Olympus SPlan 40x vs. DPlanApo 40x UV und Frage zum Deckglaskorrekturring

Begonnen von Christian3000, März 08, 2017, 23:34:42 NACHMITTAGS

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Christian3000

Liebe Mikroskopiker,

kürzlich habe ich ein gebrauchtes Olympus SPlan 40x Objektiv erstanden. Unten habe ich Vergleichsfotos angehängt, jeweils mit dem erwähnten Objektiv aufgenommen und zum Vergleich mit dem DPlanApo 40x UV (leider habe ich keine SPlanApos, die wohl etwas besser sind als die DPlanApos).

Die Fotos wurden in 2 Nachvergrößerungen aufgenommen, mit dem 2.5x und dem 4x Projektiv. Als Objekt habe ich ein Dauerpräparat aus einer Box die ich vor Jahren über ebay gekauft hatte verwendet: "Riesenchromosomen aus der Speicheldrüse der Chironomuslarve, Quetschpräparat". Lustig ist die detaillierte Angabe der Färbung: Englisch heißt es "fixed and stained", auf Deutsch besser vermarktet als "Spezialfärbung".

Eine Frage an die Optikexperten: was passiert eigentlich, wenn der Deckglaskorrekturring nicht auf die tatsächliche Deckglasdicke eingestellt ist ? Stimmt dann der Fokus nicht, was aber durch den Fokusfeintrieb auszugleichen ist, oder bekommt man das Bild generell nicht optimal scharf? Oder treten andere Effekte auf ? Ich frage, weil ja mein Korrekturring des DPlanApos festsitzt. Ich habe gehört, daß dann nur der Fokus nicht stimmt, was eben unter Verzicht auf exakte Parfokalität mit dem Feintrieb nachgeregelt werden kann, was ja zumutbar wäre.

Hier also die Bilder, alle ohne Nachbearbeitung, mit Köhlerbeleuchtung aufgenommen. Ich finde, man bemerkt folgende Unterschiede:
- Das DPlan hat generell weniger Auflösung (beruhigend daß das Apo hier besser ist)
- Es hat aber erwartungsgemäß auch mehr Tiefenschärfe im Rahmen seiner Fähigkeiten

Olympus SPlan 40x, Tubus 1.25x, Projektiv 2,5x:


Olympus DPlanApo 40x UV, Tubus 1.25x, Projektiv 2,5x:


Olympus SPlan 40x, Tubus 1.25x, Projektiv 4x:


Olympus DPlanApo 40x UV, Tubus 1.25x, Projektiv 4x:


Viele Grüße,
Christian
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Tausendblatt

#1
Moin,

bei falsch eingestelltem Deckglaskorrekturring stimmt die sphärische Korrektur nicht mehr - das Objektiv wird ein quasi ein Weichzeichnungsobjektiv.

Wenn Du mal ein kontrastreiches Motiv bei verschiedenen Positionen des Korrekturringes ansiehst, sollte das sichtbar sein.

Eine leichte Verlagerung des Fokus ist ein Nebeneffekt, aber nicht die Funktion des Ringes.

Viele Grüße
Jens

Zitatwas passiert eigentlich, wenn der Deckglaskorrekturring nicht auf die tatsächliche Deckglasdicke eingestellt ist ? Stimmt dann der Fokus nicht, was aber durch den Fokusfeintrieb auszugleichen ist, oder bekommt man das Bild generell nicht optimal scharf? Oder treten andere Effekte auf ? Ich frage, weil ja mein Korrekturring des DPlanApos festsitzt. Ich habe gehört, daß dann nur der Fokus nicht stimmt, was eben unter Verzicht auf exakte Parfokalität mit dem Feintrieb nachgeregelt werden kann, was ja zumutbar wäre.

JB

Zitat von: Christian3000 in März 08, 2017, 23:34:42 NACHMITTAGS
was passiert eigentlich, wenn der Deckglaskorrekturring nicht auf die tatsächliche Deckglasdicke eingestellt ist ? Stimmt dann der Fokus nicht, was aber durch den Fokusfeintrieb auszugleichen ist, oder bekommt man das Bild generell nicht optimal scharf? Oder treten andere Effekte auf ? Ich frage, weil ja mein Korrekturring des DPlanApos festsitzt. Ich habe gehört, daß dann nur der Fokus nicht stimmt, was eben unter Verzicht auf exakte Parfokalität mit dem Feintrieb nachgeregelt werden kann, was ja zumutbar wäre.

Hallo Christian,

Durch den Korrekturring kann die sphaerische Aberration (in gewissen Grenzen) ausgeglichen werden, die durch abweichende Deckglasdicke und durch grosse Schichtdicke des Praeparates verursacht wird.

