Heinz Kilfitt: Grosse Lupe oder Taschenmikroskop?

Begonnen von lumipan, Februar 04, 2026, 11:49:12 VORMITTAG

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lumipan

Heinz Kilfitt war ein umtriebiger Konstrukteur und Erfinder, Kenner schätzen ihn besonders für die Entwicklung zweier besonderer Kameras (der Robot und der Mecaflex) und für leistungsfähiger photographischer Objektive in der Zeit der 30er bis 60er Jahre. Seine Mikroskope sind weniger bekannt, ich wurde über die Homepage von http://www.robot-camera.de darauf aufmerksam. Dort wird ein Kleinmikroskop gezeigt, das ein sehr eigenes Erscheinungsbild hat und an die Tradition der Taschenmikroskope erinnert. Da ich auch hier im Forum habe ich keinen Hinweis gefunden habe möchte ich es kurz vorstellen. Die Konstruktion entstand Ende der 40er Jahre. Kilfitt hatte ein ganzes Portfolio entwickelt, von Pinzetten mit integrierter Lupe und mehreren "normalen" Lupen für Zählzwecke und ähnliches. Anfang der 50er Jahre entstand auf dieser Basis auch ein Tool für die Textilindustrie, ein Fadenzähler.
Da aber Kilfitt wohl eher ein pragmatischer und genialer Techniker als ein den Traditionen verhafteter Mikroskopiker war, erscheinen seine Konstruktionen unkonventionell.
Das nachfolgende Gerät bezeichnete Kilfitt selbst als Universal-Mikrolupe mit Vergrösserungsmöglichkeiten von 5/10/25/50 und 100fach.  Er positionierte es damit als Nischenprodukt zwischen einer üblichen Lupe und einem leistungsfähigen Mikroskop, gedacht als perfektes Meß- und Prüfgerät für Wissenschaft, Forschung und Technik.
Später wurde für diese Konstruktion mindestens auch noch 150fach als Vergrösserung angeboten. Viele seiner Tuben sind mit einer Skala für Messzwecke versehen.
Wesentliche Materialien für sein Gerät sind mit Gummi oder Kunststoff überzogenes Eisen für den Fuß, Aluminium für die Stativstange und die übrigen metallischen Komponenten, der Tisch ist aus Glas.
Interessant ist die unabhängige Anordnung von Spiegel, Tisch und Tubusträger als optische Bank, damit konnte die übliche Durchlichtkonstruktion schnell zum Aufsetzmikroskop umfunktioniert werden. Zum Wechsel der Vergrösserung wurde nicht ein Okular getauscht, sondern der gesamte Tubus gewechselt. Damit war er optisch nicht auf eine starre Tubuslänge festgelegt.
Das Stativ gab es in fixer und kippbarer Ausführung (Mikrolupe mit Kugelgelenk). Für das Kippen musste die Rändelschraube am oberen Ende der Tubusstange gelöst werden. Dann konnte der Neigungswinkel fixiert werden.
Es gab später auch noch eine Modifikation zur exakten Ermittlung von Höhenunterschieden für die Untersuchung von Druckplatten in der polygraphischen Industrie.
Es scheint interessantes Zubehör gegeben zu haben, auch einen Kameraadapter und sogar einen Halter zur Auswertung von Filmstreifen.Wenn jemand hierzu mehr weiss oder eine Preisliste zu diesen Lupen existiert würde mich das sehr interessieren.

Thomas Böder

Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

beamish

#2
Ich besitze ein "Sandmikroskop", das ich nur aufgrund des Designs auch Kilfitt zuordnen möchte. Ich habe aber keinerlei Unterlagen dazu gefunden.

Sandmikroskop.jpgSandmikroskop_Okular.jpgSand_Okularmikrometer.jpg

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

lumipan

habe es erst jetzt gesehen,definitiv Kilfitt. Ist mir noch nie untergekommen. Kilfitt war ein Schrauber Tüftler und Erfinder, wenn er eine Applikation gefunden hat die er verstand und sinnvoll fand hat er sie umgesetzt

Vielen Dank Martin!

Dirk

Gerd Schmahl

Hallo Martin,
da hat der gute Mann aber sehr viel auf einer Okular-Einlegeplatte vereint und auch Bezeichnungen verwendet, die ich noch nie gehört habe, wie "Staubsand" und "Kiessand". In der DIN 4022 tauchen die jedenfalls nicht auf.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

beamish

Hallo Gerd,

wenn du die Begriffe googelst, wirst du beide finden. Auch im kommerziellen Bereich.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D