Interessante Pilzfunde 178 – Kupferroter Moorhautkopf

Begonnen von Bernd Miggel, Februar 23, 2026, 11:28:04 VORMITTAG

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Bernd Miggel

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FND Erlenbruch, 1000x.jpg
Bild 1 – Der Fundort.

Cortinarius uliginosus, Erlenbruch_2009, 1000x.JPG
Bild 2 – Schlanker Fruchtkörper, brauner Hut, rot überfaserter Stiel, gelbes Fleisch.


Der Fund
Anfang August fand ich im Flächenhaftes Naturdenkmal (FND) ,,Erlenbruch" (Bild 1), nahe der Gemeinde Karlsbad am nördlichen Schwarzwaldrand, etwa zwanzig Exemplare des Kupferroter Moorhautkopf  (Cortinarius uliginosus), eines schlanken, rotbraunhütigen Haarschleierlings mit deutlich rot überfadertem Stiel (Bild 2). In diesem FND, auf 320 mNN, haben wir einen stark sumpfigen, bei Regen überschwemmten Boden. Begleitbäume des Fundes waren Schwarzerlen, Weiden, Zitterpappeln und Hainbuchen. Am Rand des Gebietes wachsen außerdem Fichten.

Ich erinnere mich noch deutlich an meine abenteuerliche Ausrüstung in diesem tiefsumpfigen, mückenverseuchten Gebiet: hohe Gummistiefel, doppelte lange Hose, dicke Jacke mit Kapuze, Mückennetz, Fingerhandschuhe und, um beim Knien trocken zu bleiben, eine große Plastiktüte!

Systematik, Rote Liste
Die Hautköpfe bilden aktuell, d.h.aus Sicht der ,,modernen Skandinavier" (Brandrud, Melot, Niskanen etc), aber auch aus molekulargenetischer Sicht, eine Sektion der Untergattung Cortinarius innerhalb der Großgattung Cortinarius.
Die Rote Liste Deutschland (2016) führt die Art in der Kategorie V (Vorwarnstufe).

Lebensweise
Dieser Mykorrhizapilz geht eine Symbiose überwiegend mit Weiden, aber auch mit Erlen und Rotbuchen, ein und wächst auf lehmigen, zeitweise überschwemmten Böden, in Moor- und Sumpfgebieten, gerne zwischen Torfmoosen.

Makromerkmale (weitgehend nach BRANDRUD et al. 1989-2014)
Fruchtkörper schlank. Hut 20-60 mm, anfangs konisch oder glockig, später gewölbt, schließlich ausgebreitet, dann meist stets mit stumpfem Buckel, feinfaserig, rot- bis kupferbraun, Rand meist eingerollt, im jungen Zustand vom roten Velum überfasert. Lamellen jung nicht sehr hell gelb bis zitrin, dichtstehend, stark mit Lamelletten untermischt, nicht gegabelt. Stiel lang zylindrisch, alt oft teilweise hohl, gelblich, vom roten Velum fast gänzlich überfasert oder umgürtet. Fleisch lamellenfarben, in der Stielbasis dunkler. Geruch unauffällig.

Makrochemische Farbreaktionen
Dermocyben wie unser Cortinarius uliginosus beinhalten sogen. Anthrachinon-Farbstoffe. Die Anthrachinone sind unlöslich in Wasser, jedoch löslich in Ethylalkohol: Drückt man einen Fruchtkörper zwischen zwei mit Spiritus getränkte Papiertaschentücher, ergeben sich arttypische Farbabdrücke für Hutoberfläche, Stieloberfläche, Lamellen und Fleisch. Setzt man diese Farbabdrucke anschließend Ammoniakdämpfen aus, ergeben sich Farbumschläge, auch wiederum charakteristisch für jede Art.
Der Abdruck mit Spiritus sowie der Umschlag mit Ammoniak-Dämpfen ,,>" ergeben für Dermocybe uliginosus folgende Farben:
Hutoberfläche leuchtend orange => dunkel purpurviolett
Lamellen kräftig rotorange bis ziegelorange => dunkel purpurviolett
Stieloberfläche orangebraun => dunkel purpurviolett
Fleisch hellorange, gelborange => dunkel purpurviolett.

Mikromerkmale
Sporen ellipsoid, warzig.
Die gemessenen Werte unserer Aufsammlung bei einer Stichprobengröße von 21 Sporen und einem Vertrauensintervalls von 95 % ergaben:
L x B = 7,3-9,5 x 4,7-5,7 µm; Q = 1,58-1,66; V = 110-126 µm3.
Mit L Länge, B Breite, Q Schlankheitsgrad = L/B, V Volumen.

Bild 3 - Lactarius uliginosus_Sporen_800x.jpg
Bild 3 – Die Sporen: ellipsoid, warzig.


Notizen
In Skandinavien, wo die Hautköpfe besonders stark verbreitet sind, werden sie gerne zum Färben von Wolle benutzt.
Die Anthrachinon-Farbstoffe können, zusätzlich zu den anderen Merkmalen, zur Artabgrenung innerhalb der Sektion Dermocybe heraungezogen werden (,,Anthrachinon-Profile").

Literatur
BRANDRUD, T.E. et al. (1989-2014): Cortinarius, Flora Photographica I-V: Nr. D49, D50..
BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 166.
Gminder, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Blätterpilze III: 28-29.
Moser, M. (1974): Die Gattung Dermocybe Fr.) Wünsche (Die Hautköpfe). SZP 52: 97-107.
Tegler K (2016) Leitfaden zum Färben mit Pilzen. – Deutsche Ges. f. Mykologie e.V.



Viel Vergnügen beim Anschauen!
Bernd


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