Eure Erfahrungen zu Leitz 40x Objektiven (160 mm Tubus)

Begonnen von Paddy1348, Mai 02, 2020, 13:55:38 NACHMITTAGS

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Paddy1348

Liebe Leitz-Benutzer unter Euch,
ich nenne ein Leitz Laborlux mein Eigen und beschäftige mich momentan mit dem Ausbau des Mikroskopes, insbesondere beim 40x Objektiv. Da ich noch recht neu in der Mikroskopie-Welt bin, würde ich mich freuen, wenn Ihr Eure Erfahrungen mit den Leitz Objektiven mit mir teilen würdet.

Zunächst geht es mir um die grundsätzliche Frage: EF-/PL-Objektive vs. (N)PL-Fluotare. Lohnt sich die Investition in (N)PL-Fluotare oder ist der optische Unterschied (Auflösung, Kontrast, usw.) zu den EF-/PL-Objektiven eher marginal? In der Fotografie ist es ja häufig so, dass man sehr viel Geld für ein Objektiv bezahlen kann, welches nur bei sehr genauem Hinsehen ein besseres Bild liefert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist also nicht wirklich optimal. Wie verhält es sich bei den (N)PL-Fluotaren? Mikrofotografie mittels DSLR ist geplant, hier warte ich z.Zt. noch auf die Teile für meine Fotoadaption.

Ausgehend von einem NPL Fluotar dann die nächste Frage: Ich verwende meine Objektive zeitlich gesehen etwa 50% im Hellfeld und 50% im Phasenkontrast. Benötige ich dann jeweils ein Objektiv mit und eines ohne Phasenring? Mein derzeitiges EF 40x/0,65 Phaco 2 überzeugt im Hellfeld nicht.  Das gleiche Objektiv ohne Phasenring liefert ein merklich besseres Bild, der Phasenring stört also. Muss ich damit auch bei den NPL Fluotaren rechnen? Wie ist da Eure Erfahrung?

Vielen Dank im Voraus für Euer Feedback!

Patrick

Ulf Titze

#1
Hallo Patrick,

in Deinen Zeilen stecken eigentlich mehrere Fragen. Ich kenne die genannten Objektive aus eigener Erfahrung und versuche gerne, Dir meine Eindrücke zu schildern.

Zunächst gehe ich mal davon aus, dass Du ein jüngeres Laborlux (11, 12, S ...) für 160mm hast und Du Dich ausschließlich für die Objektive dieser Baureihe interessierst. Weiter entnehme ich Deinen Zeilen, dass Du vor allem Tümpler bist, der mehr Wert auf Auflösung denn auf Bildfeldebnung legt.

Wir reden über die folgenden Objektivklassen:

EF-Achromate: sehr gute Achromate mit brauchbarer Planebnung bis etwa Sehfeld 18, weiter außen wird's unscharf am Rand.

PLAN : herausragende Achromate mit perfekter Planebnung bis Sehfeld 25. Liefern selbst mit Zeiss-Okularen ein helleres und kontrastreicheres Bild als die Objektivreihe Plan von Zeiss.

NPL-Fluotare: Objektive mit hoher Korrektur und höherem Auflösungsvermögen. Als jemand der täglich mehrere Stunden an Mikroskopen arbeitet, erkenne ich den Unterschied zu Achromaten im Blindversuch, insbesondere bei den stärkeren Objektiven. Aber er ist nicht groß.

PL-Fluotare: Im Vergleich zu den vorherigen noch weiter verbesserte Planebnung - den Unterschied erkennt man allenfalls im Orthoplan bei Sehfeld 28. Auch die NPL-Fluotare zeichnen locker bis Sehfeld 24 tadellos plan.

Es handelt sich bei allen um sehr gute Objektive. Die Unterschiede bei Korrektur und Auflösung sind nicht groß, aber sichtbar. Ob Dir der Unterschied zwischen Achromaten und Fluoritsstemen den Aufpreis wert ist, kannst nur Du selbst entscheiden. Das hängt sicherlich auch von Deiner Erfahrung ab. Als Einsteiger kommst Du mit den EF-Objektiven sicherlich erstmal ziemlich weit, weil die wirklich gut sind. Auch mit denen kann man sehr gute Fotos machen.

Den Effekt des Phasenrings gibt es auch den den Fluoritobjektiven. Bis zum 16:1 (das 25:1 kenne ich nicht) kann man m.E. die Phasenvarianten ohne spürbare Einbußen im Hellfeld verwenden, ab dem 40:1 würde ich je nach Bedarf die Hellfeld- und PHACO-Variante parallel verwenden. 

Gruß

Ulf
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JB

#2
Zitat von: Paddy1348 in Mai 02, 2020, 13:55:38 NACHMITTAGS
Zunächst geht es mir um die grundsätzliche Frage: EF-/PL-Objektive vs. (N)PL-Fluotare. Lohnt sich die Investition in (N)PL-Fluotare oder ist der optische Unterschied (Auflösung, Kontrast, usw.) zu den EF-/PL-Objektiven eher marginal?

