HISTOPATHOLOGIE: Epulis Gigantocellularis in HE und Berlinerblau reaktion.

Begonnen von Ronald Schulte, November 27, 2016, 11:24:45 VORMITTAG

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Ronald Schulte


Aus das Labor von Robin Wacker stammt dieses Paraffinblock.
Dazu geschrieben wurde: Epulis Gigantocellularis


Ein Bild von: www.gesundheit.de



Diesen gutartigen Tumor ist beschrieben in mein Lehrbuch Histopathologie von C. Thomas (ISBN: 3-7945-2429-2) und sah, für mich jedenfalls, lehrreich genug aus um was Schnitte zu machen.


Zitat:
,Epulis. Sammelbezeichnung für knotenförmige, der Gingiva aufsitzende Veränderungen polyätiologischer Natur. Sie kommen meist an den vorderen Zähnen vor. Histologisch unterscheidet man:
- Epulis granulomatosa. Der Knoten besteht vorwiegend aus Lymphozyten und Plasmazellen sowie aus zahlreichen Kapillaren. Später wird der Knoten fibrosiert.
- Epulis fibromatosa osteoplastica et gigantocellularis. Es handelt sich um eine aggressiv und expansiv wachsende Epulisform, die einen typischen Aufbau zeigt. Das Grundgewebe ist kollagen- und fibroblastenreich. Es schließt kleinere und neu gebildete Knocheninseln ein. Ferner finden sich reichlich Kapillaren. Typisch sind mehrkernige Riesenzellen, die der Kapillarwand anliegen. Als Zeichen älterer Blutungen lassen sich reichlich Hämosiderinablagerungen finden. In der Tiefe der Veränderung kann es zu einer Erosion der benachbarten Kortikalis kommen'.



Alle hier oben genannte Symptone kann ich in den Schnitt beobachten;

- Reichlich Riesenzellen;
- Reichlich Fibroblasten;
- Knocheninseln;
- Reichlich Kapillaren;
- Reichlich Hämosiderinablagerungen.


Das Block ist geschnitten am A&O 820 Mikrotom mit Leica 818 Hochprofil Mikrotommesser. Beim Schneiden hat sich die Anwesenheit von Knochen schon angekündigt. Ein ,singggg' war bei jeden Schnitt gut zu hören.
Die Schnitte wurden im Wasserbad gestreckt und am OT aufgezogen. Auf eine Wärmebank trockne ich die Schnitte auf 45 Grad für einige Stunden und lagere die OT dann in Präparatmappen aus Pappe.

Die ausgeführte Färbung ist die Standard Haematoxyline/Eosin Färbung (Haematoxyline nach Weigert hat mein Vorzug aber das muss nicht sein).
Weil das Hämosiderin Histochemisch dargestellt wird ist auch eine Berliner Blau (Prussian blue nach Perls) durchgeführt.

Die Bilder sind am Leitz Orthoplan gemacht mit Moticam 2300 Kamera.



Stitch aus 33 Bilder. Objektiv: Leitz plan Fluotar 10x.
Färbung: Haematoxyline/Eosin.

Zwei Feldern mit reichlich Riesenzellen sind links- und rechtsunter schon zu erkennen.






Stitch von 13 Bilder. Objektiv: Leitz plan Fluotar 10x.
Färbung: Haematoxyline/Eosin.

1 = Riesenzellen;
2 = Kollagen und Fibroblasten;
3 = Hämosiderinablagerungen (ist hier noch eine Vermutung, muss noch nachgewiesen werden);
4 = Kapillaren;
5 = Knochenbildung.







Objektiv: Leitz plan Fluotar 25x.
Färbung: Haematoxyline/Eosin.

Riesenzellen (20 Kernen sind kein Ausnahme) sind reichlich vorhanden.
Erythrozyten sind normalerweise nur in die Kapillaren zu beobachten. Hier aber gibt es Blutungen.
Wer gut zuschaut kann auch welche Granulozyten im Gewebe entdecken. Das könnte auf eine Entzündung deuten. Ein richtigen Entzündung habe ich in diesen Schnitt nicht gefunden.