Praktisch macht sich sphaerische Aberration so bemerkbar, dass das mikroskopische Bild auch in der optimalen Fokusposition unscharf bleibt. Hier zu sehen (links und rechts): http://www.olympusmicro.com/primer/photomicrography/images/errors/spherical.jpg  Es sieht aus, als wenn sich ein Nebel ueber das Bild legen wuerde. Mt einfachem Nachfokussieren ist es nicht getan.

Der Korrekturring ist bei Trockenobjektiven mit hoher NA notwendig: https://www.microscopyu.com/microscopy-basics/coverslip-correction 

Glueckwunsch zu diesem schoenen Objektiv. An welcher Position ist der Ring festgesetzt? Die interne Mechanik ist sehr empfindlich. Es gibt im Forum schon andere Faeden darueber, wie man ihn wieder mobilisiert. Geduld ist gefragt, damit Sie die Mechanik nicht beschaedigen. Von Rohrzangen, Backoefen und Oelbaedern wuerde ich erst einmal absehen. Ich wuerde vorschlagen, besorgen Sie sich zwei "Baby Boa constrictor"-Werkzeuge und bewegen Sie ganz langsam und vorsichtig den Objektivkoerper und den Korrekturring gegeneinander, nur fuer ein paar mm und wieder zurueck, nie bis zum Anschlag!!

Beste Gruesse,

Jon

Christian3000

Hallo, Jens und Jon,

danke für die Erläuterungen! Die beiden Links führen zu einer Menge sehr hilfreicher Informationen!

Der Ring ist bei mir auf 0.17 stehend festgesetzt, mit Hilfe einer minimalen Menge Isopropanol in den Spalt und etwas Wärme wurde er drehbar, wenn auch eher schwer. Leider hat er sich nach kurzer Zeit wieder festgesetzt.
Eine erste kurze Anfrage bei einem Optikspezialisten hat ergeben, daß eine Reparatur wenn überhaupt nur von Olympus durchführbar ist (wegen der für jedes Objektiv speziellen Justagevorrichtung), und es sei mit nicht weniger als 600-800 Euro zu rechnen und daher kaum rentabel. Von Olympus kann man sich einen Kostenvoranschlag erstellen lassen, vielleicht sollte ich dies tun, ich weiß nur nicht ob dieser umsonst ist.
Das Ziel ist daß der Ring leicht drehbar wird, er muss ja während des Betriebes am Mikroskop pronlemlos zu verstellen sein.

Ich bin sicher, daß nur verharztes Fett das Problem ist. Ich habe mein Mikroskop mittlerweile an allen möglichen (und unmöglichen) Stellen zerlegt, gereinigt und neu gefettet: Angefangen bei der Dioptrienverstellung der Okulare, weiter bei der Hebelmechanik der 5 Neutraldichtefilter die in Kombinationen motorisch eingeschwenkt werden zur Helligkeitseinstellung der Beleuchtung,  kitzelig war auch die ganze Mechanik rund um all die Prismen zur Einstellung des Augenabstandes, der Kondensor, der XY-Tisch usw. Verharzendes Fett ist wirklich eine Plage, wohl aber nicht für die Hersteller, für die es Support- und Geräteumsätze bringt.

Viele Grüße,
Christian
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JB

Hallo Christian,

Wenn er sich im Prinzip drehen laesst, dann koennen Sie mit einer Spur Oel neu fetten. Wir hatten vor kurzem einen Faden dazu, den ich aber nicht finden kann.

Da Oel darf auf keinen Fall auf die Reise gehen koennen und in die Optik kriechen. Sie muessen in Oel mit hoher Oberflaechenspannung finden. Ein Tropfen auf einem Objekttraeger darf nicht zerfliessen (auf keinen Fall WD40, Ballistol usw.). Genaueres war in den anderen Faden. Davon max. 5 ul (Gesamtmenge; das ist ein Bruchteil eines einzelnen Tropfen) in den Spalt des Korrekturrings geben und regelmaessig bewegen. So habe ich 2 dieser Olympusobjektive wieder nutzbar gemacht.

Beste Gruesse,

Jon

Johann_M

Hallo Christian und Jon,

bei meinem Objektiv funktioniert die Deckglaskorrektur seit Monaten noch immer ganz normal und auch kein, von anderen Forenmitgliedern erwarteter Ölschleier auf den Linsen hat sich bemerkbar gemacht.
Vielleicht sollte man sich ein Herz nehmen und doch eine Spur Öl (bei mir ist es Ballistol) einbringen.

Liebe Grüße,
Johann

Christian3000

Lieber Johann,

darauf wird es früher oder später hinauslaufen...

Viele Grüße,
Christian
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