Graumoos aus Island = Racomitrium lanuginosum

Begonnen von rekuwi, Juni 08, 2016, 18:07:44 NACHMITTAGS

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rekuwi

Liebe Mooskenner,

ich bekam dieses "Graumoos" aus Island mitgebracht. Habe paar (teils schlechte) Fotos gemacht und hoffe es kann genauer bestimmt werden:

Polster trocken:



Pflänzchen feucht:



Blattgrund:



Blattrand:



Laminazellen:



Seitenarm:



Kapsel:



Die einzelnen Pflänzchen sind bis 2,5 cm hoch, die Kapsel sitzt auf einer kurzen Seta und ist knapp 2 mm hoch. Langes Glashaar an den Spitzen. Laminazellen buchtig und sehr langgestreckt. Das Moos wächst auf Vulkangestein.
Kennt jemand dieses Moos?

Herzliche Grüße
Regi


klausLM

Moin Regi,
die Bilder gefallen mir sehr, besonders Bild 1. Da hat es noch graue Haare.
Ich finde es toll, daß das Moos wieder so schön grün geworden ist.
Vielleicht gibt es ja einen "richtigen" Namen fürs Moos

Lieber Gruß
Klaus


Bernhard Kaiser

#2
Liebe Regi,

ich vermute, mit dem nötigen Vorbehalt:
Racomitrium canescens agg.  das graue Zackenmützenmoos.

Liebe Grüße
Bernhard

rekuwi

Lieber Bernhard,

super, ein graues Zackenmützenmoos (Racomitrium canencens agg.)! Habe zwar lange im Frahm gelesen und geblättert aber darauf wäre ich nie gekommen. Du hast wie immer den richtigen Durchblick beim Moos. Herzlichen Dank für die Bestimmung.

Schade daß Klaus (der das Moos von Island mitbrachte, danke Dir dafür) nicht an Ort und Stelle ein Foto gemacht hat. Da wäre der Eindruck bestimmt noch ein besserer gewesen.

Herzliche Grüße
Regi


A. Büschlen

Hall Regi,

Kannst du beschreiben wie weit die Rippe im Blatt deines  Racomitrium reicht?
- bis zur Mitte, oder wenig darüber reichend?

Und, ist das Glashaar grob gezähnt und papillös? Oder: ist das Glashaar papillös oder nicht, ungezähnt oder schwach gezähnt?

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

rekuwi

#5
Lieber Arnold,

die Rippe läuft bis zur Spitze und dort als Glashaar aus, der Rand ist buchtig gezähnt und das ganze Moos stark papillös.
Hier ein Bild von der Spitze:



und hier von Rand und Rippe:



Klaus hat eben noch zwei Bilder vom Fundort (zwischen Akureyri und Borganes, am 5.5.2016 fotografiert) geschickt:





Herzliche Grüße
Regi

Bernhard Kaiser

#6
Liebe Regi,

ZitatHabe zwar lange im Frahm gelesen und geblättert aber darauf wäre ich nie gekommen.

das nützt Dir nicht viel.
Du musst den Schlüssrl auf S. 185 (4. Aufl.) benutzen. Da heißt es unter 1* Stämmchen  schraubig beblättert; unter 5 Blätter mit Glashaar.unter 7 auf Gestein, unter 9 Rippe unten schmal = Racomitrium. S. 329.

Moose lassen sich nur in seltenen Fällen nach Abbildungen sicher bestimmen !!!

Viele Grüße Bernhard

A. Büschlen

Hallo Regi,

gehen wir einmal davon aus, dass dein Moos ein Racomitrium ist, so findest wir hier www.nism.uzh.ch/index.php?content=schluessel&lang=de einen aktuellen Bestimmungsschlüssel.

Die erste Frage ist hier:

wenn: Blätter stehst mit grob gezähntem und papillösem Glashaar dann Racomitrum lanuginosum

In deinem Fall spricht für R. lanuginosum :

- das stark papillöse Glashaar mit seinen starken seitlichen Zähnen die ebenfalls papillös sind. Diese Merkmale sind auf deinem zweiten nachgereichten Bild sehr gut erkennbar.
- die lange Rippe die bis in die Blattspitze reicht
- und R. lanuginosum wächst auf kalkarmem Untergrund (Blockhalden, Felsschutt...)

Gruss Arnold



Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bernhard Kaiser

Liebe Regi,

ZitatIn deinem Fall spricht für R. lanuginosum :
gehen wir davon aus, dass das besagte Moos  Racomitrium lanuginosum ist, so ist diese Bestimmung für die Schweiz richtig. NISM bedeutet aber "Naturräumliches Inventar der Schweizer Moose". Dieses Moos ist also für Island nicht unbedingt richtig. Herr Frahm hat vor Jahrzehnten in Island gesammelt und in der "Herzogia" veröffentlicht aber im Moment finde ich die Arbeit nicht. Es ist zwar wahrscheinlich R. lanuginosum aber eben nicht sicher und ich habe in meiner Bestimmung geschrieben: mit dem nötigen Vorbehalt:
Racomitrium canescens agg.  das graue Zackenmützenmoos.

Bei Bestimmungen nach Photoafnahmen bin ich meist sehr zurückhaltend, da immer etwas Raterei dabei ist. zudem ist die Gattung Racomitrium nicht ganz einfach.

Liebe Grüße
Bernhard

A. Büschlen

Hallo,

ich möchte hiermit www.bbsfieldguide.org.uk/sites/default/files/pdfs/mosses/Racomitrium_lanuginosum.pdf noch mit einer anderen Literaturquelle meine Annahme stützen, dass das von Regi dokumentierte Moos Racomitrum lanugiosum ist. Zumal auf dem einen Bild von Regi ganz klar Schlüsselmerkmale dieser Art gezeigt werden.

Ich teile aber die Vorsicht vom B. Kaiser ganz, dass ohne Einsicht in den Beleg keine 100% Aussage gemacht werden kann.

Ich bin aber der Meinung, dass Gattungsschlüssel die hier www.nism.uzh.ch/index.php?content=schluessel&lang=de publiziert werden, im gesamten Vorkommensgebiet ihre Gültigkeit haben.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

rekuwi

Lieber Bernhard, lieber Arnold,

ich hatte schon versucht mich am Bestimmungsschlüssel im Frahm (weitere gute Literatur habe ich nicht) anzunähern, bin aber gescheitert. Mir fehlt die Erfahrung.

Aber heute habe ich versucht ein besseres Bild der Kapsel hinzubekommen, habe diesmal mit dem 2,5x Objektiv am Ortholux mit Ringlicht gearbeitet. Das erste Kapselbild oben ist am Stemi entstanden, mit sehr unschönen Farbsäumen.
Dieser Versuch nun mit der eingetrockneten Kapsel:



Dies wird zwar nicht zur weiteren Erhellung beitragen, ich bin aber gerne bereit Euch Beiden eine Moosprobe falls gewünscht zuzuschicken.

Herzliche Grüße
Regi