Hallo Patrick,

Nach meiner Erfahrung lohnt sich der Umstieg auf NPL Fluotar 40/0.70 wegen besserem Kontrast und geringeren Farbraendern. Allerdings nur wenn die Praeparate auch entsprechend gut sind, das heisst die Schichtdicke muss gering sein. Durch die hohe Apertur von 0.70 (im Vergleich zu 0.65) ist das Objektiv anfaelliger fuer hohe Schichtdicke als ein einfacheres Objektiv. Wenn Sie die Schichtdicke nicht verringern bekommen Sie mit dem Fluotar ein schlechteres Bild als mit dem EF.

Das NPL Fluotar 40/0.70 hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis und ist unter 100 Euro zu haben - es lohnt sich. Der Unterschied zwischen NPL Fluotar und PL Fluotar ist weniger deutlich (teils sind die Objektive sogar baugleich) und die zusaetzliche Bildfeldebnung wuerde nur am Orthoplan etwas bringen (siehe Ulfs Daten dazu). Sie koennen die preiswerte 170 mm Version auch am 160 mm Leitzstativ verwenden.

Ein wirklicher Qualitaetssprung fuer Tuempler ist aber das NPL Fluotar 50/1.0 Oil (Oelimmersion, freier Arbeitsabstand 0.20 mm)! Durch die hohe Apertur und relative Unempfindlichkeit gegen hoehe Schichtdicke gibt es hervorragende Bilder.

Das war nicht Ihre Frage, aber meine bezahlbare Idealloesung fuers Tuempeln waeren statt eines 40er zwei Objektive: ein NPL Fluotar 25/0.55 oder PL FLuotar 25/0.60 oder PL APO 25/0.65 und das NPL Fluotar 50/1.0 Oil. Die Phasenkontrastversionen dieser Objektive sind leider sehr teuer; da waere ein NPL Fluotar 40/0.70 Phaco 2 der bezahlbare Kompromiss.


Beste Gruesse,

Jon

Paddy1348

Hallo Ulf, hallo Jon,
danke für Eure Antworten. Ihr habt mein Anliegen gut erkannt, bitte entschuldigt die fehlenden Infos in meinem ersten Post: Ja, es geht primär ums Tümpeln und ich habe ein Laborlux K (also quasi identisch mit dem 12er).

Das Thema Bildfeldebnung sollte meinem Verständnis nach weder beim EF noch beim NPL Fluotar für mich relevant sein, da diese ja bis mindestens 18 mm korrigiert sind und meine Okulare (einschließlich des Fotookulars) eine SFZ von 18 haben. Und das 40x NPL Fluotar ist tatsächlich für recht wenig Geld (um die 100 €) in der Bucht zu haben. Daher würde es mich schon gegenüber dem EF reizen. Das Thema Schichtdicke habe ich aber dabei nicht bedacht.

Auf meine Frage, wie dick denn die Schichtdicke für ein 40x NPL Fluotar sein darf, gibt es vermutlich keine konkrete Antwort, oder? Bei meinen bisherigen Tümpelproben ist häufig etwas Sediment, organisches Material oder Zooplankton enthalten. Das sollte ja nichts ungewöhnliches sein. Wäre das schon ein k.o.-Kriterium für ein Fluotar?

Gruß,
Patrick

JB

Zitat von: Paddy1348 in Mai 02, 2020, 20:18:41 NACHMITTAGS
Auf meine Frage, wie dick denn die Schichtdicke für ein 40x NPL Fluotar sein darf, gibt es vermutlich keine konkrete Antwort, oder? Bei meinen bisherigen Tümpelproben ist häufig etwas Sediment, organisches Material oder Zooplankton enthalten. Das sollte ja nichts ungewöhnliches sein. Wäre das schon ein k.o.-Kriterium für ein Fluotar?

Hallo Patrick,

K.O. fuer die hohe Apertur, das gilt fuer Fluotare genau so wie fuer Achromate. Ich hatte mich hier https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37161.msg273144#msg273144 in einer Antwort versucht. Meine Schaetzung waren fuer NA 0.70, etwa 40 µm. Sie blenden den Kondensor noch etwas ab, also noch ein wenig mehr als 40 µm. Das ist die Breite eines Pantoffeltierchens - wenn sich grosse Ciliaten noch gerade so frei bewegen ist die Schichtdicke fuer NA 0.70 erreicht. Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen. Fuer noch hoehere NA muessen die Objekte direkt am Deckglas anliegen.

Sand ist meiner Erfahrung nach zu viel fuer so ein Praeparat. Das Sediment muss vorher als Teil der Praeparation entfernt werden.

Eine weitere Strategie ist, die Objekte auf dem Deckglas zu sedimentieren, dann umzudrehen und das Sediment zu entfernen (Amoeben) oder gleich darauf aufwachsen zu lassen (schwimmendes oder eingetauchtes Deckglas fuer Tage bis Wochen im Aquarium oder Tuempel).

Es gibt dazu eine Menge Material im Forum, z.B. die Meisterklasse hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=23010.msg171098#msg171098 und hier: https://www.youtube.com/watch?v=QQiphKg3X4c

Beste Gruesse,

Jon