ZEISS Jena GF Objektive an ZEISS-West Axio--Stativen?

Begonnen von Alfons Renz, Januar 26, 2026, 21:31:39 NACHMITTAGS

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Alfons Renz

Liebe Foristen,

Hat schon Jemand versucht, die schönen ZEISS-Jena GF Plan-apo/achromat Objektive (unendlich) an Zeiss-Axio-Stativen zu verwenden?

Harmoniert deren Optik mit der ZEISS-West-Tubuslinse? Stimmt die Par-Fokalität? Und gäbe es die Möglichkeit, eine ZEISS-Jena Tubuslinse ins Axio-Stativ einzubauen?

An meinem Axioplan sitzt ein Objektiv-Revolver für RMS-Gewinde, so dass ich die Frage zur Zeit nicht so einfach klären kann.

Herzlichen Dank für eine kompetente Beantwortung,

Alfons

Jürgen Boschert

Hallo Alfons,

habe zwar kein Axio, aber: Die ICS-Objektive der Axios haben Rest-Farbfehler, die durch die zugehörige Tubuslinse korrigiert werden müssen. Die Objektive der CF250-Reihe sind hingegen voll auskorrigiert, die zugehörigen Tubuslinsen daher auch. Das kann also nichts werden.
Beste Grüße !

JB

Alfons Renz

Hallo Jürgen,

Herzlichen Dank für die schnelle Antwort!

Dann müsste es ja ev. durch Austausch der Tubuslinsen möglich sein: Stimmt deren Brennweite überein? Die Okulare beim Axio-System sind m.W. nicht mehr an den Bildkorrekturen beteiligt.

Grüße,

Alfons

HCLange

Hallo Alfons,

die Tubuslinsen von Jena CF250 haben eine Brennweite von 250 mm.
Die Tubuslinsen von Zeiss Axio haben eine Brennweite von 164,5 mm.

Da paßt nix zusammen...

HG Christoph

Alfons Renz

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten!

Offenbar ging die Evolution der beiden Zeiss-Abkömmlinge nach dem Krieg in ganz verschiedene Richtung, so dass die Kompatibilität auf der Strecke blieb.

Wirklich schade!

junio

Lieber Alfons!
Da die Objektive auskorrigiert sind, spricht wohl nichts dagegen, die Axio-Tubuslinse gegen einen guten Achromaten mit einer Brennweite von ca. 160 mm auszutauschen. Es wird bei der Positionierung des Achromaten und auch auf die Brennweite auf einige Millimeter nicht ankommen.
Beste Grüße von Jürgen

PS: Die technische Lösung wäre ein ca. 20 mm hohes Bauteil zwischen Tubus und Stativ, das die neue Tubuslinse aufnimmt. Die damit verbundene Verlängerung des Unendlichraums (Objektiv-Tubuslinse) ist bei den auskorrigierten Objektiven völlig unkritisch.









Apochromat

#6
Hallo,

die ICS- Optik gehört zu den sog. harmonischen Optikdesign- Konzepten. Der Farbquerfehler (CVD, chromatische Vegrößerungsdifferenz) wird nicht im Objektiv vollständig auskorrigiert. Es verbleibt ein Restfehler. Dieser wird in der gerätespezifischen ICS- Tubuslinse (f= 164,5 mm) kompensiert. Bei ICS- Objektiven ist die Parfokalitätslänge für D= 0.17 Objektive 45.06 mm. Für D=0 Objektive beträgt sie 45.0 mm. Die erste ICS- Generation hat ein RMS- Gewinde, die zweite ein M27- Gewinde. Es gibt Adapter in beiden Richtungen. Die Okulare sind CVD- frei.

Die JENA 250-CF- Optik korrigiert die CVD- vollständig im Objektiv aus. Die Objektive sind CVD- frei. Ebenso die Tubuslinse mit f=250 mm. Die JENA 250- CF- Tubuslinsen sind aufwendig gebaute Mehrlinser, keine "guten" Achromate. Die Parfokalitätslänge entspricht der, der ICS- Objektive. Das Anschraub-Gewinde der Objektive ist jedoch M25x0.75.

