Radiolarienpräparat im polarisierten Licht

Begonnen von anne, Januar 23, 2026, 18:00:49 NACHMITTAGS

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anne

Hallo zusammen,
bei einem japanischen Freund habe ich Bilder dieser Art gesehen und habe versucht es nachzustellen.
Daher hier ein Radiolarienpräparat mit dem 4er Objektiv, Hellfeld, Pol, Pol + Verzögerer.
Wie der schöne Schweif/Farbeffekt wohl entsteht?
lG
Anne

4-HFni.jpg

4-pol1ni.jpg

4-pol2.jpg

4-pol3.jpg



Jürgen Boschert

Hallo Anne,

am ehesten wohl durch Spannungsdoppelbrechnug am Kleber und/oder Eindeckmittel.

Schöne Aufnahmen übrigens.
Beste Grüße !

JB

Peter T.

Liebe Grüße
Peter

Thomas Böder

Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

Gerd Schmahl

Hallo Anne,
es fällt auf, dass die einfachen flachen Formen fast keine Doppelbrechung erzeugen, während sie bei hohlen Formen recht stark ist. Ich weiß ja nicht, wie das Präparat hergestellt wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um ein lösungsmittelbasiertes Eindeckmittel handelt, bei dem zunächst die Radiolarien mit dem Lösungsmittel beträufelt wurden und dann das Eindeckmittel aufgebracht wurde. Dann könnte es Dichteunterschiede geben, die auf der mehr oder weniger starken Verdünnung des Eindeckmittel beruhen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die dickeren hohlen Formen sowohl am DG als auch auf dem OT anliegen, während die flacheren nur an einem Glas anliegen. Bei der Schrumpfung des Mediums entstehen dann Spannungen, weil das Deckglas dermaßen angepresst wird, dass es zuweilen sogar eine unebene Oberfläche zeigt. Ja, ich halte die Spannungsdoppelbrechung, wie Jürgen sie schon ins Spiel gebracht hat, für die wahrscheinlichste Erklärung.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Siegfried

#5
Hallo Anne,
zu deiner speziellen Frage kann ich nichts neues beitragen zu dem was schon Jürgen und Gerd geschrieben haben. Auf alle Fälle ein sehr schönes Radiolarienpräparat.  Habe mich ja jetzt auch bei Michael angemeldet wegen dem Micromanipulator. Demnächst mal wieder meine gereinigten Diatomeen Proben und die von dir (danke) auslesen. Deine Bilder in Pol usw. sind ja sehr beeindruckend und entfalten einen Rausch und ein Verlangen  nach Mehr. Du zeigst wie immer, erstklassige und ästhetisch hochwertige Aufnahmen.
  lg von Sigi

Michael K.

Hallo anne,


Das sind Bilder von Radiolarien, die ich so noch nicht gesehen habe. Ich nehme auch an das es mit
den Dichteunterschiede zu tun hat.

LG
Michael

Nordlicht

Hallo Anne,

da ich ganz begeistert von Deinen Bildern bin dachte ich mir das auch einmal zu probieren.
Ich hab es mit einem Streupräparat von mir probiert (eingedeckt in Euparal) -
Ergebnis war ein schwarzes Bild (Pol und Pol+Lambda).
Dann ein Streupräparat von Ralf Nötzel - gleiches Ergebnis.
Dann ein gelegtes Präparat - Siehe da, Sie leuchten in tollen farben.

Ich schließe mich Jürgen und den anderen an das es die Dichteunterschiede sind.

LG  Matthias

anne

Danke Euch allen für die Antworten. Dadurch kommt man auf die Lösung:

Da es nur bei Legepräparaten vorkommt, gehe ich davon aus, es ist die spannungsinduzierte Doppelbrechung von Gelatine die als Klebegrund verwendet wird.

"Spannungsinduzierte Doppelbrechung in Gelatine ist ein photoelastischer Effekt, bei dem mechanische Belastungen (Zug, Druck) die isotrope Gelatinestruktur anisotrop machen, wodurch sie polarisiertes Licht doppelbrechend beeinflusst."

lG
anne

purkinje

#9
Hallo,
der Klebegrund als Ursache der Spannungsdoppelbrechung ist auch ein interessanter, aber sicher nicht immer erwünschter Effekt, hier natürlich ganz reizvoll.
Beste Grüße Stefan

Gerald

Liebe Anne,

ein ästhetischer Traum - wundervoll. Vielen Dank für´s Zeigen.

Viele Grüße

Gerald