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MGF Berlin

Begonnen von Gerd Schmahl, April 11, 2024, 21:38:45 NACHMITTAGS

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Gerd Schmahl

Hallo,
ich suche Informationen zu den Mikroskopen von MGF Berlin. Bisher habe ich lediglich herausfinden können, dass "MGF" für "Medizin-Geräte-Fabrik" steht. Hintergrund:Ich habe 3 Hufeisen-Stative dieser Firma sehr preiswert erstanden, die zu zwei unterschiedlichen Typen gehören: Ein kleines Stativ ohne Feintrieb und zwei große mit. Alle 3 haben je 2 Objektive: je ein 10/0,30 und ein 45/0,65 und sind schwarz lackiert. Ich denke sie stammen aus den 50er oder 60er Jahren. Morgen stelle ich noch ein paar Fotos ein, aber vielleicht hat ja jemand Informationen zu der Firma. Mich interessiert vor allem, in welchem Zeitraum sie aktiv war.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Gerd Schmahl

#1
Hallo,
hier noch ein paar Fotos von den beiden Mikroskopen. Zunächst nur ein Foto des kleinen Stativs ohne Feintrieb:
MGF-Berlin-Klein-rechts.JPG

Etwas eingehender möchte ich das größere Stativ vorstellen:
MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-rechts-800.JPG

Beide Stative lassen sich um 90 Grad kippen:MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-links-liegend-800.JPG

Die Objektive sind recht schlichte Achromate, die neben dem Logo, der Vergrößerung und n.A. noch eine Herstellernummer tragen, aber keine Angaben zur Tubuslänge. Diese beträgt (mit Lineal gemessen) 160mm:
MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-Objektive-800.JPG

Die Okulare sind genauso schlicht. Hier ein 15x:
MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-Okular-800.JPG

Ein ebenso schlichter zweilinsiger Kondensor mit Irisblende und ein Spiegel mit einer gewölbten und einer planen Seite bilden den Beleuchtungsapparat:
MGF-Berlin-Klein-Kondensor.JPG

Untergebracht ist das alles in einem genauso schlichten aber zweckmäßigen Holzkasten mit je einem Schieber für weitere Okulare und Objektive, die leider beide leer sind. Ein von oben in eine Nut zu schiebendes Brett verschließt den Kasten:
MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-lKasten-offen.JPG

Bei den beiden Stativen, die über einen Feintrieb verfügen, war dieser fest. Das lag vor allem an der verharzten Schwalbenschwanzführung. Interessant finde ich den Mechanismus: die Achse des Feintriebes besitzt eine Gewindespindel mit der ein Zahnrad angetrieben wird, auf dem ein Exzenter montiert ist. Eine kleine Rolle am Gegenstück liegt auf diesem auf und überträgt die Bewegung des Exzenters auf den Triebkasten, der den Grobtrieb und den Tubus trägt. So hat man hier einen "unendlichen" Feintrieb realisiert, die nie an einen Anschlag kommt, aber trotzdem nur in dem ca. 2mm umfassenden Bereich den Triebkasten auf und ab bewegt. Egal in welcher Richtung man dreht, irgendwann kehrt sich die Bewegung wieder um. Hier der Feintrieb mit Exzenter:
01Exenter-800.JPG

Und hier der Triebkasten mit der kleinen Rolle und der starken Feder, die den nötigen Gegendruck erzeugt, um beides aufeinander zu halten:
02Auflagerolle-800.JPG
Zu guter Letzt noch die Feintriebmarken und das Logo:
MGF-Berlin-Großes Kursmikroskop-Feintriebmarken.JPG

Wer die Bilder genau vergleicht wird erkennen, dass es einen Feintriebknopf aus blanken Metall gibt und einen aus schwarzem Kunststoff. Die beiden großen Stative sind nicht vollkommen identisch in diesem Punkt.
LG Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

beamish

Hallo Gerd,

diese Mikroskope sieht man öfters mal auf Auktionsplattformen. Das hier könnte für dich interessant sein:
https://www.quartier89.de/geschichte/
Daraus geht hervor, daß die Medizinische Gerätefabrik erst in den 90er Jahren in Konkurs ging.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Jürgen Boschert

Hallo Gerd,

denselben Feintriebmechanismus findet man in den Hertel & Reuss Hufeisenstativen.
Beste Grüße !

