Umbau IM35 / IMC405auf DIC - Tischerhöhung

Begonnen von Jürgen Boschert, Juli 20, 2022, 15:50:23 NACHMITTAGS

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Jürgen Boschert

Der Umbau eines IM35 oder ICM405 -die letzten Ausführungen großer Inversmikroskope von Zeiss für das Endlichsystem- geht nur mit dem neueren DIC, für das zur Aufnahme der kleinen Schieber zwischen Objektiv und Revolver ein DIC-Stühlchen geschraubt wird. Die Objektive werden dadurch 11mm ,,länger"; entsprechend ist zwingend eine Erhöhung des Objekttisches erforderlich. Zeiss hatte dafür entsprechende Kleinteile im Programm, die heutzutage praktisch nicht mehr zu bekommen sind. Wer nun nicht selbst über eine Drehbank und die entsprechenden Kenntnisse verfügt, kann sich alternativ behelfen.

Was wird benötigt?

       1.   Distanzhülsen Edelstahl Ø25mm L-Ø:10,2mm Höhe 10mm (alternative Suchbegriffe: Abstandhalter Distanzbuchsen M10)
       2.   Abstandshalter Aluminium 10mm (alternative Suchbegriffe: Distanzbolzen Abstandsbolzen) mit Innengewinde M6
       3.   Gewindestifte Edelstahl (alternativer Suchbegriff: Madenschrauben) M6 10mm lang

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass die Edelstahl-Distanzhülsen nur 10mm hoch sind, während die DIC-Stühlchen ja 11mm auftragen; dieser eine mm wird problemlos vom Trieb des Mikroskopes kompensiert, die Konfektionierung der käuflichen Hülsen ist bestenfalls in 3-5mm erhältlich.
Die Abstandshalter mit Innengewinde, die ich hatte, sind als Außensechskant ausgeführt. Mit Nassschleifpapier habe ich sie dann auf einen passenden Außendurchmesser für die Löcher in den Edelstahlhülsen heruntergeschliffen. Da sie aus Aluminium sind, ging das sehr schnell: Lange M6-Schraube in eine Bohrmaschine einspannen, den Aluminium-Abstandshalter aufschrauben und los geht's. Bitte nur auf die Finger aufpassen!
Jetzt wird die Gewindehülse auf den Tischhalter aufgeschraubt, in das andere Ende der Hülse kommt der Gewindestift, Überschieben der Edelstahlhülse, Aufschrauben des ganzen Sandwiches auf den Tisch – fertig.

Ein Verkleben halte ich nicht für erforderlich.

Die kurze Bildfolge ist wohl selbsterklärend
Beste Grüße !

Jürgen

ImperatorRex

Hallo Jürgen,
wohl dem, der sich zu helfen weiß! Die Abstandhalter sehen doch recht solide und ansprechend aus.
Provisorisch gehen auch Unterlegscheiben, welche man einfach auf die vorhandenen Halterungen legt. Nur so viele, dass noch einige Gewindegänge übrigbleiben, damit man die Halterung ausreichend tief einschrauben kann. Das ist nicht optimal, aber es funktioniert, um sich einige Zeit damit zu behelfen...bis man eine bessere Lösung hat.
Die Reserve des Triebes war immer noch ausreichend.

viele Grüße
Jochen

Jürgen Boschert

Hallo Jochen,

ich glaube, Du kennst das IM35 ganz gut,  :D

Ich konnte einen völlig intakten (d.h., ohne Delamination) Weitfeld-Revolver besorgen, musste ihn nur säubern und neu fetten. Der DIC neu funktioniert damit tadellos, über das gesamte Feld nahezu frei von Gradienten. Übrigens muss man einfach unterschiedliche Schieberchen mit den Objektiven durchprobieren, durchaus auch einmal upside down. Der Schieber für das Plan 40/0,65 funktioniert hervorragend mit dem Plan Neofluar 25/0,8 , der für das Plan 6,3/0,16 mit dem Plan Neofluar 16/0,5; beide Kombinationen richtig herum und mit Kondensor-Frontlinse 0,9.
Beste Grüße !

