Lösungen von Stoffen mit Hydratgruppen

Begonnen von Jürgen H., Dezember 22, 2017, 15:10:55 NACHMITTAGS

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Jürgen H.

Liebe Mitforisten,

gilt bei genauen Arbeiten eine allgemeine Regel,  nach der Hydratanteile herauszurechnen sind, wenn nach einer Vorschrift, zum Beispiel einer Färbevorschrift ein Hydrat in einem bestimmten prozentualen Anteil in einem Lösungsmittel gelöst werden soll?

Beispiel: Herstellen einer 1%igen Lösung von Borax als Dekahydrat in Wasser.

Schöne Grüße

Jürgen

Klaus Herrmann

Lieber Jürgen,
da würde ich mal vermuten, dass viele die eine Rezeptur erstellt haben gar nicht daran gedacht haben. Und ich behaupte mal, dass es oft gar nicht darauf ankommt. KH hat mir mal gesagt: "3g cum grano salis" - es darf auch a weng meh sei!

Ganz pragmatisch würde ich davon ausgehen, dass bei Salzen, die üblicherweise in Hydratform vorliegen diese gemeint ist. Klassischer Fall: Kupfersulfat das bekannt ist mit 0, 1,2,3,4 und normalerweise 5 Molekülen Kristallwasser wird sicher immer als Pentahydrat verwendet!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Jürgen H.

Lieber Klaus,

Im Beispiel des Borax würdest Du also, wenn es als Dekahydrat vorliegt und Du Gewichtsprozente annimmst, schlicht und einfach 1 gr. des Stoffs in 99 ml a.d. lösen.

Würde ich den Hydratanteil herausrechnen, dann müsste ich fast die doppelte Menge vom Borax nehmen.

Ich denke mir schon, dass das alles cum grano salis zu nehmen ist. Aber manchmal denke ich schlicht über den Inhalt von Regeln nach...Nachwirkungen meines Berufs...

Schöne Grüße

Jürgen





Dieter Stoffels

Hallo Jürgen,

schau doch bitte einmal in Deine privaten Mails!

Viele Grüße

Dieter

JB

Hallo Jürgen,

In der "guten" Literatur, so wie (bei einigen) Ausgaben des Romais werden aus diesem Grunde z.T. beide Angaben gemacht, für das Hydrat und für das wasserfreie Salz.

Manchmal hilft es nach meiner Erfahrung auch das Originalrezept aufzuspüren.

Beste Grüße,

Jon

Jürgen H.

Ja, die ,,gute" Literatur, lieber Jon..... Der Romeis, jedenfalls in seiner 17. Auflage, ließ mich hier im Stich. Manchmal ist es schon verwirrend, was in der Literatur zu lesen ist. Beispiel just im Romeis: In einem Rezept schreibt er, die Lösung von 0,1 % Toulidinblau O sei öfter zu filtrieren, da sie als beinahe gesättigte Lösung zum Ausfällen neige. Ein Rezept weiter will er jedoch eine 1%ige Lösung desselben Stoffes hergestellt haben.

Von Herrn Nänny erreichte mich eine Mail, in der er dazu riet, von Fall zu Fall zu entscheiden, nämlich danach, ob die Herausrechnung des Hydratanteils zu einer wesentlichen Veränderung des proporzionalen Verhältnisses führt.

Was Dieter mir schrieb, überzeugt mich: Es sei im Fall von Lösungen mit Borax von den Gewichtsprozenten des hydratisierten Salzes auszugehen. Für den Praktiker ist es wohl selbstverständlich, dass das hydratisierte Salz gemeint ist, weil dessen Lösung in Wasser wesentlich einfacher vonstatten geht, als die Lösung des wasserfreien Salzes und außerdem die wasserfreie Variante nur für Spezialzwecke genutzt wird.

Vielen Dank an alle, die mir ihre Meinung mitgeteilt haben und schöne Grüße ins Forum

Jürgen

olaf.med

Hallo,

ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Borax ist doch eindeutig, und da gehören die O's und die H's dazu, sonst ist's kein Borax !!! So tickt jedenfalls ein Mineraloge.

Herzliche Grüße,

Olaf

Gerne per Du!

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... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
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Klaus Herrmann

ZitatSo tickt jedenfalls ein Mineraloge.

die Mineralogen haben es leicht lieber Olaf. Die unterscheiden z. B. beim Calciumsulfat ganz einfach zwischen Gips und Anhydrit und Halbhydrat und Selenit und Alabaster.
Aber beim Borax - und da hast du absolut Recht - sind sie eindeutig.

Ich als Chemiker sage: es geht nix über eine Formel!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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olaf.med

Nee, nee, lieber Klaus, hier irrst Du!!! Die Mineralogen kennen garkein "Calciumsulfat", sondern nur Gips, Anhydrit oder
synthetisches "Halbhydrat", Selenit ist ja eh nur ein Synonym für Gips, und Alabaster nur ein Gestein. Von der Zusammensetzung her ist alles kristallchemisch wohldefiniert und daher gibt es keine Probleme - zum Glück!

Herzliche Grüße,

Olaf
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Klaus Herrmann

Lieber Olaf ich habe nichts anderes gemeint: die Mineralogen unterscheiden beim Calciumsulfat (der Chemiker) zwischen Gips und Anhydrit.
Beim Marienglas bin ich mir da nicht so sicher ob das mineralogisch was anderes ist als Gips?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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olaf.med

Lieber Klaus,

aber Gips und Anhydrit sollten auch für Chemiker unterschiedliche Dinge sein, denn ihre Formeln sind ja nicht identisch:

Anhydrit: CaSO4
Gips: CaSO4●2H20

Marienglas jedoch ist nur ein Synonym für klaren Gips, dessen Spaltstücke in früheren Zeiten angeblich als Schutz vor Marienaltären im Feld genutut wurden.

Herzliche Grüße,

Olaf
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Klaus Herrmann

Lieber Olaf,
ich hatte ja schon eingangs gesagt, dass du absolut Recht hast beim Borax: das ist eindeutig das Dinatrium -Tetraborat -Decahydrat.
Und der Gips ist eindeutig Calciumsulfat Dihydrat - der Anhydrit dagegen Calciumsulfat wasserfrei. In diesem Fall erfindet der Chemiker nicht einen neuen Namen, der keinen Zusammenhang mit der anderen doch sehr nahe verwandten Substanz erkennen lässt.
Wobei die Chemiker - besonders die Organiker - einen riesigen Zoo an Trvialnamen kreiert haben, die man wie Vokabeln lernen muss. Wer würde schon statt Hämoglobin die nach den IUPAC-Regeln korrekte Bezeichnung wählen. Ich könnte es nicht.
Bedeutet: Vokabeln lernen müssen beide: Mineralogen und Chemiker. Und es ist gut, wenn man von beiden Fachgebieten ein wenig Ahnung hat. ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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