Botanik: Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, März 08, 2026, 08:43:08 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Die Arten der Gattung des Sternjasmins sind in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens heimisch. In Form einer Zierpflanze ist der Sternjasmin in Europa beliebt.

In wärmeren Regionen bereichern die ästhetischen Pflanzen Gärten, Parks und begrünte Straßen. Es handelt sich um eine schnell und dicht wachsende Kletterpflanze, die Kenner gerne in Form eines Obelisken oder Spaliers kultivieren.

Bild 01 Habitus, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Bildquelle ist gemeinfrei.

Der Sternjasmin ist ein wintergrünes Gehölz.
Der Sternjasmin (Trachelospermum) ist eine Gattung innerhalb der Pflanzenfamilie der Hundsgiftgewächse
(Apocynaceae).

Bei dem Sternjasmin handelt es sich um eine strauchige Kletterpflanze, die lianenartig wächst. Der Sternjasmin vergrößert sich schnell und wächst, teilweise verholzend, rasch bis zu zehn Metern Höhe. Der Wuchs richtet sich nach dem Untergrund, er wurzelt flach.
Die Gattung umfasst je nach wissenschaftlicher Quelle zwischen acht und 20 Arten. Einige der Arten sind auch in Deutschland zu finden.

Der Name Jasmin bedeutet "Sinnbild der Liebe" und diese Bedeutung spiegelt sich in der Pflanzengattung wieder.

Sein süßlich-blumiger und gleichzeitig erfrischender Duft befreit die Sinne vom alltäglichen Stress und lädt an einem sonnigen Sommertag zum Entspannen ein. Kein Wunder, dass einzelne Arten der Gattung auch in der Parfümindustrie beliebt sind.

Bild 02 Blühender Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Quelle: S.G.S. - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69643692

Bild 03 Blätter, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Urheber: M108t

Manchmal wandelt sich die Farbe des Blattes bei niedrigeren Temperaturen.
Die Blätter können im Winter rot werden.
Bei Kälte bilden die Blätter rote Pflanzenfarbstoffe (Anthocyane).
Darum sieht der Sternjasmin im Winter oft bronze-rot statt grün aus.
Die Blätter sind eiförmig bis länglich-oval und laufen spitz zu.
Sie sind zwischen zwei und acht Zentimetern lang und zwischen einem halben und vier Zentimetern breit. Je nach Art variiert die Farbe von einem satten dunkelgrün über ein sanftes hellgrün bis hin zu zweifarbigen Blättern, die sich in gelblich-grün oder rötlich-grün zeigen.

Die Struktur der Blätter ist fest. Beim Anfassen fühlen sie sich ledrig an. In der Gänze bilden die Blätter eine dichtes Laubkleid.
Bei Verletzung sondern die Pflanzen Milchsaft (Latex) aus, der bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursacht.

Bild 04 Blüte, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Quelle: https://www.flickr.com/photos/globetrotter1937/114062490/in/set-72057594079513552?#comment72157600026213179
Author:pizzodisevo

Die fünf Kronblätter sind spiralig verdreht. Dieses Muster nennt man in der Botanik Kontort-Ästivatin (eine besondere Knospenlage).
Dadurch wirken die Blüten wie kleine Propeller oder Sterne, so wird das Regenwasser besser abgeleitet.

Die Blütenstände wachsen hängend heran. Je nach Art variiert die Farbe der Blüten von strahlend weiß und gelb über mehrfarbig bis hin zu purpur.

Der kleine Kelch ist zerteilt. Er weist fünf bis zehn basale Drüsen auf. Die Krone präsentiert sich in einer prächtigen Stieltellerform.
Die Stieltellerblume selbst besitzt ineinander gelappte freie Kronlappen. Die Staubblätterwachsen im unteren Drittel der Kronröhre. Die Blüte hat einen Diskus, der aus fünf Schuppen besteht und auf dem ein Fruchtknoten sitzt, der sich aus zwei Fächern zusammensetzt.
Als Diskus wird in der Botanik ein oft scheiben- oder ringförmiger Wulst des Blütenbodens bezeichnet. Er bildet Nektar, ist also mit Nektardrüsen versehen.

In der Blüte sind zahlreiche Samen in länglicher Form vorhanden.
Die Blütezeit ist von Mai bis Juni.
Die weißen Blüten duften am Abend und nachts stärker.
Der Duft ähnelt der Gattung Jasminum, obwohl die Pflanzen nicht eng verwandt sind.
Sternjasmin gehört zur Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) und ist kein echter Jasmin.

Sternjasmin (Trachelospermum jasminoides) und Echter Jasmin (Jasminum officinale) duften ähnlich intensiv, sind aber botanisch völlig verschieden.

Bild 05 Samen, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Quelle:  Dwergenpaartje - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37161718

Die Samen besitzen seidige Haare. Diese Haare wirken wie Mini-Fallschirme sodass der Wind die amen verbreiten kann.

