Zweite Blitzversuche mit Cilliaten

Begonnen von Carsten Wieczorrek, Januar 14, 2021, 21:45:21 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Carsten Wieczorrek

Hallo,

so, ich blitze mal wieder. Zuerst die Bilder. Nach den Anregungen aus dem Forum habe ich meinen "Aufbau" wie folgt geändert:

- Kameraempfindlichkeit auf 400 ASA erhöht
- dafür den Blitz auf 1/128 abgesenkt
- Blitz auf den zweiten Vorhang
- Belichtungszeit 1/10
- Pilotlicht manuell ausgeschaltet


Bild 1 : ?



Bild 2 : der war schnell, der ewige Kreiselblitz



Bild 3 : Waffentierchen?



Bild 4 : Waffentierchen? Hier mit der Mundregion



Und da ich gefragt wurde, wie ich den Blitz adaptiert habe, hier die Antworten.

Angeregt durch Gerds "Mein Vanox blitzt" und trotz des bekannten Fadens "Du sollst keine Löcher in Orthoplane bohren" habe ich folgendes umgesetzt:

Im Amplival-Fuss steckt im Kollektor eine zuschaltbare Mattscheibe. Wofür die ist? Bei mir produziert sie nur ihr Oberflächenmuster auf mein Beobachtungsobjekt. Das brauche ich nicht. Und was ich nicht brauche, fott damit. Die Mattscheibe schiebt sich in einen etwa 4 mm breiten Schlitz, der sich zur Hälfte durch das Kollektorrohr zieht. Das reicht allemal, um eine Blitzröhre dort genau zentrisch anzubringen. Und da ein Amplival kein Orthoplan ist, darf man an die Rückseite des Fusses auch ein kleines Loch bohren, um die Kabel der Blitzröhre (das sind 3) herauszuführen. Als Blitzröhre habe ich die hier empfohlenes Röhre einen Yongnuo Speedlite YN-568EX II verwendet. Die Kabel werden verlängert und wieder an das Steuergerät gelötet. Fertig.
Stört die Blitzröhre das mikroskopische Bild? Ja, bei allen Objektiven kleiner 40 kann man die Schatten der Röhrenwandung sehen. Visuell, im geblitzten Bild natürlich nicht. Ich habe mir für das nächste Mikroskop einen weiteren Yonguno ersteigert. Dort plane ich, die Röhre an einer Art Zugstange ein- und aus-schiebbar zu gestalten. Dann kann ich hoffentlich auch bunte Interphako-Bilder blitzen.
Wenn es einer nachbauen möchte: PN! Es gibt ein, zwei kleine Hürden, und Fehler oder etwas kaputt muss man ja nicht zweimal machen.

Viel Spaß beim Betrachten
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

D.Mon

Hallo Carsten,

Danke für die neuen Bilder und die Beschreibung Deines Setup.
Ich finde solche Erfahrungsberichte sehr anregend.

Viele Grüße
Martin
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon
--
Glück kann man nicht kaufen.
Aber man kann ein Mikroskop kaufen und das ist eigentlich dasselbe!
--
Mikroskope: Motic Panthera U, Lomo MBS-10, Orthoplan mit DIC
Kamera: Sony ILCE-6400

Carsten Wieczorrek

Hallo ADi,
eine Sony alpha, Spiegel ist also nicht.
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

junio

#3
Hallo Carsten,
gestatte mir einige Worte zu Deiner Blitzadaption, die technisch bestimmt schön gelungen ist.
Aber: Du verschenkst sehr viel Blitzlicht, wenn Du keinen einigermaßen passenden Blitzkollektor hast. Der Blitzkollektor ist aber im Beleuchtungsstrahlengang ohne Licht- und Qualitätsverluste bei der eigentlichen Mikroskopbeleuchtung nicht realisierbar. Da bedarf es schon eines Doppelkollektors, der die Wendel der Mikroskoplampe in der Ebene der Blitzröhre abbildet und beides (Wendelbild und Blitzröhre) in der Aperturblendenebene abbildet. Einige Mikroskopiker haben einen anderen Weg gesucht und eine Blitzröhre in Nähe der Mikroskoplampe vor einem gemeinsamen Kollektor platziert. Das hättest Du bestimmt auch so konstruiert, wenn es die Rahmenbedingungen hergegeben hätten.
Es wäre einen Versuch wert, die Blitzröhre unter dem Kondensor zu platzieren, zunächst ohne Kollektorlinse und evtl. einmal mit Kollektorlinse f=ca.25-30mm (es kann die Linse aus einer Lupe sein). Dann kannst Du etwas zur Homogenität und Lichtstärke des Blitzbildes und zum Einfluss auf die  Mikroskopbeleuchtung an sich sagen. Natürlich kann man die Blitzröhre auch einspiegeln, dann ist der Beleuchtungsstrahlengang ungestört, aber eben in seiner Leistung etwas geschwächt. Mit dieser Ausführung bist Du allerdings dann beim dem "Blitzwürfel", den ich über 30 Jahre gebaut habe.
Die von Dir angesprochene Störung der Blitzröhre im Beleuchtungsstrahlengang ist bekannt und tritt z.B. auch beim Doppelkollektor auf. Diese Problematik ist aber durch eine Kondensoranpassung weitgehend zu beheben. Z.B. ein Kondensor n.A. 1,2 bildet die Blitzröhre für das Sehfeld eines 20er Objektivs einfach zu klein ab. Ein Kondensor n.A. kleiner 0,5 wäre hier angebracht.
Ich werde an diesem Wochenende meine Amplival-Blitzeinrichtung einmal in einem eigenen Thread vorstellen.
Beste Grüße von Jürgen 

