Zeiss Grosses Sonderstativ S

Begonnen von Alfons Renz, März 01, 2020, 11:40:47 VORMITTAG

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Alfons Renz

Liebe Freunde historischer Mikroskope,

Anlässlich der Restaurierung des Bierseidl-Mikroskops (siehe separaten Link) habe ich mich mit einem meiner älteren Mikroskope beschäftigt und festgestellt, dass dieses 'Grosse Sonderstativ S' offenbar nur wenig verbreitet war. Jedenfalls konnte ich kein Bild im Internet nachweisen.

Im Zeiss-Archiv fand ich folgende Beschreibung:

Das Sonderstativ S ist so gestaltet worden, dass sich bei ihm der Tisch mit einem Grobtriebe um 5 cm in der Richtung der Mikroskopachse verstellen lässt. Die Grundausrüstung gleicht der des Statives C. Das Sonderstativ S ist daher ein Stativ, das bei waagerechter, geneigter und senkrechter Stellung des Objekttisches sowohl für Untersuchungen mit durchfallendem wie auch mit auffallendem Licht, bei subjektiver Beobachtung und bei mikrophotographischen Arbeiten gleich gut gebraucht werden kann. Das Sonderstativ S konnte mit den Tischen D, E oder F als Stativ SCD, SCE oder SCF geliefert werden. Die Tische D und E konnten dabei, wie üblich, gegeneinander ausgewechselt werden. Die Stative konnten, wenn sie nur für Beobachtung undurchsichtiger Gegenstände bestimmt sind, ohne Abbeschen Beleuchtungsapparat geliefert werden.

Das Mikroskop ist mit 7,4 kg ein Schwergewicht (im Kasten: 11,8 kg!) und besitzt die selbe Schwalbenschwanz-Aufnahme für den Objektiv-Revolver wie das Ultraphot 1, ist also hinsichtlich der Optik und Zusatzgeräte voll kompatibel mit diesem.

Mein Exemplar trägt die Nummer 200549 und dürfte gegen Ende der Zwanziger-Jahre hergestellt worden sein. Der Objektiv-Revolver mit Zentrierschrauben für jedes Objektiv ist vermutlich jüngeren Datums.

Leider fehlt am aplanatischen Kondensor die Frontlinse: Angebote sind willkommen!

Mit herzlichen Sonntagsgrüßen,

Alfons

Linuxpenguin

Hallo Alfons,
schoenes Projekt.
Dnke fuers zeigen.
Hast du zur fehlenden Frontlinse ein Bild ?
Habe da eine einzelne stammt aus einem Ultraphot II Konvolut.
Gruss
Sven
Mikrotechnik:
- ZEISS Ultraphot III
Luminar Einrichtung, AL/DL (HF/DF),
POL, AL-DIK
Hiller LED, HAL, CSI, HBO
- SteMi IVb

Foto:
- StackUnit auf PhoMi-Basis
- SONY a7R II VF/APS-C
- CANON FL Balgen
- Linearschlitten: Z 0,0001mm

Interessen:
Mineralogie, Gemmologie, Petrographie

Alfons Renz

.... und hier im Aufbau als Photomikroskop (mit Lampe von Leitz).

Alfons Renz

Lieber Sven,

Der Durchmesser des Gewindes beträgt 33,8 mm (von aussen gemessen). Leider habe ich kein Bild - eben weil die Linse fehlt!

Herzliche Grüße,

Alfons

Peter V.

Hallo Alfons,

na, das ist doch mal ein stilvoller Aufbau! Super!

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

beamish

Zum fehlenden Front-Teil des Kondensors:
Hier ist eine Abbildung aus einem Zeiss-Katalog von 1913. Leider ist der aplanatische zwar aufgeführt jedoch nicht abgebildet, aber äußerlich wird er wie in fig. b ausgesehen haben.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Klaus Herrmann

Lieber Alfons,

das ist ja wirklich ungewöhnlich. Allerdings passt der Polrevolver nicht zum Stativ, das müsste auch als Polversion ausgeführt sein.

Eine Frontlinse habe ich; allerdings befürchte ich, dass sie nicht passt; das Gewinde hat 33,55 mm. Wahrscheinlich hat Zeiss um Verwechslungen vorzubeugen jeweils andere Gewinde gewählt
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Lupus

Hallo,

der aplanatische sah im Querschnitt identisch aus wie der in der Abbildung b. Jedoch war der Frontlinsenaufsatz normalerweise mit Aplanat 1.4 statt nur 1.4 beschriftet.

Hubert

Alfons Renz

#8
Am Ultraphot 1 habe ich doch noch einen Aplanat-Kondensor 1,4 gefunden: Der ist wahrscheinlich ein paar Jahre Jahre jünger, aber vom Bau her gleich.

Bob

Lieber Alfons,
das ist ja wirklich ein schönes und seltenes Stück! Das hohe Gewicht dürfte daher kommen, dass das Stativ einfach massiv ist, während spätere Mikroskope mehr hohle Teile aufweisen. Mir kommt es so vor, also ob die Gießtechnik da in den 50er Jahren verfeinert wurde.
Ich habe ein englisches Prior-Auflichtmikroskop mit Hufeisenfuß, geschätzt aus den späten 50ern und in eher einfacherer Machart, das hat auch diesen doppelten Grobtrieb. Die vielen guten Objetive, die dabei waren, hatten leider fast alle Einschlagskrater in den Frontlinsen. >:(

Viele Grüße,

Bob

spectator

Hallo,
der doppelte Grobtrieb ist von Zeiss auch noch bei "moderneren" Stativen beibehalten bzw. wieder eingeführt worden.
In den 30er Jahren wurde das Stativ L mit untenliegenden Trieben und dem weiten geschwungenen Tubusträger eingeführt. Zu dieser Stativreihe gab es das Universalstativ Lu, welches gleichfalls einen zweiten, auf den Tisch wirkenden Grobtrieb hatte - besonders wichtig bei der Verwendung der Auflicht- Einheit, um den Tisch weit absenken zu können.
Als nach dem Krieg der flache Hufeisenfuß mit Spiegel durch einen Sockel mit Beleuchtung abgelöst wurde, wurde dieser 2.Grobtrieb wieder aufgegeben: das Stativ Nf erhielt jetzt die Möglichkeit, den Objekttisch in verschiedener Höhe anzuklemmen: oben bei Verwendung des unter dem Tisch sitzenden Durchlicht-Kondensors , unten bei Verwendung der Auflicht- Einheit. Diese Möglichkeit gab es dann auch noch bei den Nachfolge-Modellen (Ergaval,Amplival).
Viele Grüße
Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!