Objektiv: Leitz plan Fluotar 25x.
Färbung: Haematoxyline/Eosin.

Knochen Bälkchen mit Osteozytenartige Zellen. Das Grundgewebe ist Kollagen- und Fibroblasten reich. Das Hämosiderin ist hier schon wie Braune Ablagerungen zu sehen.






Objektiv: Leitz plan Fluotar 25x.
Färbung: Haematoxyline/Eosin.

Knochen Bälkchen mit Osteozytenartige Zellen. Das Grundgewebe ist Kollagen- und Fibroblasten reich. Das Hämosiderin ist hier schon wie Braune Ablagerungen zu sehen.






Ein Berliner Blau Reaktion ist notwendig um das Hämosiderin nach zu weisen.
Hämosiderin ist dreiwertiges Eisen und wird in Makrophagen gebildet. Makrophagen sind die Aufräumzellen die frei in das Gewebe vorkommen. Weil hier viele Blutungen vorkommen werden die Erythrozyten von die Makrophagen Fagozitiert. Das zweiwertige Eisen von die Erythrozyten wird in die Makrophagen um gewandert in dreiwertiges Eisen. Diese Substanz wird mit die Histochemische Reaktion nachgewiesen.
In Romeis 18, Seite 239 wird die Reaktion beschrieben.







Stitch aus 45 Bilder. Objektiv: Leitz plan Fluotar 10x.
Färbung: Berlinerblau Reaktion.

Das Hämosiderin ist Blau gefärbt.







Stitch aus 17 Bilder. Objektiv: Leitz plan Fluotar 25x.
Färbung: Berlinerblau Reaktion.

Das Hämosiderin ist Blau gefärbt.







Objektiv: Leitz plan Fluotar 25x.
Färbung: Berlinerblau Reaktion.

Das Hämosiderin ist Blau gefärbt.





Viel Spaß beim Anschauen, Gruße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Ralf Feller

Lieber Ronald,
danke für die immer wider Perfekte Histologie. Es ist für mich sehr ermutigend einmal mehr eine perfekte Paraffinhistologie zu sehen. Ich habe auch von Harald viele Wackerblöckchen bekommen, und die sind sehr gut. Leider fehlt mir die Zeit, und so freue ich mich sehr so tolle Arbeiten zu sehen.

viele Grüße, Ralf

Heiko

Hallo Ronald,

als Charge-Transfer-Komplex in der Chemie wohl bekannt, verblüfft die histologische Anwendung.
Danke für die ,,Horizonterweiterung".

Viele Grüße,
Heiko

Jürgen H.

Lieber Ronald,

Wieder einmal eine tolle Arbeit von Dir! Ich freue mich, wieder Histologisches von Dir zu sehen. Bitte weiter so...

Schöne Grüße

Jürgen

Ronald Schulte

@Ralf,

Ich habe jetzt sechs Blöcke von Herr Wacker angeschnitten und bin erstaunt wie gut die schneiden. Da ist sicherlich gut Fixiert, entwässert, zwischen Medium wie z.B. Xylol genutzt und gut mit Paraffin durchtränkt. Auch das Paraffin muss von gute Qualität sein, sonst schneidet das nicht so gut. Was ich gelesen habe von Robin Wacker war/ist er dann auch ein Spezialist und hat viel Erfahrung. Siehe z.B. hier: 'Link zu Robin Wacker'
Zeit; ja das suche ich auch immer aber weis auch das man ab und zu mal nein sagen muss und einfach zwei Histo Tage einplanen.


@Jürgen,

Danke aber die Histologie werde ich nicht so einfach aufgeben. Die Mineralogie ist auch schön aber das ist mehr ein Ausflug. Histo und Patho Experimente habe ich noch genug im Kopf. Kommendes Jahr werde ich sehr viel Zeit bekommen und kann hoffentlich vieles an Histo arbeiten machen.

Gruße Ronald   
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.