JB

Gerd Schmahl

Hallo Martin und Jürgen,
ich danke Euch für die interessanten Ergänzungen.
Auch wenn MGF noch bis in die 90er existiert hat, Mikroskope scheinen sie nur bis in die 50er und 60er gebaut zu haben. Jedenfalls habe ich noch nie etwas anderes als Hufeisenstative von denen gesehen. Wahrscheinlich haben ROW und Zeiss-Jena diese Aufgabe später zugeteilt bekommen. In der DDR wurde ja oft sehr strickt geregelt, wer was macht. Konkurrenz im eigenen kleinen Land war nicht erwünscht, vielmehr die staatlich regulierte ökonomische Verwendung knapper Ressourcen.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

spectator

Hallo Gerd,

MGF stellte auch Klons der Lg-Mikroskope (mit fest angebautem O-Revolver) von CZJ her (die Original CZJ-Miks waren auch im Ausland absetzbar) und war der einzige mir bekannte Hersteller von (Schwenk-)Mikrotomen in der DDR. Die Pathologen in den DDR-Kliniken waren so nicht auf West-Importe angewiesen.

Zur Historie: Ich bin mir nicht sicher: Noch in der Anfangszeit der DDR produzierte die Firma Paul Waechter Potsdamihre Fleischbeschauer-Mikroskope in Potsdam. Diese Mikroskope ähnelten sehr den von Dir vorgestellten Typen.
Es könnte sein,daß der Produktionsstandort von Potsdam nach Berlin  in den Neubau verlegt wurde, und der Name aufgegeben wurde..
(Die Marke "Paul Waechter" wurde von den Gebrüdern Pridat erworben, die vor dem Krieg ebenfalls in Potsdam produzierten, und die dann unter dem Namen P.Waechter in Wetzlar ähnliche einfache Mikroskope vertrieben. Ob sie diese auch selbst herstellten oder von Dritten herstellen ließen, ist mir nicht bekannt.)
Insgesamt habe ich auch nur wenige Informationen über MGF gefunden, es scheint so, daß diese Firma wohl wirklich nur innerhalb des Gesundheitswesens tätig und bekannt war.

Viele Grüße

Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!

Egbert Lange

Hallo,

im Juli 1971 konnte ich im HO Industriewaren An- und Verkauf in Warnemünde ein Ärztemikroskop kaufen. Es war von MGF Berlin und kostete gebraucht stolze 600 Mark.


Auf der Suche nach evtl. Zubehör schrieb ich dann an den Hersteller. Ich erhielt dann auch eine Antwort von einem Direktor für Außenhandel des Volkseigenen Kombinats Medizin- und Labortechnik  (MLW), daß Mikroskope nur noch im Kombinat Carl-Zeiss Jena hergestellt werden und es Mikrotome nur noch als SU-Importe gibt.

Zum Glück passten dann CZJ-Teile wie Kondensoren und auch eine MF-Fotoeinrichtung konnte angepasst werden (die Ringschwalbe am Tubus ist etwas kleiner als die von CZJ). Das Mikroskop hat den Vorteil, daß Grob- und Feintrieb nur auf den Objekttisch wirken und der Aufbau auch mit schwerer Fotoeinrichtung stabil bleibt. Es blieb dann zu DDR-Zeiten mein einziges privates "großes" Mikroskop, da CZJ für mich nicht bezahlbar war.

Beste Grüße,

Egbert




Gerd Schmahl

Hallo,
danke für die Ergänzungen. Derartige Mikroskope, die an Lg-Stative erinnern, habe ich bisher noch nicht gesehen.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Egbert Lange

Hallo,

übrigens interessierte sich die CIA auch für Verkaufsangebote von Mikroskopen aus der DDR:

https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP83-00423R002000160006-6.pdf

Auf Seite 3 sind die Mikroskope von MGF. Ich vermute, das Angebot stammt von 1955.

MfG E.