Anmerkung:
nach einem kurzen Kontakt mit Carsten, war mir das Problem klarer. Es gibt am Amplival (wie bei Zeiss West ) eine angebaute und eine eingebaute Beleuchtung. Ich (kein guter Kenner der CZ Jena Modelle) mikroskopiere mit einem Amplival mit angebautem Lampenhaus (Halogen 12V100W). Das Lampenhaus hat einen Kollektor, der die Lichtquelle ausreichend groß in Aperturblendenhöhe abbildet. Für diese Beleuchtungssituation gilt mein obiger Kommentar.  Carsten arbeitet, so weiß ich jetzt, mit der eingebauten Beleuchtung. Der Raum zwischen der 6Volt-Lichtquelle und der getrennt eingebauten Kollektorlinse ist relativ frei zugänglich und bietet bei Demontage der zwischenschaltbaren Mattscheibe Platz für eine Blitzröhre. Das ist ein absolut idealer Platz mit garantiert hoher Blitzlichtausbeute.
Ich schrieb oben:"Einige Mikroskopiker haben einen anderen Weg gesucht und eine Blitzröhre in Nähe der Mikroskoplampe vor einem gemeinsamen Kollektor platziert. Das hättest Du bestimmt auch so konstruiert, wenn es die Rahmenbedingungen hergegeben hätten.". Carsten, Du hast es so konstruiert.
Wenn dann noch die Blitzröhre bei Bedarf aus dem Strahlengang herausgenommen werden kann, ist die Applikation perfekt.

Beste Grüße und viel Erfolg beim nächsten Bastelschritt.

       

D.Mon

Hallo Adi,

ich experimentiere gerade auch mit Blitzen an meinem Motic Mikroskop, bin aber mit meinen Aufnahmen generell zurzeit eher unzufrieden.
Ich versuche gerade alle Aspekte systematisch abzuklappern und zu verbessern, daher interessiert mich das Thema Vibrationen natürlich auch.
Ich habe auch eine Sony Alpha Kamera und zwar die ILCE-6400 (APS-C), bei der man, wie bei vielen anderen Kameras, mit der Funktion "geräuschlose Aufnahme" nicht blitzen kann.

Meine Frage:
Wenn ich die Aufnahme eines Objektmikrometers (als unbewegtes Test-Motiv) im normalen Hellfeld und der Funktion "geräuschlose Aufnahme" mit einer Ausnahme mit elektronischem 1. Verschlussvorhang und normalem Aufhellblitz (= auf den 1. Vorhang) vergleiche und dabei keine Unterschiede in der Schärfe feststellen kann, kann ich dann davon ausgehen, dass ich bei den verglichenen Verschlusszeiten (bei mir 1/100 bis 1/200 Sek., im Einzelfall bis 1/320) kein Problem mit Vibrationen habe?
Oder kann man solche "Trockenversuche" nicht auf das Fotografieren von Ciliaten im Lebendpräparat übertragen.

Wenn das hier zu weit ins Off-Topic führt, mache ich dazu auch gerne einen separaten Faden auf.

Und dann noch eine Anmerkung:
Ich habe in den Anleitungen von Sony gelesen, dass es bei Verwendung des vollelektronischen Verschlusses bei bewegten Motiven zu Bildverzerrungen und anderen Bildstörungen kommen kann. Anderswo habe ich gelesen, dass das wohl mit den Geschwindigkeiten des zeilenweise der Belichtung des Sensors zusammenhängt (Rolling Shutter).
Bei den Sony Alphas sollen die Vollformat Kameras (wenn es nicht die 7 III ist) diesbezüglich nennenswert langsamer sein, als die neueren APS-C Modelle. Ein möglicher Anhaltspunkt kann diesbezüglich die max. Serienbildrate sein (wobei da auch die Auslesegeschwindigkeit eine Rolle spielt). Ich kann aber nicht beurteilen, in welchem Umfang das letztendlich für unsere Anwendung wirklich relevant ist. Wie gesagt, hab ich das alles nur gelesen.

