Mein erster Moos-Versuch (Bryum capillare?)

Begonnen von Peter T., Februar 14, 2025, 20:08:38 NACHMITTAGS

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Peter T.

Um mich der faszinierenden Welt der Moose anzunähern, habe ich Moos aus einem Blumenkasten vom Balkon geerntet und fotografiert. Das ist alles ziemlich klein und fitzelig.  :o

Ich habe versucht, das Moos zu bestimmen, was sehr schwierig bis unmöglich war. Ich habe ja von einigen hier schon sehr gute Empfehlungen für Bestimmungsliteratur erhalten, aber noch kaum etwas zu Hause.

Die App ObsIdentify hat mir das Moos als "Haarblättriges Birnmoos" (Bryum capillare) bestimmt - mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 %. Tja ...

Hier mal ein paar makroskopische Bilder

Das Moos in seiner "natürlichen" Umgebung im Blumenkasten

Bc 2.jpg

Die Moospflanze mit Seta und Sporangium

Bc 1.jpg

Gametophyt mit Rhizoiden ("Wurzeln"), Cauloid ("Stängel") und Phylloid ("Blättchen")

Bc 10.jpg


Falls jemand anhand der Bilder etwas zur Bestimmung beitragen kann, würde ich mich sehr freuen.

In Teil 2 gehts weiter mit den Mikro-Bildern.
Liebe Grüße
Peter

Peter T.

#1
Jetzt zu den mikroskopischen Aufnahmen.

Das Präparieren war wirklich diffizil. Am einfachsten ist es noch, das Blättchen in Gänze zu mikroskopieren. Meine Versuche, einen Querschnitt zu bekommen, waren allesamt vergeblich. Ich habe versucht, ein Blättchen und die Seta zu schneiden und zwar von Hand mit Rasierklinge, in Seifeneinbettung, mit Einbettung in einen Tropfen PEG1500 unter dem Stemi. Alles ist in Frust und zermatschtem Moosgewebe geendet. Erst danach habe ich gelesen, dass für die PEG-Einbettung trockenes Material verwendet werden muss.

Ich hoffe, dass es mir mit weiterer Übung einmal gelingen wird, auch Querschnitte zu bekommen, aber davon bin ich noch weit entfernt.

Hier also die Übersicht über das Blättchen (Hellfeld)

Bc 3.jpg

Eine Detailaufnahme (DIK)

Bc 5.jpg

Ein weiteres Detail mit Rand (DIK)

Bc 7.jpg

Die Costa (Mittelrippe) des Blättchens (DIK)

Bc 6.jpg

Die Spitze des Blättchens (DIK)

Bc 9.jpg

Die Seta (Hellfeld)

Bc 8.jpg

Eventuelle Fehlbezeichnungen bitte ich zu entschuldigen. Ich freue mich sehr, wenn jemand der Kundigen etwas zu diesem Moos beitragen könnte.

Liebe Grüße
Peter

A. Büschlen

#2
Hallo Peter,

zur Bestimmung möchte ich nichts sagen. Vergleiche einmal hier: https://www.swissbryophytes.ch/index.php/de/verbreitung?taxon_id=nism-857

Zu den Mikro Bildern: Versuche für den Anfang nur im Durchlicht/ Hellfeld zu arbeiten und dabei für die Dokumentationen nicht stapeln.

Zu den Begriffen: Da würde ich mich an den Begriffen im Glossar in "Die Moose Baden-Württembergs" Band 3 orientieren. Der Band 3 ist rar und total überteuert. Schreibe mir per PN, dann können wir dazu austauschen.

Gruss Arnold

Nachtrag zu einem Glossar: https://www.swissbryophytes.ch/index.php/de/hilfsmittel/glossar
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Peter T.

Hallo Arnold,

vielen Dank für Deinen Kommentar.
Vor allem Dein Link (die Seite kannte ich noch nicht) ist sehr hilfreich. Danach ist B. capillare vielleicht keine so ganz schlechte Bestimmung.
Liebe Grüße
Peter

Siegfried

#4
Hallo Peter
Für deinen ersten Moos-Versuch finde ich diesen Beitrag sehr gelungen und informativ. So werde ich mir die
App ObsIdentify auf jeden Fall mal runterladen. Für mich von Wald und Wiesen Umgebener sind solche Beitäge immer interessant. Man kann aber auch als mikroskopierender Rentner nicht jedes Gebiet betreiben. Ich hatte aber hier auch einmal einen interessanten Zufallsfund bei Moosen.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=361701
Arnolds Beiträge haben mich auch schon immer stark fasziniert.
  Gruß von Siegfried

Florian D.