Systematik:

Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie:    Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie:    Apocynoideae
Tribus: Apocyneae
Gattung:    Sternjasmin
Wissenschaftlicher Name: Trachelospermum yessminoides
Trivialnamen: Chinesischer Sternjasmin, Toskanischer Jasmin
Englische Bezeichnung: Star jasmine

Die Gattung Trachelospermum wurde 1851 durch Charles Lemaire in Jardin Fleuriste; Journal General des Progres et des Interets Horticoles et Botaniques 1, ad Tafel 61 aufgestellt.
Charles Antoine Lemaire (* 1. November 1800 in Paris; † 22. Juni 1871 ebenda) war ein französischer Botaniker.

Der Gattungsname Trachelospermum ist ein Nomen conservandum und typus conservandum.

Bild 06 Ranken, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Dieses Werk ist gemeinfrei.

Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 07 Schnittstellen, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Foto: H.-J_Koch

Bild 08 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 09 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 10 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 11 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 12 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 13 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 14 Übersicht, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 15 Detailaufnahme, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 16 Detailaufnahme mit Beschriftung, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

H = Hohlraum, XY = Xylem, T = Trachee, MP = Markparenchym, PH = Phloem, SK = Sklerenchym-Inseln, RP = Rindenparenchym, K = Kambium, CU = Cuticula, EP = Epidermis

Bild 17 Detailaufnahme, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)




Bild 18 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 19 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)



Teil 2
Blattstiel , Querschnitt
25 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)


Das pflanzliche Blatt dient als ,,Solarzelle" der Pflanze, um Lichtenergie in chemische Energie (Zucker) umzuwandeln.

Bild 20 Übersicht, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 21 Übersicht, Blattstiel, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 22 Leitbündel, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 24 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Teil 3
Schlingtrieb, Querschnitt
30 Mikrometer

Jeder kennt die Haftwurzeln, mit denen der Gewöhnliche Efeu seinen Weg über Mauern findet und diese dabei auch häufig beschädigt.
Der Sternjasmin besitzt keine solchen Haftwurzeln.

Er klettert  mit seinen langen, holzigen Ranken (nicht windend) um beispielsweise Zäune. Deshalb kann man den Sternjasmin nicht ohne Kletterhilfe an eine Mauer setzen; er benötigt Unterstützung beim Klettern in Form eines Rankgitters oder Maschendrahts.

Bild 25 Mini - Ranken, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)

Foto: H.-J_Koch

Wissenswertes:
Aus den dickeren Ranken wurden Pfeifenrohre hergestellt.
Die Länge dient dazu, den Rauch auf dem Weg zum Mund abzukühlen.

Ein Tschibuk (auch Chibuk oder Cibuk geschrieben) ist eine traditionelle, extrem langstielige Tabakpfeife, die vor allem im Osmanischen Reich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Sie gilt heute als historisches Symbol für orientalische Rauchkultur und gemächlichen Genuss.

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 26 Übersicht, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 27 Übersicht, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 28 Übersicht, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 29 Detailaufnahme, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 30 Detailaufnahme, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 31 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 32 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)


Bild 33 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sternjasmin (Trachelospermum yessminoides)



Verzeichnis der benutzten Literatur:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1977

,,Kosmos Neophyten", ISBN: 978-3440-16874-5

,,Die schönsten Pflanzen  für ein Grünes Zuhause", ISBN: Buch-Nr.: 023622

Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Daniel Scheibenstock

Hallo Hans Jürgen,

Danke da habe ich wieder viel gelernt und mich gut unterhalten beim lesen deines Artikels😊 wie immer top💪

Lg Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Wutsdorff Peter

Einen Schönen Sonntag wünsche ich Dir Hans-Jürgen.
Ich schließe mich den Worten von Daniel an.
Gratulation
Wieder sehr  lehrreich und ein Feuerwerk!
Einige Fotos haben einen schw. Hintergrund, sind es  DF-Bilder?
Worin unterscheiden sich die Bilder 27 und 28?
Wie schaffst Du es den Hohlraum beim Schneiden nicht zu zerquetschen?
Ich erstarre wieder einmal vor Ehrfurcht!
Gruß Peter W

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

große Klasse wie immer. Besonders schön finde ich die ungewöhnlichen Schnitte, wie hier die Ranken. Das bekommt man ja selten zu sehen.

Grüße nach Weyhe

Peter

P.S. Natürlich nehme ich den Beitrag sehr gerne in die Botanik-Liste auf. Sie wächst und wächst ... :)
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Liebe Pflanzenfreunde,

Daniel, Peter W. und Peter danke für euer Feedback.

@ Peter W.,

es sind keine Dunkelfeldaufnahmen.
Der Kondensor war nicht zentriert; mit ,,Photoshop"  habe ich den Hintergrund dunkel gefärbt.
Die Bilder 27 und 28 sind identisch, leider doppelt eingestellt.
Saubere Schnitte erreichst du nur mit neuen Klingen.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"