Viele Grüße
Martin
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon
--
Glück kann man nicht kaufen.
Aber man kann ein Mikroskop kaufen und das ist eigentlich dasselbe!
--
Mikroskope: Motic Panthera U, Lomo MBS-10, Orthoplan mit DIC
Kamera: Sony ILCE-6400

D.Mon

Hallo Adi,

Danke, aber das Video kann ich schon.

Ich habe mich vielleicht unklar ausgedrückt.
Ich kann mit elektronischem ersten Beschluss blitzen, nur nicht mit erstem und zweitem.

Danrum habe ich bei unterschiedlichen Belichtungszeiten (1/100 bis 1/320 Belichtungszeit) Vergleichsfotos eines Objektmikrometers gemacht.
1. mit normaler Hellfeldbelechtung und vollelektronischem Verschluss
2. mit Blitz und elektronischem ersten Vorhang; der zweite ist dann mechanisch.
Beim Vergleich der Bilder konnte ich keine Unterschiede in der Schärfe ausmachen, woraus ich schloss, dass zumindest bei dem ruhenden und völlig Flächen Objektmikrometer eben kein Vibrationsproblem besteht, wenn der zweite Verschlussvorhang mechanisch ist.Das wäre gut für`s und zur Minimierung des Rolling Shutter Effekts bei bewegten Motiven.

Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob man dieses Experiment übertragen kann auf das Fotografieren von Nasspräparaten von lebenden Objekten. Mit fällt kein Grund ein, warum nicht, aber vielleicht übersehe ich etwas und vielleicht gibt es dazu praktische Erfahrungen. Wie ich schon sagte: Ich versuche alle möglichen Fehlerquellen zu reduzieren oder eliminieren.

Das Fotografieren in völliger Dunkelheit, mit langen Belichtungszeiten und Rear-Blitz, hab ich bisher erst einmal versucht.
Ich finde das sehr unpraktisch, erst recht mit lebenden Motiven.

Viele Grüße
Martin
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon
--
Glück kann man nicht kaufen.
Aber man kann ein Mikroskop kaufen und das ist eigentlich dasselbe!
--
Mikroskope: Motic Panthera U, Lomo MBS-10, Orthoplan mit DIC
Kamera: Sony ILCE-6400

Gerd Schmahl

#6
Hallo Carsten,
ich würde es schön finden, wenn Du für die Blitzversuche mal normale Hellfeldaufnahmen zeigst, statt Phasenkontrast mit seinen Halos. Ich glaube da ließe sich leichter sehen, was jetzt noch Unschärfe ist (vielleicht wegen Vibrationen, oder weil die Blitzzeit noch zu lang ist) und was Halo-Effekte des Phasenkontrastes.
Eine kleine Richtigstellung: Mein VANOX blitzt leider noch nicht. Der erwähnte Beitrag stammt von David und aus einer Zeit, als ich noch gar kein VANOX hatte.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Carsten Wieczorrek

Ja, kommt. Ich sitze aber noch im Büro.
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Carsten Wieczorrek

Hallo,
so, mist. Jetzt habe ich die nächsten Experimente vorbereitet, da gehen mir die Cilliaten aus. Die Probe ist tot.
Da muss ich morgen erst mal auf Suche gehen.
Grüße
Carsten
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

D.Mon

Hallo Carsten,

das ist sicher ärgerlich.
Um aber zwischen Unschärfe aufgrund von Bewegungen des Motivs und solchen aufgrund von Vibrationen des Kameraaufbaus zu unterscheiden zu können ist es vielleicht hilfreich, auch mal Aufnahmen von unbelebten Objekten zu machen.

Ciliaten und anderes Getier findet man übrigens auch oft in Blumenuntersetzern, Aufgüssen von Zimmerpflanzenerde oder - besser noch - Wasser für Schnittblumen.
Falls Du also so etwas im Haus hast, ...

Jedenfalls bin ich schon auf Deine nächsten Fotos gespannt.

Schöne Grüße
Martin
Bitte per "Du" - Martin alias D.Mon
--
Glück kann man nicht kaufen.
Aber man kann ein Mikroskop kaufen und das ist eigentlich dasselbe!
--
Mikroskope: Motic Panthera U, Lomo MBS-10, Orthoplan mit DIC
Kamera: Sony ILCE-6400