Botanik: Kahle Felsenbirne (Amelanchier laevis) *

Begonnen von Peter T., April 08, 2026, 20:45:59 NACHMITTAGS

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Peter T.

Felsenbirnen gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Weltweit gibt es mehrere Arten.
Sie wächst als Strauch oder kleiner Baum, die Blätter sind wechselständig. Junge Blätter zeichnen sich durch ihre kupferfarbene Färbung aus. Außerdem weisen sie spärliche Trichome auf, die bei älteren Blättern dann verschwinden. "Laevis" als Artname bedeutet glatt oder kahl und weist auf diesen Umstand hin.

Ihre Verbreitung hat die Art im östlichen Nordamerika. Mein Exemplar stammt aus New York.

Zunächst zum Habitus:

Bild 1 (Typische Erscheinungsform. Wikimedia Commons, Autor Sherief Saleh)
A21-1-Amelanchier_laevis_(Allegheny_Serviceberry).JPG
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A21-1-Amelanchier_laevis_(Allegheny_Serviceberry).JPG?uselang=de

Bild 2 (Blüten und Blätter. Wikimedia Commons, Bibliothek der Universität Laval)
Amelanchier_laevis_15-p.bot-amel.laevi-18.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amelanchier_laevis_15-p.bot-amel.laevi-18.jpg?uselang=de


Für meinen Beitrag habe ich einen Blattstiel und ein Blatt mikroskopiert. Die Schnittdicke beträgt 30 µm, die Färbung erfolgte mit FCA nach Etzold.

Jetzt zum Blattstiel:


Bild 3


Die FCA-Färbung steht ja im Ruf, öfter mal "nur blau" zu produzieren. Hier ist es aber ganz anders. Wenn hier überhaupt etwas angefärbt ist, ist es rot/orange. Das ist meistens ein Hinweis auf ausgeprägtes Stützgewebe in Form sklerifizierter Zellen. Dies scheint hier ganz ausgeprägt der Fall zu sein.


Bild 4 (Polarisation)


Auf der linken Seite eins der erwähnten spärlichen Haare bei jungen Blättern.

Hier der zentrale Leitbündelbereich in "Nahaufnahme":

Bild 5


Auch hier scheint alles vor allem auf Stabilität und Festigkeit ausgelegt zu sein.

Nun folgen Bildern vom Blattquerschnitt;

Bild 6


Und nun im Detail:

Bild 7


Das Blatt hat zumindest ein wenig Astrablau aus der FCA-Färbung angenommen. Überwiegend sehen wir aber rot! Schon direkt unter der Epidermis zieht ein Ring aus sklerifizierten Zellen rund um den Schnitt. Noch drastischer sieht es rings um die Leitbündelregion aus. Hier dominiert das Sklerenchym deutlich. Die Felsenbirne ist ein richtiger Panzer!

Wer genau hinschaut, entdeckt eine Eigenart:

Bild 8


Und hier noch näher dran:

Bild 9


Die beiden Ausstülpungen, die durch die gesamte Schnittebene hindurch vorhanden sind, hat mich ins Rätseln gebracht. Erst nach einiger Recherche war klar: Es ist ein "Sulcus adaxialis": Bei Amelanchier und einigen anderen Rosaceen bildet die adaxiale Seite (die Oberseite)  der Mittelrippe eine Längsrinne (adaxiale Furche), deren Flanken im Querschnitt als genau diese zwei symmetrischen, bläulichen Lappen erscheinen. Neben der mechanischen Stabilisierung (schon wieder!) dient diese Rinne auch dazu, Wasser und Nährstoffe schnell zur Basis des Sprosses zu leiten.

Nun noch die Mittelrippe im polarisierten Licht:

Bild 10


Die Spreite selbst zeigt ein einreihiges Palisadenparenchym und ein (für junge Blätter typisches) relativ dichtes Schwammparenchym:

Bild 11


Bild 12



Wenn sich das Blatt beim Schneiden dreht, bekommt man eine Aufsicht. Hier kann man die Verzweigung der Leitbündel schön nachvollziehen:

Bild 13


Kristalle sind bei A. laevis selten. Wenn sie auftreten, dann in eigenartiger Perschnurformation:

Bild 14


Bild 15



Abschließend noch ein paar Eindrücke vom nativen Blatt im Hellfeld (Durchlicht, 10x Obj.):

Bild 16


Die "Gnubbel" sind am ehesten "Haarnarben", zeigen also die Basis eines bereits abgefallenen  Trichoms. Diese Basen haben die Form einer Rosette (auf 2 Uhr noch ein Stoma):

Bild 17 (40x Obj., Ausschnitt)


Zum Abschluss noch eins der sehr spärlichen Stomata, ebenfalls aufgenommen am nativen Blatt:

Bild 18




Wie immer freue ich mich auf Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Liebe Grüße
Peter

Daniel Scheibenstock

Hallo Peter,

Die FCA Etzold ist hier ja außerordentlich Cool geworden, hast du was geändert am Verfahren?

