Heimisches Diatomit ausfindig machen

Begonnen von Michael K., Juli 15, 2023, 18:25:37 NACHMITTAGS

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Michael K.

Hallo zusammen,

Kann man in lockeren hell lehmfarbigen Waldbodenschichten; Wegesrand Ufer;  Diatomeen finden? Es ist eigentlich Schieferboden. Ab und zu findet man im Schiefer Abdrücke von kleinen Schneckenhäusern oder auch Pflanzen. Ich habe den Lehmboden noch nicht getestet. Ich habe erst heute die Schicht gesehen. Hatte leider kein Behältniss bei, wo ich was hätte hinein tun können.

Worauf sollte man achten, wenn man fossile Bodenschichten ausfindig machen will?


Gruss
Michael

JaRo

Hallo Michael,
fossile Vorkommen von Diatomit gibt es in Deutschland meines Wissens nach nur sehr wenige. Klieken und die südliche Lüneburger Heide bei Unterlüß fallen mir da ein. Ansonsten halt noch rezente Vorkommen im Meerwasser an den Küsten und Süßwasser-Diatomeen in jedem See/Fluss. Einfach so im Wald wirst du mit Diatomeenmaterial eher kein Glück haben, aber auch andere Dinge wie verschiedene Sände sind ja durchaus interessant unter dem Mikroskop...
Viele Grüße
Jan

beamish

#2
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Bob

Hallo Michael,die meisten Vorkommen gab es in der Lüneburger Heide, der letzte Abbau dürfte ca. 1980 gewesen sein, ofz aus tieferen Gruben, die schnell volliefen als die Pumpen abgebaut wurden. In Unterlüss war die Prüfstelle, dort müsste viel Wissen versammelt gewesen sein. Anzusprechen für Informationen lohnen sich Leute ab 60 bis 65, man bekommt zumindest interessante Geschichten zu hören. Ich hatte in Breloh jemanden auf der Straße gefragt, der hatte selber bei einer Diatomitfirma gearbeitet die dort abgebaut haben, wo heute der lange See am Bahnhof ist.
Viele Grüße,Bob

Michael K.

Hallo zusammen,


Danke für Eure  Infos.  Also ist eher unwahrscheinlich das ich hier im Sauerland scharf abgrenzenden Bodenschichten entsprechendes Material finde.
Obwohl es vor Urzeiten wahrscheinlich mal ein Meer war.
Ich werde dennoch mal etwas davon mit nehmen und mir anschauen.


Gruss
Michael

Hugo Halfmann

Hallo Michael,
die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt und keine Antwort gefunden.
Ob nun Sauerland, Paffrather Mulde oder die Massenkalkzüge bei Wuppertal, das alles war mal Meer und da muss es doch auch Kieselalgen gegeben haben. Wie findet man die? Natürlich nicht im harten Dolomitkalk, sondern in den immer wieder auffindbaren Mergeln, die z.b auch viele Stromatoporen enthalten.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Dünnschliffbohrer

#6
ZitatOb nun Sauerland, Paffrather Mulde oder die Massenkalkzüge bei Wuppertal, das alles war mal Meer und da muss es doch auch Kieselalgen gegeben haben. Wie findet man die? Natürlich nicht im harten Dolomitkalk, sondern in den immer wieder auffindbaren Mergeln, die z.b auch viele Stromatoporen enthalten.

Hallo Hugo und Mitlesende,
dass man darin keine Diatomeen findet, ist wenig verwunderlich. Meines Wissens gibt es die erst seit der Kreide (ist nicht mein Spezialgebiet, deswegen müsste ich zur Sicherheit gegebenenfalls noch einmal nachlesen). Aufgrund des Skelettes sollten ja eigentlich ganz gut fossil erhaltungsfähig sein, sodass die Angaben zuverlässig sein sollten. Warum so ein primitiver Organismus erst so spät in die Erdgeschichte auftaucht, ist mir aber immer ein Rätsel geblieben. Ob die erst so spät gelernt haben, ein Kieselskelett abzuscheiden? Ich glaube jedenfalls dass wir dieses Thema irgendwann schon mal hier im Forum hatten.
Tatsache ist jedenfalls dass die meisten mitteleuropäischen Vorkommen aus dem Tertiär und dem Quartär stammen. In das Tertiär gehört zum Beispiel die Kieselgur von Beuern bei Gießen, oder der Polierschiefer von Kassel-Wilhelmshöhe, der unter dem Park in kleinen Vorkommen wohl ansteht, aber meines Wissens nicht aufgeschlossen ist.
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]