Jürgen

ImperatorRex

Hallo Jürgen,
freut mich, dass Du offensichtlich immer noch Gefallen an dem IM35 hast...ich möchte meines auch nicht missen!

ZitatIch konnte einen völlig intakten (d.h., ohne Delamination) Weitfeld-Revolver besorgen

Dazu möchte ich Dir herzlich gratulieren, so ein Großfeldrevolver steht noch ganz oben auf meiner Wunschliste. Kaum zu glauben, wo hast Du den denn aufgetrieben?

Viele Grüße
Jochen

Jürgen Boschert

Hallo Jochen,

der lief mir vor 1 oder 2 Jahren in der Bucht über den Weg, ebenso wie ein dreh-/zentrierbarer Gleittisch. Ja, das IM35 ist neben dem Phomi II mein liebstes Instrument. Ich verstehe irgendwie nicht, wieso die meisten Leute von Inversen abraten. Vieles ist einfacher, insbesondere auch das Aufbringen von Immersionsflüssigkeiten. Wenn die Lichtsäule weggeklappt ist hat man einen viel freieren Zugang zu Objektiv, Tisch und Kondensor. Und Mikroskopieren mit umgedrehtem Objektträger ist zwar anfangs ungewohnt, aber auch mit hohen Vergrößerungen kein Problem.
Beste Grüße !

Jürgen

reblaus

Hallo -

Diskussionsfäde über Vor- und Nachteile gibt es ja schon reichlich im Forum -

beim Tümpeln mit den Inversen (erst IM35, dann Axivert 35) fand ich es immer sehr nett, dass sich viele Kleinlebewesen gerne unten auf dem Deckglasboden der Küvette ausruhen, sodass man sie selbst mit dem 63/100er Öl noch ohne Quetschen betrachten kann und sie trotzdem noch genügend Medium für ein verlängertes Restleben zur Verfügung haben.

Viele Grüße von einem ehemaligen Inversgenossen

Rolf

Peter V.

#6
Hallo, ihr Inversen,

ZitatIch verstehe irgendwie nicht, wieso die meisten Leute von Inversen abraten.

Das sollte man doch bitte etwas differenzieren. Ich z.B. rate keinesfalls generell von einem Inversmikroskop ab - im Gegenteil! Ich bin erstaunt, dass so wenige Tümpler neben ihrem normalen Mikroskop auch ein Inversmikroskop nutzen. Aber: Ich rate tatsächlich jedem Neuling von einem solchen Gerät als einem vollständigen Ersatz für ein aufrechtes Mikroskop definitiv ab und kann dafür auch mehrere gute Gründe anführen:

Es gibt auf dem "Markt" (gebraucht oder neu) keine Inversmikroskope, die pe se so ausgerüstet sind, dass sie die Bedürfnisse eines normalen Mikroskopikers befriedigen. Bitte bedenkt, dass ihr erfahrene Mikroskopiker, Bastler und "Beschaffer" seid und - da bin ich mir sicher - niemals ein Inversmikroskop "so" bekommen habt, wie ihr es letztlich als Ersatz für ein normales Mikroskop nutzt. Es sei denn, man lässt sich bei Leica, Zeiss oder Olympus eines entsprechend zusammenstellen und investiert dann 15.000 plus EUR  ;) Selbst bei den üblichen Gebrauchthändlern ist ein solches Mikroskop parktisch nicht ad hoc zusammenstellbar.

Warum?

Die Domäne der Inversmikroskopie sind Zellkulturen etc.

Diese Mikroskpope sind auf dem Gebrauchtmarkt und auch als Neugeräte zunächst mit Objektiven bis maximal (!) 40x ausgestattet und verfügen auch nur über niedrigaperturige Kondensoren. In der Regel handelt es sich um Objektive mit langem Arbeitsabstand bzw. Objektive mit Korrektur für Objektträger oder Petrischalen, nicht aber für normale 0.17er Deckgläser.

Natürlich ist ein derart komplett und genau für diesen Zweck ausgerüstetes Inversikroskop eine feine Sache - ich habe vor wenigen Monaten noch bei Sebastian Hess im Labor ein solchermaßen ausgestattetes Neugerät von Zeiss (Axio Oberserver invers mit DIC) gesehen, das war schon "nett".