Interessant wären auch die Rhizoide.
VG
Florian

Peter T.

Hallo Siegfried,

außer ObsIdentify habe ich keine andere App gefunden, die sich den Moosen zumindest annimmt. Ich finde es auch eher seriös, dass sie mit der Wahrscheinlichkeit zurückhaltend ist. Interessanterweise sind die Prozentangaben gestiegen, als ich auch Mikrobilder hochgeladen habe.
Für mich ist das ein erster Hinweis, wie ich weiter suchen könnte.

Hallo Florian,

gute Idee, da werde ich noch mal schauen.
Liebe Grüße
Peter

Peter T.

Auf Anregung von Florian hier noch einige Bilder von den Rhizoiden.

Nach meinen Recherchen hat Bryum capillare (sofern die Zuordnung zutrifft) mehrzellige und fadenförmig verzweigte Rhizoide. Das Fadenförmige ist im Überblick gut zu sehen. Die Färbung der Rhizoide ist rötlich bis bräunlich, was auf eingelagerte Phenole zurückzuführen sein soll.

Bc r3.jpg

Viele Laubmoose (zu denen dies hier gehört) haben schräg gestellte Zellwände (Septen) zwischen den Zellen der Rhizoide. Im folgenden Bild sieht man die Mehrzelligkeit des Rhizoids und ebenfalls diese Septen.

Bc r1.jpg

Die Oberfläche des Rhizoids ist warzig, wie hier durch das 100xOil Objektiv gut zu sehen ist.

Bc r2.jpg

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Liebe Grüße
Peter

Florian D.


Peter T.

Liebe Grüße
Peter

Kurt

Hallo Peter,

Moose sind für Mikroskopiker schon immer interessante Objekte gewesen und sind es immer noch. Wenn Du  weitere Moos-Versuche machen möchtest, dann empfehle ich Dir unbedingt die Moose mal im Dunkelfeld zu mikroskopieren und ein paar schöne Bilder zu machen, wenn möglich einzelne Moosblättchen oder ein Stückchen Plfanze mit dem 10er-Objektiv.
Hier ein Beispiel, nur ein Stück abgerissenes Moospflanze.

Grüße
Kurt
 

A. Büschlen

Hallo Peter,

du hast wieder einmal steil gestartet! -

Blattquerschnitte von so kleinen Moosblättern sind schon recht anspruchsvoll. Nicht einmal M. Lüth zeigt bei B. capillare Blattquerschnitte. Für die Bestimmungsarbeit sind nicht bei allen Laubmoosarten Blattquerschnitte nötig sondern nur dort wo dadurch gute Bestimmungsmerkmale sichbar gemacht werden können.

Egal wie du schneidest, ob trocken oder nass, eingebettet in PEG oder was auch immer: wichtig ist, dass du frische und unverbrauchte Rassierklingen verwendest. Und dann stellt sich auch die Frage, schniedest du um zu bestimmen dann reicht ein Schnitt "so gut wie nötig", möchtest du aber einen möglichst perfekten Schnitt dokumentieren dann muss schon "so gut wie möglich" geschnitten sein.
Zum üben würde ich etwas grössere und dickere Blätter nehmen. z.B. Blätter der Orthotrichum Arten, oder der Polytrichum Arten.

Gutes Gelingen!

Grüsse Arnold

 
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

A. Büschlen

#12
@all

Und hier noch ein Link: http://www.flora-fauna.ch/index.php?n=2
Markus K. Meier hat darin in leicht verständlicher Weise den Weg in die Welt der Moose geöffnet. Einfach hineinschauen.

Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Peter T.

Hallo Kurt,

danke für die Anregung. Derzeit bin ich noch ohne Dunkelfeldblende, aber die ist in Arbeit.

Hallo Arnold,

danke für den Trost und den weiteren Link. Wieder eine sehr lesenswerte Seite.
Liebe Grüße
Peter