Eine Verwendung der JENA 250-CF Objektive an den AXIO- Geräten mit 250- CF- Tubuslinse ist machbar, wäre aber mit Kompromissen (in der Korrektur der geometrischen Fehler, der Objektivvergrößerung etc.) behaftet.

Würde man an ein AXIO- Gerät eine JENAVAL- Tubuslinse montieren, wäre ihre Position schon kritisch (nicht wegen der Farbfehler), sondern für die Lage des reellen Zwischenbildes. Jürgen hatte daher ein Zwischenstück zur Aufnahme einer passenden achromatischen Tubuslinse vorgeschlagen. Für eine hochgezüchtete Original- JENA- 250- CF- Tubuslinse müsste dieses Zwischenstück dann eine Bauhöhe von etwa 250- 165 mm= 85 mm haben.

Die Objektivvergrößerung eines JENA 250-CF- Objektives bei einer hypothetischen, normalen Positionierung der JENAer Tubuslinse 1.0x am AXIO- Instrument (in den ZEISS- Tubus eingeschraubt) verhielte sich dann wie 164,5: 250= 0,67x, z.B. wäre die Lupenvergrößerung eines JENA 250-CF- Objektives 100x an so einem modifizierten AXIO- Gerät etwa 67x.

Da besorgt man sich doch besser ein JENAVAL.

LG
Michael


NACHTRAG: Bei regellos geformten biologischen Objekten (z.B. viele Einzelzellen) fallen die geometrischen Fehler, wie sie bei der Benutzung z.B. von ICS- Okularen in Verbindung mit der JENA 250- CF- Optik auftreten, nicht stark auf. Anders ist dies bei sehr dünnen, ebenen Proben, wie Blutausstrichen oder geometrisch stark geordneten und ausgedehnten Objekten. Daher müssten dann auch die Okulare gewechselt und die passenden JENAer Großfeld- Okulare GF-Pw 10x/25 der letzten Generation benutzt werden. Die passen aber  -trotz gleichen Steckdurchmessers- nicht in alle neuen ZEISS- Tuben.

Peter V.

Hallo,

man kann - mit Einschränkungen, speziell in Bezug auf den Vergrößerungsfaktor - an Leica-Stativen einsetzen. Da passen die Parameter weitestgehend. Klar ist aber, dass man die besten Ergebnisse erzielt, wenn man das Objektiv am dafür vorgesehenen Stativ mit der dafür vorgesehenen Tubuslinse verwendet. Mir ist insofern nicht klar, wieso man überhaupt Unendlich-Objektive an einem Fremdstativ verwenden sollte. Wenn man kein anderes originäres Objektiv hat, mag es halt "gehen", wie bei Leica/CF250. Wenn man aber ein Objektiv wegen seiner Spitzenleitung nutzen möchte, kann es diese auch nur mit der dafür vorgesehenen Tubuslinse, die auch zudem am richtigen Ort sein sollte, ausspielen.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Alfons Renz

Lieber Michael,

Herzlichen Dank für die fundierte Antwort und Erklärung! Leider konnten sich die beiden Zeiss-Töchter und auch Leitz / Leica nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen - was im Zuge der Globalisierung heutzutage ein immenser Standortvorteil wäre. RMS und 160 mm waren doch schon eine Vorlage, die lange gehalten hat.

Lieber Peter,

Es fehlt ja nicht an Stativen von Zeiss West und Jena sowie Leitz und Leica - aber der Platz ist halt beschränkt, und die Geräte sauschwer...

Da wäre die raumsparende, eierlegende WollMilchSau sehr willkommen! Technisch könnten ev. verschiedene Tubuslinsen in einen Optovar-ähnlichen Wechsler eingebaut werden, wenn nur die Brennweiten passen würden. Objektivrevolver und Okulare wären (falls nötig) schnell ausgetauscht.

Herzliche Grüße eines 'träumenden' Mikroskopikers mit endlichem PLatz,

Alfons