Aber: In der Regel haben die Mikroskope auf dem Gebrauchtmarkt keinen Objektführer und wenn, fehlt immer der passende Einsatz für Objektträger. Wenn überhaupt solche Einsatz vorhanden sind, dann meist für irgendwelche Petrischalen oder Zellkulturflaschen.

Ich habe noch NIE ein Inversmikroskop auf dem Gebaruchtmarkt, Ebay oder bei Händlern gesehen, das auch nur ansatzweise so ausgerüstet gewesen wäre, dass es als Ersatz für ein aufrechtes Mikroskop bei der dafür üblichen Anwednung geeignet gewesen wäre.

Teile, die man benötigt, um ein Inversmikroskop "so" zu ertüchtigen, sind zum Teil extrem selten und es ist auch sehr unübersichtlich. Bei vielen Inversmikroskopen ist eine solche Modifikation zudem schlicht unmöglich, weil es die benötigten Teile nicht gibt, zum Beispiel Halterungen für hochaperturige Kondensoren.

Viele Inversmikroskope sind nicht ergnomisch. Zudem ist der Umgang damit schlicht schwieirger, vor allem bei der Verwendung der Immersion.

Eure Inversmikroskope sind nun wirklich ein Sonderfall: Sie sind von Euch selbst zusammengestellt, mit speziell besorgten Teilen und - viel wichtiger - mit Eurer langjährigen Mikroskopieerfahrung und auch handwerklichem Talent. Ihr wisst, was ihr wollt, was ihr benötigt und wie man es umsetzt.

Nochmal: Selbst einer der üblichen Mikroskophändler könnte Euch vermutlich nicht sofort ein solches Mikroskop, das all die oben erwähnten Anforderungen erfüllt, zusammenstellen. Wenn denn dem Fragesteller dieses Trumm von IM35 nicht ohnehin zu gewaltig ist, der sogenannte WAF dürfte eher gering sein  ;)

Wenn also jemand nach einem Mikroskop fragt und ihr ihm ein Gerät, wie Du, Jürgen, es besitzt  oder Du, Rolf, es besaßest, zu einem akzeptablen Preis komplett besorgt - gerne! (Ich würde es auch direkt nehmen, übrigens  ;)).

Ich gebe auch zu, dass mich viele Kommentare in einem umfangreichen Thread zu dem Thema, in dem einem gewissen "Ünver" damals als Erstmikroskop ein Inversmikroskop empfohlen wurde, mehr als befremdet - um nicht zu sagen verärgert - haben. Bei dem damaligen Fraugesteller scheint das Interesse an der Mikroskopie nach dieser kuriosen Diskussion ohnehin erloschen zu sein...verständlicherweise. Er hatte sich schon fast für ein Orthoplan entschieden und war nach dem Therad so verunsichert, dass er wohl gänzlich die Segel gestrichen hat... :-\

Übriegns wartet selbst bei mir noch ein IM35 auf eine Umrüstung auf "hochaperturig" und ggf. DIC, was nicht mal eben so gemacht ist.



Herzliche Grüße
Peter





Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

reblaus

Lieber Peter -

gerade als relativ erfahrener Inversmikroskopiker kann ich Dir da in keinem Punkt widersprechen!
Die dicken Inversmikroskope, die alles können, wiegen z.B. 15 kg, was mich bei fortschreitendem Alter zum Nachdenken gebracht hat - vor allem falls auch mal Platzmangel auftreten sollte.
Die kleinen aus den Gewebelabors lassen sich schlecht für starke Vergrößerungen ausbauen, was bei einem Standard o.ä. auch für Nichtbastler ohne weiteres möglich ist.

Ähnlich steht es ja mit den Phomis II/III, die weit unter Wert gehandelt werden, weil Anfänger schon von der Größe abgeschreckt werden, obwohl da viele Sachen schon dran sind, die bei Aufrüstung eines Standards dessen Kaufpreis glatt verdoppeln würden.

Viele Grüße

Rolf