke auch nicht. Alfons Renz wies mich zunächst darauf hin, dass man möglichst frisch gehäutete Insekten nehmen sollte. Dann ist der Panzer noch weich biegsam und schneidbar. Es dürfte also weniger das Chitin sein, dass Probleme beim Schneiden bereitet,  sondern vielmehr seine Sklerotisierung. Weiterhin ist anschließend vor allem darauf zu achten, dass das Objekt vollständig entwässert wird, bevor es in die weitere Präparationsschritte geht. Auch nur kleinste Wasserreste führen zum Misserfolg.

Schöne Grüße

Jürgen



Gabi_1966

Hallo zusammen!

Ich wollte das Diaphanol haben, um auszuprobieren, ob sich nach Einwirkung von D. ein Farbstoff besser (selektiv) in Chitin einlagert, weils eben aufgeweicht/gequollen ist. Mein Problem ist, dass ich Insektenteile  , die so klein sind (0,5mm und kleiner), dass man sie morphologisch nicht mehr erkennen kann, eindeutig und sicher (durch Färbung) im Lichtmikroskop ansprechen kann - in einer Umgebung, die aus winzigen Pflanzenteilen (Zellulose) und Mineralstoffen besteht.
Hat also nichts mit Schönheit, Augenergötzung morphologischen Feinheiten zu tun - leider - würd mir auch lieber optisch Ansprechendes ansehen :-))
Hab aber auch noch gar nichts ausprobiert, vielleicht reicht eh Färben ohne Vorbehandlung...und ich bin auch kein Chemiker, also werd  ich die Finger von Experimenten besser lassen.
Danke fürs kollektive Nachdenken !!!
Liebe Grüße
Gabi

beamish

Hallo Gabi,

bei harten Pilzen wird als Aufweichmittel gerne Glamalc verwendet. Gibt es z.B.hier: http://www.myko-shop.de/Chemikalien
Vielleicht könnte das funktionieren. Besteht glaub ich aus Glyzerin, Alkohol und was noch?

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

LuckyWerner

Moin Gabi,

ich habe gemäß  Zbären (1979) "Mikroskopieren" immer 20%-ige Kalilauge benutzt - hat hervorragend funktioniert, Aufhellung und Mazeration . In den benötigten Kleinmengen habe ich die immer problemlos in der Apotheke bekommen.

Gruß
Werner
Orthoplaner, der aber immer mehr mit dem Stemi fremdgeht