Ältere aber interssante Abhandlung zur Herstellung von Dauerpräparaten

Begonnen von Michael K., Februar 02, 2025, 17:31:37 NACHMITTAGS

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Michael K.

Hallo zusammen

Im folgendem Link ist eine digitale Kopie einer Abhandlung zur Herstellung von biologischen
Dauerpräparaten.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c8/Leitfaden_zur_Anfertigung_mikroskopischer_Dauerpr%C3%A4parate_%28IA_b21926165%29.pdf


Vielleicht für viele ein alter Hut, für mich jedenfalls sehr interessant.


Gruss
Michael

Michael K.

Hallo,

Ich habe eine Frage zu einem Rezept welches in der Abhandlung beschrieben wurde.
Es handelt sich hierbei um die "Pacinische Mischung". ( Seite 106 )
Die besteht aus
 1 Teil Sublimat
 2 Teile Natriumchlorid (normales Salz)
13 Teile Glyzerin
113 Teile dest. Wasser

Da "Sublimat" anscheinend eine Quecksilberverbindung ist, wollte ich wissen was man stattdessen
nehmen kann.

Im nächsten Kapitel (VI Herstellung von Präparaten der mikroskopischen Wasserbewohner) wird eine Möglichkeit beschrieben wie man Wasserorganismen präpariert, wie diese im lebendem Zustand waren. Da es ja anscheinend gute alte Präparate gibt, denke ich mal das diese nach der Methode angefertigt wurden. Heute wird fast immer die Alkohol Reihe angewendet danach wird Harz zugegeben. Dabei verformen
sich die Organismen oft.
Wäre die oben beschriebene Methode (in der Abhandlung) eine Möglichkeit für Tümpler um Details der Organismen genauer an zu schauen ohne gleich ein Blitz zu benutzen?


Gruss
Michael



K. B.

Hallo Michael,

das Sublimat wird soweit ich weiß genommen weil es das Färbeverhalten unterstützt und Proteine stark Denaturiert.
Teilweise wird statdessen Zinkchlorid/-sulfat bzw. Kalziumchlorid eingesetzt.

https://www.leicabiosystems.com/de-de/knowledge-pathway/fixation-and-fixatives-4-popular-fixative-solutions/

Gegen Verformung hilft es teilweise quervernetzende Fixative wie Glyoxal, Pikrinsäure oder Glutardialdehyd zu nehmen.

Um Verformung bei der Entwässerung zu verhindern würde ich entweder vorsichtiger Entwässern oder in ein wässriges Medium Eindecken.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Werner

#3
Verdünntes Glycerin ist des Schimmels Leibspeise.

1 Teil Sublimat        = Quecksilber-II-chlorid  HgCl2  (giftig)
2 Teile Natriumchlorid (normales Salz)

Als MISCHUNG bildet sich das auch wasserlösliche Komplexsalz Na2[HgCl4], das aber ungiftig ist (!), weil der [HgCl4]-Komplex äußerst stabil ist und nur zu einem ganz kleinem Teil in Ionen gespalten wird.
Diese geringe Dissoziation reicht aber aus, um fungizid zu wirken. So bekommt man sogar schwarzen Schimmel aus Badezimmer-Decken-Ecken (Rigips). Beim Zusammenmischen sollte man einen kleinen Überschuß an NaCl vorsehen, damit keine Quecksilber-Ionen übrigbleiben.

(Steht in alten Chemiebüchern, in neuen nicht mehr)

Gruß - Werner

P.S. Weil kein Quecksilber-II-Chlorid in der Mixtur mehr vorliegt, denaturiert das auch keine Proteine mehr. (oder vielleicht doch gerade noch, weil es fungizid wirkt)

Peter_le

Hallo Werner,

ist der Quecksilber-Penthydrat Komplex denn unter allen Bedingungen ungiftig? Da habe ich Zweifel. Z.b. wenn Natriumthiosulfat da noch rumschwimmt.

Nichts für ungut  ;)
Peter

Michael K.

