Filmtipp: Fa. Leitz in finsteren Zeiten

Begonnen von purkinje, Mai 29, 2023, 08:57:38 VORMITTAG

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SNoK / Stephan Krall

Lieber Michael,

danke für die Erläuterungen. Ich habe den Artikel der Deutschen Welle gelesen, aber natürlich selbst dazu keine Forschung gemacht und kann nicht beurteilen, wer was gewusst oder nicht gewusst hat. Ich gehöre zu der Generation, die mit dem Schweigen der Eltern groß geworden ist, und den vielen Menschen, die von nichts gewusst haben. Das hat mich zu einem vorsichtigen und skeptischen Menschen gemacht.

Viele Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

Silber_und_Licht

Zitat von: Apochromat in Juni 07, 2023, 18:57:44 NACHMITTAGS

Es war erst Ernst Abbe, der bei ZEISS als erster Unternehmer überhaupt und damit in Deutschland neben der ersten Arbeiterkrankenkasse (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) den 8- Stunden- Tag und eine Pensionskasse einführte. Andere Unternehmer (z.B. Rudolf Winkel oder Ernst Leitz) taten dies zögerlich und erst viel später, nach seinem Vorbild. Abbe ging es dabei nicht um Wohltaten, sondern um verbriefte Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der optischen Werkstätten Carl Zeiss, Jena.


Lieber Michael,

Deine Kenntnis auch der Sozial-Engagements des ZEISS-Konzerns ehrt Dich. Es sei mir jedoch eine kleine Korrektur erlaubt: Bei Zeiss wurde - soweit man den Niederschriften Glauben schenken darf - der Achtstunden-Arbeitstag 1900 eingeführt. Da war dieser für die Arbeiter der DEGUSSA bereits seit 1884 festgeschrieben. Auch Otto Lilienthal führte in seinem Betrieb - übrigens sehr zum Missfallen seiner Konkurrenz - den Achtstundentag ein. Da er 1896 starb, sollte er dies bereits vorher erledigt haben.

Ein Jahr ist eine lange Zeit, das stimmt schon, aber ob man nun die Einführung des Achtstundentages 1906 bei LEITZ wirklich als "viel" später bezeichnen kann? Zu diesem Zeitpunkt waren betriebliche Krankheits- Invaliden- und Waisenkassen bei LEITZ ebenfalls seit einiger Zeit bereits fester Bestandteil des Arbeitsverhältnisses. Dies soll natürlich die ZEISS´schen Errungenschaften und den Einsatz Ernst Abbes für seine Angestellten in keiner Weise schmälern, aber es zeigt doch, dass er - Gottseidank - nicht der einzige Unternehmer mit Weitblick und Herz für seine Arbeiter und Angestellten im Deutschland der vorherigen Jahrhundertwende war.

Freundliche Grüße nach Göttingen

Wolfgang
"Du" fänd' ich ganz in Ordnung.

das Schönste: ZEISS Lumipan
das Liebste: LEITZ Panphot II, Ortholux
das Beste: ZEISS Axiomat

eine etwas umständliche Vorstellung: www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28652.0

Apochromat

#17
Lieber Wolfgang,

das wusste ich nicht. Interessant, dass dies schon früher passiert ist. Vielleicht ist aber der wesentliche Unterschied darin zu sehen, dass es sich bei den Abbe´sche Errungenschaften um in einem Statut, das gleichzeitig ab 1896 Unternehmensverfassung war, festgeschriebene RECHTE der Arbeitnehmer handelte und nicht um Wohltaten oder Betriebsvereinbarungen, die man dann bei Bedarf auch wieder hätte rückgängig machen können. Das Stiftungsstatut von Ernst Abbe (1889) in dem auch die Rechte der Arbeiterschaft der optischen Werkstätten Carl Zeiss, Jena genau geregelt waren, ist einer der wesentlichen Beiträge zur deutschen Sozialgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts.

Dass es bei E. LEITZ auch ähnliche Dinge gab, die etwas später als bei ZEISS eingeführt wurden, ist in dem wie ich finde sehr guten Buch über Max Berek schön beschrieben, das der Knut Kühn-Leitz herausgegeben hatte.

Mir ging es um diese Sätze: "Carl Zeiss war ein harter Hund, auch was die Arbeitszeit in seinem Unternehmen anging. Ernst Abbe war das Gegenteil und führte wie bei Leitz den Achtstundentag und auch andere soziale Dienste ein. In der Nazi-Zeit bekleckerte sich die Carl-Zeiss-Stiftung nicht mit Ruhm und sponserte Rassenforschung, und die Firma Zeiss, im Besitz der Stiftung, hatte Tausende von Zwangsarbeiter/innen.", der wie ich empfinde, sachlich und zeitlich so nicht ganz dem entspricht, wie ich es etwas differenzierter schreiben würde. Aber das war ja schon einvernehmlich geklärt worden.

LG
Michael

Nachtrag: Den damaligen Unternehmern (auch Ernst Abbe) wurde rasch klar, dass der 8-Stunden-Tag die Arbeitsproduktivität deutlich steigerte.

Aljoscha

Hallo,

dazu ist zu sagen, dass diese betrieblichen Krankenkassen später kamen als die gesetzliche Krankenversicherung, die im Reich 1883, in Bayern schon 1869 eingeführt wurde. Seit 1890 gibt es in Deutschland die gesetzliche Rentenversicherung.

Viele Grüße

Alexander