Brauche Hilfe: Schleim schonend entfernen

Begonnen von Bernd Miggel, Dezember 14, 2020, 10:09:52 VORMITTAG

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Bernd Miggel

Hallo zusammen,

momentan schreibe ich einen Beitrag über einen interessanten Pilzfund. Es geht um den Samtfußrübling Flammulina velutipes.
Die Pilze besitzen einen Hut mit einer etwa 100 µm dicken Schleimschicht, in der die hyphigen und zelligen Elemente nur zu erahnen sind:



Um diese Huthautelemente sauber herauspräparieren und darstellen zu können, muss erst einmal der Schleim weg. Aber wie macht man das am einfachsten, und zwar schonend?

Viele Grüße

Bernd

Holger Adelmann

Hallo Bernd,

Ich kenne mich mit der Pilz-Biologie nicht so gut aus aber könnte es sein, dass der Schleim des Hutes aus Mucopolysacchariden besteht?
Falls ja könntes Du den evt. mit dem Enzym Hyaluronidase schonend auflösen. Musst Du mal Google bemühen.

Falls ja sollte es das Enzym über die Apotheke beziehbar sein, es wird u. A. in der plastischen Chirugie eingesetzt so weit ich das erinnere ....

Viel Erfolg!
Holger

Heribert Cypionka

Hallo Bernd,

eine afrikanische Studentin hatte mir erzählt, dass sie gesammelte Schnecken mit Hilfe von Natrium-Bicarbonat (z.B. Bestandteil von Backpulver) von Schleim befreit haben. Wir haben das nach diesem Tipp mit Erfolg bei dem Riesenbakterium Achromatium angewendet. Hyaluronidase hat ja nun nicht jeder zu Hause rumliegen ;)

Viel Erfolg!
Heribert Cypionka

Bernd Miggel

Danke für die freundlichen Tipps!!

Backpulver und Natron ist beides vorhanden, wird morgen direkt mal getestet.

Viele Grüße

Bernd

Muschelbluemchen

Also wenn ich mich an meine UNI-Zeit erinnere und den dort abgehaltenen Desmidiaceen-Vorlesungen und Exkursionen,
so wurde da immer Hustensaft empfohlen, um die Zieralgen vom Schleim zu befreien.
Leider kann ich mich da nicht mehr an bestimmte Produkte erinnern, homöopathische Arzneien waren da aber sicherlich nicht dabei   ::)  ;D
Ich denke Erfolg wird sich am ehesten mit Produkten einstellen, die Acetylcystein enthalten!

LG
Leo


Bernd Miggel

#5
Erstes Ergebnis:
Natrium-Bicarbonat (zehnprozentige wässrige Lösung) funktioniert leider nicht. Die vom Hut abgezogene Schleimpelle löst sich nicht auf. :(
meine nächsten Versuchskandidaten:

  • Acetylcystein
  • Salmiak
  • Zuckerlösung
  • Essig
  • Waschbenzin
  • mechanisches Schütteln in Wasser, alternativ Magnetrührer
mal schauen! ;)
L.G. - Bernd

Bernd Miggel

#6
Hallo,

4 Std. in Wasser mit Magnetrührer gerührt: Jetzt habe ich eine richtige Schleim-Schwarte. Der Schleim hat sich also nicht aufgelöst.
Nun habe ich ein winziges Fragment davon als Quetschpräparat aufbereitet und mit SDS-Kongorot eingefärbt: einwandfrei! Man erkennt problemlos die Huthautelemente: Es sind bäumchenartig verzweigte, dünnwandige Hyphen (Bildmitte) sowie dickwandige Zystiden (rechts daneben). An vielen Hyphensepten befinden sich Schnallen:



Viele Grüße
Bernd


unkenheini

Moin ,
Salmiaklösung haben die alten Angler genommen, um Aale vom Schleim zu befreien.Aber ob das auch bei Pilzen funktioniert,keine Ahnung.Vielleicht mal einen Versuch wert.
Mit freundlichen Grüßen Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

Bernd Miggel

Moin,

Salmiaklösung werde ich testen, sobald ich sie in die Finger bekomme.
Es würde aber schon sehr helfen, wenn ich die Schleimschicht dünnflüssiger machen könnte, aber womit?
Mit dünnflüssigem Schleim liegt das Deckglas dicht auf dem OT, und es gelingen dann auch scharfe Mikrofotos.
Im letzten Bild stört die dickflüssige Konsistenz noch sehr, so dass die dünnwandigen Hyphen (Ixohyphidien) z.T. vom Schleim verdeckt werden.

L.G. - Bernd

Günter

Hallo Bernd,

man müsste herausfinden, aus was denn der Schleim besteht, den man entfernen oder verflüssigen will. Das ist ja auch der Ansatz von Holger ein paar Beiträge weiter oben. Ich hatte da ein wenig im Clemencon und Internet gestöbert und wenig gefunden. Mir war dann der folgende Artikel  "Emendations to tissue typology in discomycetes" von  Jan Hengstmengel zu lang zum Lesen https://link.springer.com/article/10.1007/s11557-020-01577-5 . Aber über die Schlagworte "gel forming fungal polysaccharides, like pectins and other polyuronides " bin ich gestolpert.
Falls also wirklich irgendwelche Pektine im Schleim wären, könnten sie vielleicht durch die im Weinbau benutzten Pektinasen aufgelöst werden ?
Dies mal so als Idee, wenn ich mich in der Materie eigentlich auch nicht so auskenne. Pektinasen wären einfach zu bekommen, im Fachhandel für Wein- und Mostbereitung, oder auch bei e... oder A...

Viel Erfolg und Grüße
Günter
über mich   
Folge denen, die die Wahrheit suchen.
zweifle an denen, die sie gefunden haben.

Heribert Cypionka

... eine Idee hätte ich noch anzubieten. Ich habe zwar noch alle Zähne :), aber eine Packung mit Gebissreiniger-Tabletten steht bereit, um hartnäckige Beläge von verschiedenen - nicht zu empfindlichen - Objekten zu entfernen. Das klappt oft sehr gut...

LG
Heribert

Bernd Miggel

Vielen Dank für eure Tipps!

Hallo Holger, das Enzym Hyaluronidase habe ich erst mal vorgemerkt. Es ist wohl über's Internet zu bekommen, aber ziemlich teuer.

Hallo Leo, auch mit Hustensaft will ich am Ball bleiben. Weißt du, um welche Grundsubstanz es sich handelt, um die Zieralgen von ihrer Schleimhülle zu befreien?

Hallo Jörg, handelt es sich bei der Salmiaklösung um Ammoniak, oder ist das komplett etwas anderes?

Hallo Günter, das ist ein sehr interessanter Artikel, den ich erst mal durcharbeiten muss. Vielleicht sind die im Weinbau benutzten Pektinasen ja die Lösung.

Hallo Herbert, das ist ja mal ein Vorschlag, der leicht zu realisieren ist. Jetzt habe ich direkt eine Schachtel Gebissreiniger-Tabletten bestellt.

Herzliche Grüße
Bernd






unkenheini

Moin Bernd,
Ja es handelt sich um Amoniklösung ich meine 25%in jedem Baumarkt erhältlich.Nun ja wenn nicht gerade ein Corona Lockdown das Beschaffen erschwert.
Mit freundlichen Grüßen Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

Bernd Miggel

Hallo Jörg,

wenn es sich bei der Salmiaklösung um Ammoniak handelt, bringt es leider nichts, denn ammoniakalkalisches Kongorot nehme ich gerne, um Schleim darzustellen. Ich möchte aber das Gegenteil. Schade! :(

V.G. - Bernd