Lamprospora tortulae-ruralis Benkert; ein Bryoparasit auf Syntrichia ruralis

Begonnen von A. Büschlen, April 30, 2023, 21:46:05 NACHMITTAGS

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A. Büschlen

Hallo,

Auf dem Dach von einem  Gartenschuppen fand ich in einem dichten Moospolster das mit vielen Laubmoosarten  durchwachsen ist, auf Syntrichia ruralis (Hedw.) F.Weber&D.Mohr den Bryoparasiten Lamprospora tortulae-ruralis Benkert. Die besonderen Merkmale der Gattung Lamprospora sind die  unterschiedliche Ornamentierung der Sporenoberfläche (D. Benkert hat dazu 1987 eine ausführliche Arbeit publiziert) und die Wirtsspezifität.
Die Sporen sind einreihig im Ascus angeordnet, sie sind rund und haben in der Regel einen grossen Oeltropfen. Die Oberfläche ist mit einem feinen unregelmässigen Netz überzogen, dieses Netz lässt sich mit Baumwollblau anfärben. Die Höhe der Ornamentation beträgt wohl ca. 0,5µm. Bei meiner Präparation zeigten sich die Sporen als sehr zart und Druckempfindlich.
Als Sporengrösse konnte ich bei 43 freiliegenden Sporen 15,4µm messen. Sporen gefärbt in Baumwollblau.

Bild 1: Standort Welleternitdach mit alten dichten Moosrasen.
Bild 2: Die Fruchtkörper liegen tief im Polster in Gruppen oder einzeln. Die Fruchtkörper sind feucht, der Balken beträgt 2mm.
Bild 3: links Hymenium im DIC; rechts Ascus und Paraphysen im Phasenkontrast.
Bild 4: Eine Bildtafel zur Sporenornametierung. Der Balken beträgt 20µm und gilt nur für die Gruppe in der Mitte. Rechts unten eine optische Ausschnittvergösserung und rechts oben eine DIC Aufnahme.
Bild 5: Ascus li im Durchlicht Hellfeld; in der Mitte mit Baumwollblau gefärbt in 2 Fokusebenen; rechts im DIC ebenfalls in 2 Fokusebenen. Der Balken gilt für alle mit 20µm. Eindeckmedium Wasser.

Arnold Büschlen

Literatur:

https://www.swissbryophytes.ch/index.php/de/verbreitung?taxon_id=nism-4241

D. Benkert zur Gattung Lamprospora : https://www.zobodat.at/pdf/Z-Mykologie_53_1987_0195-0271.pdf

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Jürgen Boschert

Lieber Arnold,

Toller Beitrag, die Aufnahmen sind der Wahnsinn! Danke fürs Zeigen.
Beste Grüße !

JB

Peter Reil

Hallo Arnold,

schöner Beitrag!
Mir bleiben diese winzigen Ascomyceten meist verborgen - obwohl ich schon oft danach gesucht habe.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Peter V.

Hallo,

als absoluter Flechten- und Moose-Dödel finden lösen F.u.M.-Beiträge normalerweise bei mir keine übermäßige Begeisterung aus! Aber diese Bilder sind wirklich begeisternd! (Wie auch schon die vielen schönen Bilder in Deinem Vortrag in Bexbach).

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Heiko


SNoK / Stephan Krall

Lieber Arnold,

interessanter Beitrag gute Bilder. Kam Dein Leica DMR hier schon zum Einsatz?

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

Ole Riemann

Lieber Arnold, ich bin wie jedes Mal begeistert, dieses Mal besonders von der Netzzeichnung der Sporen und der schönen Gegenüberstellung mikroskopischer Verfahren.

Danke und viele Grüße

Ole


anne

Lieber Arnold,
auch von mir meine tiefste Bewunderung für Deine Arbeit. Eine Nische die nicht so viel Beachtung findet wird von Dir meisterhaft in Szene gesetzt.
lg
anne

jcs

Hallo Arnold,

faszinierende Aufnahmen! Sehr spannend, welche Geheimnisse Ökosysteme immer noch zu bieten haben, für all jene, die sehr genau hinschauen können.

LG
Jürgen

reblaus

Hallo Arnold -

nachdem ich selbst einst zwei Jahre lang Asci und Sporen sortiert habe, kann ich nur sagen: Bewundernswert! Die Geduld für eine solche Justage hätte ich nicht gehabt. Nimmt man heutzutage immer noch eine zugeschliffene Schreibfeder  ;D ?

Viele Grüße

Rolf

A. Büschlen

Hallo,

diese "Kleinen" haben es eben in sich und eure Begeisterung freut mich sehr! Besten Dank.-

@ Rolf: zum Glück gibt es heute den Photoshop! Deine angeschliffene Schreibfeder  würde mich schon noch interessieren. Hast du dazu ein Bild?

@ Jürgen: Diese Ökosysteme sind sehr vielfältig und ein schier unendlicher Fundus mit Wirbellosen, Laub- und Lebermoose, Pilze, Flechten, Algen etc.

@ Stefan: Ja, das Leica DMRXA mit dem DMRD hat es schon in sich! Die Bilder sind an diesem Mik gemacht. Ich bin dran, mir Routine zu erarbeiten. Besondere Freude bereitet mir der Phasenkontrast und das Variozoom von 0,9x - 2,5x. Der DIC braucht noch Zeit und ist mit 3 Einstellungsmöglichkeiten für mich gewöhnungsbedürftig.

Viele Grüsse

Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

reblaus

Hallo Arnold -

von der Schreibfeder existiert kein Mikrofoto - ist schon 64 Jahre her. Man hat von einer Schreibfeder unten eine Längshälfte abgebrochen und die restliche Spitze angeschliffen. Unter dem Mikroskop wirkte das  trotzdem immer so als wolle man mit dem angespitzten Ende eines hölzernen Tomatenpfahls Erbsen sortieren.
     Deshalb war das anfängliche Bestreben eines jeden Neulings, die Feder durch kunstvolles Schleifen spitzer zu kriegen. Nutzte aber nichts weil durch das regelmäßige Abflämmen die Spitze schnell oxidierte und wieder stumpfer wurde.

Weiterhin viel Erfolg mit moderneren Materialien und Methoden

Rolf

A. Büschlen

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.