Hallo zusammen,


Danke für eure Antworten. Ich finde diese alte Abhandlung trotz modener Methoden interessant.
Dort ist die Rede von Lackzellen. Habe ich vorher noch nie etwas von gelesen oder gehört. Die damit hergestellen Präparate und der Pacini Mischung, allerdings ohne Quecksilberverbindung zeigen das sauberste Bild. Es sind ungefärbte Spermatozoen. Das Thema mag vielleicht etwas heikel sein.
Ich habe auch eine fertige Präparatesammlung wo auch ein solches Präparat drunter ist.
Ich weis nicht was dort als Medium genommen wurde. Es zeigt eine kleinkörnige, mehlige Struktur im Schieflicht.
Ich habe mehrere Präparate mit verschiedenen Medien angefertigt. Auch eines mit Glyzerin Gelatine. Dort zeigt sich ebenfalls diese körnige Struktur. Gefällt mir gar nicht.
Entellan, noch vorhandenes Canadabalsam und Euparal habe ich ebenfalls verwendet. Alle Medien wurden
bei getrocknetem "Objekten" angewendet. Auch kein zufriedenstellendes Ergebnis.
Bei der Pacini Mischung sehen die Spermatozoen völlig normal aus, so wie ich mir ein solches Präparat
vorstelle. Ich bin schon soweit gegangen und habe mir ein solches Präparat bei der Firma "Lieder"
bestellt, um eine Referenz zu haben. Ich habe zwar schon ein Präparat von denen allerdings mit
Diatomeen. Das ist aber alles andere als brauchbar. Bei biologischen Schnitten etc. scheinen die
wohl besser zu sein.
Ob und wann die Präparate mit der Pacini unbrauchbar werden, wird man sehen.
Von der Methode wasserhaltige Objekte mit wasserhaltigem Kleber "Elmers Glue" hab ich schon gehört und auch gesehen. Habe es aber vergessen ein Präparat mit dem Medium an zu fertigen.
Ich war halt auf der Suche nach passendem Einschlussmedien und bin im Netz auf die Abhandlung gestossen. Soviel erst einmal zur Erklärung.


Gruss
Michael




K. B.

Hallo Michael,

bei wässrigen Eindeckmitteln habe ich gute Erfahrung mit gepuffertem Polyvinylalkohol (siehe Mowiol von Carl Roth) gemacht, ich nehme aber TAPS-Puffer und etwas Phenol oder Thymol zum haltbarmachen.

Mit PVP habe ich auch Tests gemacht, das hat die Proben aber bei Kontakt stark deformiert und war auch sonst dem PVA stark unterlegen.

Viele Grüße
Kay
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Michael K.

Hallo Kay,

Danke für die Infos. Du schriebest PVA. Es dürfte das selbe sein wie "Elmers Glue" oder den klaren
Pritt Kleber den ich habe. Da es wasserhaltig ist befürchte ich das es beim trocknen Hungerbäumchen
entstehen. Oder ich muss eine Lackzelle erstellen Objekt hinein DG drauf und sofort ein Lackring
herum ziehen um ein Austrocknen zu unterbinden.

Falls gewünscht kann ich ja mal ein Bild zusammenstellen mit den verschiedenen Medien. Was biologische
Einschlussmedien / Techniken angeht bin ich unerfahren.


Gruss
Michael

K. B.

Hallo Michael,

der Kleber müsste Polyvinylacetate sein, das auch PVA genannt wird und von der Zusammensetzung her warscheinlich eher wenig geeignet ist.
In der Rezeptur (bei den Datenblättern von Mowiol bei Carl Roth zu finden) mit dem Polyvinylalkohol ist etwas Glycerin enthalten, das brüchigwerden verhindert und mit Hungerbäumchen/ -blasen hatte ich bis jetzt keine Probleme selbst nach einigen Wochen ohne Lackrand.
Es macht aber Sinn nach einigen Tagen trocknen einen Rand drum zu machen.

Viele Grüße
Kay
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Michael K.

Hallo,

Da ja bekanntlich Bilder mehr sagen als tausend Worte, stelle ich einfach mal ein Vergleichsbild der verschiedenen Medien die ich benutzt habe, ein. Alle Präparate sind ungefärbt, wurden getrocknet und dann erst mit dem Medium versehen. Alle Aufnahmen sind mit ringförmiger Beleuchtung, zwecks räumlicher Darstellung und dem 40 Objektiv gemacht worden.
Warum Euparal, Entellan und Glyceringelatine diese körnige Struktur aufweisen, kann ich nicht sagen.
Im Hellfeld ist diese nicht zu sehen.
Evtl. sind die unbrauchbar geworden. Das kommerzielle stammt aus einem Präparatekasten mit 100 verschiedenen Präparaten unterschiedlicher Art. Es ist nicht von Lieder!.
Das sauberste Bild habe ich mit der Pacini-Mischung, es besteht ja aus Glyzerin, Wasser und normales Salz. Es ist quasi eine natürliche Umgebung.
Warum ich unzufrieden mit den anderem Medien bin, könnt ich ja selbst beurteilen.


Gruss
Michael