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Laboulbenia

Begonnen von Erich T., Januar 24, 2016, 18:32:44 NACHMITTAGS

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Erich T.

Die Laboulbeniales sind Ascomyceten, die parasitisch auf Arthropoden, meist Insekten leben. Sie scheinen den Wirt nicht besonders zu beeinträchtigen, solange der Befall in begrenztem Ausmaß erfolgt. Manche Individuen sind allerdings extrem stark befallen, sodaß stellenweise die Körperoberfläche kaum mehr zu sehen ist.
Laboulbenia pseudomasei parasitiert auf Laufkäfern der Gattung Pterostichus.
Die gezeigten Exemplare stammen von Pterostichus anthracinus, gefangen 12.9.2009 in einer Kiesgrube, Oberösterreich. Sie waren lokalisiert an den Elytren, Prothorax, Kopf und Beinen. Sie wurden mit einem Skalpell abgeschabt, überführt in Alkohol 70%, Einschluß in Polyvinyl-Lactophenol. Meine Ausrüstung besteht aus einem Phomi III und Nikon D90.


Bild 1: L. pseudomasei in verschiedenen Entwicklungsstadien (rechts immatur, links matur). Neofluar 16x



Bild2: Die im Perithecium entwickelten, immer 2-zelligen Ascosporen sind durch den Druck des Deckglases aus dem Ostium ausgetreten. Plan 40x



Bild 3: Die Ausprägung der Insertionszelle der Anhänge, sowie die Form der Zellen IV und V sind wichtige Bestimmungsmerkmale. Plan 40x



Bild 4: immatures Exemplar, das Perithecium ist noch nicht voll entwickelt. Plan 40x


Weiterführende Literatur:
Majewski T.: The Laboulbeniales of Poland. Polish Botanical Studies, Vol. 7. 1994
Cramer J.: Laboulbeniales I+II. Flora Mycologica Iberica Vol. 4 + 5. 1998

Liebe Grüße und viel Spaß

Michael L.

Hallo Erich,

Ein sehr interessanter Beitrag, super dokumentiert.

Gruß Michael

Ralf Feller

Super Beitrag!
das alles war mir bisher völlig neu.

Gruß Ralf

Ole Riemann

Hallo Erich,

eine fremde, interessante Welt ... Hast Du zufällig auch Aufnahmen, die das Ausmaß des Befalls auf den Wirten zeigen?

Vielen Dank und beste Grüße

Ole


Bernd

Hallo Erich,

vielen Dank für deinen Beitrag über diese mir bisher unbekannten parasitischen Pilze, zudem mit hervorragenden Fotos dokumentiert.

Nach kurzer Suche im Netz habe ich gelernt, daß diese Pilze eine ganz ausgefallene Biologie haben und in der Regel nicht nur wirtsspezifisch, sondern in ihrem Vorkommen auch noch auf ganz spezifische Körperbereiche ihres Wirts beschränkt sind, weil sie meist beim Sex übertragen werden - irre!

Viele Grüße
Bernd

Erich T.

Danke für die positiven Rückmeldungen.
Leider habe ich kein Bild über diesen Käfer, kann aber einen anderen als Beispiel zeigen.

Bild 1: Bembidion tetracolum, ein sehr häufiger Laufkäfer an Ufern von Flüssen und in Augebieten.
Pilze sind hier an den Antennen, Tarsen und Beinen zu finden. Photoobjektiv Nikkor 105mm



Bild 2: Antenne mit Laboulbenia sp. Die Anhänge sind leider größtenteils abgebrochen.  Plan 4X, Auflicht



Liebe Grüße
Erich

beamish

Hallo Erich,

sehr aufregende und tolle Bilder! Laboulbeniomycetes kannte ich bisher nur aus der Literatur (z.B. Benjamin 1973).
Vielen Dank dafür!

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

reblaus

Hallo Erich -

tolle Dokumentation! Bin ganz hingerissen, denn das letzte Mal habe ich mich mit diesen Pilzen anno 1968 (beim Pauken für das Rigorosum) beschäftigt und Deine Bilder sind so überzeugend, dass ich mich sofort wieder daran erinnert habe.

Viele Grüße

Rolf

Erich T.

und nocheinmal ein kleiner Nachtrag:
ein Bembidion sp. mit Laboulbeniales auf verschiedenen Körperteilen



Liebe Grüße
Erich