Und der Rest des Beitrages ist auch wieder toll geworden, eine sehr interessante Pflanze🙂

Liebe Grüße Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Jürgen Boschert

Lieber Peter,

herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag!
Beste Grüße !

JB

Peter T.

Hallo Daniel,

vielen Dank!

Ich gehe meist nach diesem Schema vor:


https://mikroskopie-bonn.de/_downloads/Arbeitsplan_Etzold_FCA.pdf

Die absteigende Alkoholreihe führe ich meist nicht so sklavisch durch, sondern gebe einfach Aqua dest. zu. Manchmal gehe ich auch direkt von Ethanol 70% in Aqua dest.
Als (für mich) wichtig hat sich erwiesen: Das Erwärmen auf 60 Grad für 20 bis 30 Sekunden und das Entwässern in Isopropanol. Da mache ich es meistens so: 2x 30 Sekunden, 1x 3 Minuten, 1x 5 Minuten.
Man kann also durchaus ein wenig abweichen bzw. experimentieren, das Grundprinzip sollte aber erhalten bleiben.

Bezüglich der Färbung habe ich diesmal nichts anders gemacht, die einzelnen Pflanzenschnitte sind einfach immer Wundertüten. ;)

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Peter T.

Lieber Jürgen,

herzlichen Dank für Deinen freundlichen Kommentar. Ich freue mich sehr über Deine häufige Präsenz in meinen Vorstellungen!

Beste Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Bernhard Lebeda

Lieber Peter

toll!! Schnitte, Färbung und Bilder!

Bild 13 ist eine Perspektive, die ich noch nicht kannte. Sehr interessant.

Viele frisch geschnittene Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Peter T.

Lieber Bernhard,

auch Dir besten Dank!

Anfangs habe ich mich immer geärgert, wenn sich beim Schneiden Blattspreiten drehen. Mittlerweile schätze ich dieses "Missgeschick", weil man neben dem Querschnitt auch das Blatt von oben (bzw. unten) betrachten kann. Damit kann man regelmäßig Stomata aufsuchen oder, wie hier in Bild 13, die Verzweigungen der Leitbündel verfolgen.

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Wutsdorff Peter

Guten Morgen Peter,
auch ich schließe mich den lobenden Worten meiner Vorgänger an!
Ich bewundere Deine Künste
Gruß  Peter W

Manfred Rath

Hallo Peter, bist wohl ein Weltenbummler, diesmal Proben aus New York...Zudem,  wie immer, spannend und sehenswert umgesetzt.
Grüße aus der Steiermark
Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Peter T.

Hallo Peter,

wie immer herzlichen Dank für Deine Beteiligung und Dein Lob!

Hallo Manfred,

auch Dir besten Dank!

Als Weltenbummler würde ich mich nicht bezeichnen, obwohl ich schon gerne reise. Ich habe halt jetzt immer meine Probenröhrchen dabei und versuche, möglichst Proben von Pflanzen mitzubringen, die hier bei uns nicht und nur schwer zu finden sind. In USA war ich vor einem Jahr, geplant war das schon vor Trumps Amtsantritt. Aktuell würde ich dort nicht hinfliegen wollen.

Schöne Grüße

Peter

Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Lieber Peter,

du zeigst wieder einmal eine mir unbekannte Pflanze.
Ich habe deinen Beitrag mit Begeisterung gelesen.
Die FCA nach Etzold zeigt sich hier besonders farbenfroh, mir gefällt das Erebnis.
Das  Bild 07 vom Blattquerschnitt ist ein Eyecatcher.

Gruß nach München

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

ich freue mich sehr über Deine lobenden Worte. Es ist immer wieder spannend, was die Färbungen bei unterschiedlichen Pflanzen alles zu Tage fördern.

Beste Grüße nach Weyhe

Peter
Liebe Grüße
Peter