Wendepräparate zur beidseitigen Betrachtung

Begonnen von Michael Müller, Oktober 01, 2016, 12:20:20 NACHMITTAGS

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Michael Müller

Hallo in die Runde,

immer wieder trifft man auf Objekte, für die eine Beobachtung von oben und unten nötig ist. Die Standardmethode für diese Präparate ist, durch vorsichtiges Verschieben des Deckglases das Objekt unter dem Deckglas zu drehen. Leider vertragen viele empfindliche Objekte diese Prozedur nur schlecht und werden durch die auftretenden Scherkräfte zerstört.
Ein Beispiel eines solchen Objektes sind Copepoden, die zu groß sind um durch das Deckglas zerstörungsfrei gewendet werden können. Um solche Objekte beidseitig beobachten zu können, habe ich eine andere Methode erprobt, die ich hier vorstellen möchte.


Bild 1: Megacyclops viridis, Aufnahme oben von dorsal, unten von ventral; PL10

Nach Fixierung mit 80% Ethanol und rascher Überführung in Glyzerin habe ich das Objekt in einen kleinen (!) Tropfen Glyzerin auf einem Deckglas übertragen. Auf ein zweites Deckglas wurde an zwei gegenüberliegenden Rändern je ein dünner Steg Vaseline vom Handballen abgestrichen. Das zweite Deckglas wurde auf das erste gelegt, so dass ein ,,Sandwich" aus zwei Deckgläsern entstand. Die Vaseline erlaubt es, durch Andrücken die Schichtdicke zu optimieren. Der Glyzerintropfen sollte so bemessen sein, dass das Glyzerin die Deckglasränder nicht erreicht. (Die Luftblasen habe ich selbstverständlich nur eingefügt, um die Betrachtungsrichtung im Foto zu verdeutlichen!  ;))
Die beiden Deckgläser werden zum Betrachten nun – zur leichteren Handhabung ,,über Eck" - auf einen Objektträger gelegt. Durch Wenden des Deckglasstapels ist jetzt eine Beobachtung von beiden Seiten problemlos möglich.


Bild 2: Megacyclops viridis, Spermatophore von ventral; PL25

So war es z.B. möglich, bei M. viridis Spermatophoren und Details der Ruderfüße zu beobachten, die sonst nur nach aufwändiger Präparation zugänglich sind.


Bild 3: Megacyclops viridis, Runderfüße von ventral; PL25

Gerade der Bau des 5. Ruderfußes (P5) ist zur Artbestimmung meist notwendig:


Bild 4: Megacyclops viridis, P5 von ventral; PL40

Diese Präparationsmethode habe ich auch bei anderen Objekten mit Erfolg angewendet. Bei höheren Vergrößerungen ist es notwendig, zwischen Objektträger und unteres Deckglas einen kleinen Tropen Immersionsöl zu geben.

Optisch konnte ich – bei meinen Qualitätsansprüchen – keine Einbußen feststellen. Der einzige Nachteil diese Methode – abgesehen von der notwendigen Fummelei – ist, dass eine Reinigung der Deckgläser recht umständlich ist und leicht zur Zerstörung des Präparates führen kann.

Viel Grüße

Michael




Gerne per Du

Baldrian

#1
Super Idee, gut dargestellt und tolle Fotos. Danke!  

Tom
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