Ein Porphyr, der keiner ist

Begonnen von Florian D., Juli 06, 2019, 21:09:16 NACHMITTAGS

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Florian D.

Glückauf Forum,

in den Pfingstferien machten wir einen Ausflug in die Oberpfalz und da habe ich mir natürlich ausbedungen, dass wir eine geologisch Interessante Stelle besichtigen. Diesmal war es der sogenannte Pingartener Porphyrsteinbruch, der als eines von Bayerns schönsten Geotopen ausgezeichnet ist:
https://www.lfu.bayern.de/geologie/geotope_schoensten/6/index.htm
Tatsächlich hat sich vor dem Steinbruch ein kleiner See gebildet in dem man sich erfrischen  und auf einer Liegewiese entspannen kann.
Die Anlieger des Steinbruchs sind eifrig damit beschäftigt, Ihre Drahtzäune mit diesem Schotter zu füllen, so dass ich mir auch erlaubt habe, einige Brocken zur mikroskopischen Untersuchung mitzunehmen, an denen ich in den letzten 2 Wochen wannimmer sich etwas Zeit fand, herumgeschliffen habe.

Bei dem Stein handelt es sich nicht um einen Porphyr, also ein Vulkangestein, sondern um eine Arkose.
Nachdem Gondwana in der herzynischen Orogenese mit Laurussia kollidiert war, lag Deutschland im Perm im Zentrum des Superkontinentes Pangäa und dort herrschten wohl klimatische Bedingungen wie heute in der Sahara. Das Gestein oxidierte und erhielt dadurch seine Rotfärbung, die diesen Schichten den Namen "Rotliegendes" eingetragen hat. Wenn es dann doch mal regnete, konnten die ausdedörrten Böden die Wassermassen nicht aufnehmen und es bildeten sich reissende Fluten, die Gesteinstrümmer schlecht sortiert ablagerten. Nachdem diese Trümmer nur kurze Zeit transportiert wurden, wurden sie nicht abgerundet, sondern behielten ihre eckige Form. Auch konnten empfindlichere Gesteine wie Feldspat und Glimmer vom Wasser nicht zersetzt werden.
Die Trümmer wurden dann im Laufe der Zeit von eindringenden kieselsäurehaltigem Wasser verfestigt.
Diese Art Gestein wird als "Arkose" bezeichnet.

Unter dem Mikroskop erkennt man, u.a. an den fehlenden Zwillingslamellen und den stattdessen vorhandenen perthitischen Entmischungslamellen, dass es sich um Alkalifeldspäte handelt.
Zwischen den grossen Feldspatkörnern ist eine feine Masse aus Quarz, Eisenoxiden und Sericit.
Ob es sich bei den braunen Bändern um Biotit, Serpentin oder etwas ganz anderes handelt, bin ich mir nicht sicher.
Jedenfalls habe ich mich auch gefreut, auf dem letzten Bild auch Fluorit (Flussspat) gefunden zu haben.
Die Lagersätte des Pingartener Porphyrs ist in dieser Hinsicht der kleine Bruder des nahegelegenen  Wölsendorfer Flussspatreviers. Der Flussspat hat eine leicht violette Färbung und ist aufgrund der optischen Isotropie und des niedrigen Brechungsindex leicht zu identifizieren.

Viele Grüsse
Florian




Florian D.

So, nochmal der "Porphyr". Es hat mir keine Ruhe gelassen, dass die Fluorite so wenig "würfellg" aussahen, sondern eher sechseckig.
Im Anhang daher nochmal ein Bild eines kleinen Kristalls. Ich denke doch, dass das ein Rhombendokekaeder ist, also aus {110} Zonen besteht. Im benachbarten Wöhlsendorf findet man das anscheinend auch:
https://www.mineralienatlas.de/VIEWmaxFULL.php/param/1186737803-F-8.jpg
Ist mir sonst eher vom Granat vertraut.
Des Weiteren ein Bild von was ich mangels einer besseren Idee immer noch für einen Alkalifeldspat halte, denn er ist zweiachsig und hat einen höheren Brechungsindex als der Kleber, aber einen niedrigeren als Quarz. Die feinen Streifen scheinen aber weder Zwillings- noch Entmischungslamellen zu sein. Vielleicht nur  Ausdruck der sehr guten Spaltbarkeit? Eine darauf mehr oder weniger senkrecht stehende Spaltbarkeit ist ja auch gut zu erkennen.
In dem Präparat finde ich aber auch sowohl Mikroklin als auch perthitische Entmischungslamellen, wenngleich in benachbarten Körnern.

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

#2
Hallo Flörian,
das letzte Bild zeigt eindeutig die Schatten von Blättern und Zweigen auf einem Holzparkett  ;D
Duck und weg.
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

limno

Hallo Gerd,
wunderbar poetische Ausdeutung! :)
Dank dafür von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

bergarter

#4
gruis De Flori

wennst scho in die geotopn von meina Hoamat wuilderst,
und Dir das a so schmeckt,
dann  solltst bei deim negsten Abstecher in `d Stoapfalz amal da vorbeischaun;

https://www.naturpark-now.de/dreischoensten_doost.htm

Da gibt`s nähmlich den echten Oberpfälzer Pressackstoa,
und der schmeckt nicht nach abglagerter " Arkosenblutwurscht ",
nah,
der ist echt magmatisch gwachsn, und  bestimmt a nu FRISCH !

also dann

grüis de
Gerd

Florian D.

Habedere Gerd,

houst däin Pressack scho amol gzeichnat?

An scheena Grous,
Florian

Florian D.

Gert/ bergarter,
ich habe gerade im österreichischen Forum gesehen, dass du auch mit der Juweliersäge sägst. Wie bekommst du da einen geraden Schnitt hin?
Habedere
Florian

bergarter

grüß Dich Forian

Leider war ich nie an der Pressacksteinfundstelle, konnte ihn also ncht zeichnen.
Wenn ich mich recht erinnere, gibts aber eine Zeichnung im
Aufschluß Sonderband Nordbayern, 70 er Jahre
Der Pressack hatte dort , glaub ich den Spitznamen :  Blastomylonit.

zur Juwelierbügelsäge: 
ich hatte nie was anderes, komm aber mit mühseligen Tätigkeiten gut zurecht.
Es wurde manchmal konkav oder konvex, aber bei  2 - 3mm Dicke läst sich das schon planieren.

grüß Dich
Gerd