Zieralgenfunde aus dem Taufach Fetzach Moos

Begonnen von ImperatorRex, September 30, 2022, 11:45:26 VORMITTAG

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ImperatorRex

Liebe Foristen,

während eines Kurzurlaubes hatte ich die Gelegenheit, ein Hochmoorgebiet zu besuchen und Wasserproben zu entnehmen. Die Wasserproben habe ich mit einem Eßlöffel aus verschiedenen Pfützen geschöpft. Vor Ort hatte ich leider keine Lupe oder Reisemikroskop dabei, insofern konnte ich die entnommenen Proben nicht vorher durchmustern.
Daher war ich sehr gespannt, ob ich denn auch tatsächlich Desmidiazeen in den entnommenen Proben vorfinden würde!
Zuhause habe ich dann das Fundortwasser zusammen mit Detritus aus dem Sammelgefäß in Petrischalen überführt und unter einem Stereomikroskop auf Desmidiazeen durchmustert. Es waren gar nicht so einfach, die Objekte meiner Begierde zwischen bzw. in den Detritusflocken aufzuspüren. Mit etwas Geduld habe ich welche gefunden und bin über meine Ausbeute sehr glücklich und zufrieden.
Manche der Desmidiazeen machen einem das Leben schwer und haften sehr hartnäckig an Detritusflocken. Hier wurde dann mit Präpariernadeln nachgeholfen, um den Detritus wegzuschieben bzw. wegzuzupfen. Die vom Detritus befreiten Zieralgen wurden anschließend mit einer Eppendorfpipette in einen sauberen Tropfen Fundortwasser auf einen Objektträger überführt.

Über Hinweise bzw. Korrekturen bzgl. der Bestimmung der Algen würde ich mich freuen!
Viel Spaß und liebe Grüße

Jochen

Fundort: Taufach – Fetzach – Moos, Beuren/württemberisches Allgäu (25.09.2022)
Aufnahme 1 - Informationstafel, Parkplatz Taufach Fetzach Moos.


Aufnahme 2 - Aufnahmen Taufach Fetzach Moos und Fundort.


Aufnahme 3 - Euastrum sp. Die letzte Aufnahme zeigt die Alge schon etwas deformiert aufgrund des Deckglasdruckes. Könnte es sich hier um Euastrum didelta handeln? => Vermutlich  Euastrum humerosum.


Aufnahme 4 - Netrium interruptum, erste Aufnahme mit Größenangaben, weitere Aufnahme mit Fokus auf die endständigen Vakuolen und den eingeschlossenen Kristallen.


Aufnahme 5 – Netrium interruptum, Aufnahme zeigt die dunkel-grünen Streifen des im Querschnitt sternförmigen Chloroplasten. Die Alge erscheint schon etwas deformiert aufgrund des Deckglasdruckes..


Aufnahme 6 - Micrasterias sp. (evtl. Micrasterias americana ?). Erste Aufnahme im HF, zweite Aufnahme mit DIK.


Aufnahme 7 - Tetmemorus sp. (T. granulatus)? Ich vermute, dass die Aufnahme die Seitenansicht der Alge zeigt, insofern sind die tiefen Einschnitte and den Enden nicht sichtbar?


Aufnahme 8 - Hyalotheca sp. (Hyalotheca mucosa). DIK Aufnahmen mit Fokus auf die Gallerthülle.

ImperatorRex

Lieber Adi,
vielen Dank für Deinen netten Kommentar, habe mich sehr darüber gefreut.

Gleich noch zwei weitere Funde aus der gleichen Probe:

Aufnahme 9: Micrasterias papillifera BREB.

Aufnahme 10: Micrasterias truncata

Viele Grüße
Jochen

Gerd Schmahl

Hallo Jochen,
da hat es sich doch gelohnt und wenn Du das nächste Mal eine einfache Lupe (10x reicht) dabei hast, kannst Du gleich schauen, ob es sich lohnt, den Löffelinhalt in ein Probengefäß zu schütten.

Die Zieralgen lassen sich aber auch nachträglich ganz gut anreichern, wenn sie in der Probe vorhanden sind. Dazu schüttet man die Probe in ein flaches Gefäß und stellt das einen Tag lang auf das Fensterbrett. Die beweglichen Algen kriechen mit ihrem Schleimantrieb an für sie günstige Plätze. Dort bilden sie dann oft grüne Flocken, die sich vom sonst eher braunen Detritus des Moors abheben. Ich gebe auch gerne 1..2 Torpfpflänzchen mit hinein. An den Spitzen ihrer Blätter versammeln sich die Zieralgen auch gerne, eigentlich auf allem, was irgendwie vorsteht und gut beleuchtet wird.

Meine Proben sammle ich aber am liebsten mit einem 500ml-Schöpfer (Kunststoffmessbecher) an einem 4m Teleskopstiel und die Probenmengen haben i.d.R. auch diese Größenordnung. Man muss dann aber auch vorher einschätzen, ob man sich das in dem jeweiligen Moor, die ja oft unter Schutz stehen erlauben darf. Gegen das Angebot ein paar Fotos von den Funden zu liefern, erteilen Naturschutzbehörden und Nationalparkverwaltungen aber oft auch eine Ausnahmegenehmigung. Die haben auch nicht immer einen Fachmann an der Hand, der ihnen die mikroskopische Artenvielfalt dokumentiert. Besonders, wenn man ein bestimmtes Biotop regelmäßig untersuchen möchte, ist es sinnvoll dieses Win-win-Geschäft anzubieten und wenn man die Art und Weise der Probenahme erklärt, sollten die meisten Verantwortlichen den Vorteil des Erkenntnisgewinns ins richtige Verhältnis zu den geringen Beeinträchtigungen setzten. Wichtig ist nur, dass man klar sagt, was man liefern kann und was nicht. Ich vereinbare i.d.R. nur eine Fotodokumentation, aber keine Bestimmung bis zur Art.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

ImperatorRex

Lieber Gerd,
vielen Dank für Deine Hinweise! Einschlag-Lupe hatte ich zuhause gelassen, ich hatte nicht damit gerechnet, ein Moor zu besuchen.

Bei dem Probensammeln war ich insofern etwas eingeschränkt, ich hatte nur ein 100ml PE Weithalsfläschchen und einen Eßlöffel zum Sammeln dabei. Diese Utensilien habe ich in der Regel immer in meiner Jackentasche mit dabei :-)
Viele Grüße
Jochen

Ole Riemann

Lieber Jochen,

vielen Dank für Deinen schönen Bericht inklusive Beschreibung des Lebensraumes und der Technik der Probenahme. Dank auch an Gerd für seine Ergänzung. Ich finde es sehr interessant zu erfahren, wo Ihr Zieralgen findet und wir Ihr dabei vorgeht.

Jochen, die Euastrum halte ich eher für E. humerosum, Micrasterias americana habe ich bisher nicht gefunden.

Schöne Grüße

Ole

ImperatorRex

Lieber Ole,
vielen Dank für Deine lobenden Worte und Deinen Hinweis zu Euastrum humerosum. Habe ich gleich in meinem Beitrag vermerkt.
Liebe Grüße
Jochen