Botanik: Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum) *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Mai 17, 2026, 19:34:45 NACHMITTAGS

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Hans-Jürgen Koch

Die rezente Verbreitung liegt in China, Yunnan, Sichuan.
In Wäldern ist die Pflanze teppichartig in alpinen Matten, Geröll und Felsen in 3300 bis 4600m Höhe zu finden.

Rezente Arten sind Lebewesen, die in der geologischen Gegenwart (Holozän) leben.

Meine Pflanzenproben stammen aus dem Arboretum Bad Grund-WeltWald Harz.
https://www.harz-travel.de/Regionales/Harz-Sehenswuerdigkeiten-Highlights/Arboretum-Bad-Grund-WeltWald-Harz/

Wissenswertes:

Der Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum) ist an sich kein Hybrid, sondern eine eigenständige Wildart.

Impeditum-Hybriden besitzen lila bis blaue Blüten.

Impeditum-Hybriden sind kompakt wachsende Zwergrhododendren, die durch Kreuzung der Wildart Rhododendron impeditum mit anderen Arten entstanden sind.
Der immergrüne Rhododendron impeditum ist ein dicht und verzweigt wachsender Zwergstrauch mit einer Höhe von 0,3 - 0,6 cm.  Er wurzelt flach. Das Laub ist grau-grün.

Bild 01 Habitus; Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)

Quelle:https://www.tier-pflanzenwelt.de/pflanzenwelt/azaleen-garten/rhododendren-art-fuer-art/

Die Zweige dieses Gehölzes haben dunkelbraune bis schwarze Schuppen.

Dieser immergrüne Zwergrhododendron, stellt die Grundform aller kleinwüchsigen Rhododendron impeditum Sorten dar.
All die attraktiven Blütensträucher, die wir kennen führen, wie der Rhododendron impeditum 'Ramapo', 'Moerheim', 'Blue Tit' und viele mehr sind auf ihn zurück zu führen. Bei solch einer Abstimmung braucht man sich nicht wundern, dass die Rhododendren so gut geraten sind, schließlich stammen sie von einer echten Schönheit ab.

Bild 02  Blätter, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)

Quelle: https://garten-von-ehren.de/kleinblaettriger-rhododendron-ramapo-rhododendron-impeditum-ramapo-Rhododendron-im-Ramapo

Blätter:
Das Laub des Rhododendron impeditum ist recht klein.
Die länglich eiförmigen Blätter sind 0,8 - 1,5cm lang und stumpf, oberseits dunkelgrün, unterseits hellgrün und machen sich mit hell graugrünen und braunen Schuppen bemerkbar.
Auffällig am Laub des Rhododendron impeditum ist, seine teils blaugrüne, teils graugrüne Färbung der Blätter und der angenehme Duft, den der Kleinstrauch bei einer Berührung seines Laubkleids verbreite.


Bild 03 Blüte, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)

Quelle:  https://garten-von-ehren.de/kleinblaettriger-rhododendron-ramapo-rhododendron-impeditum-ramapo-Rhododendron-im-Ramapo

Blüten:
Das veilchenblaue Blütenmeer breitet sich über den gesamten Blütenstrauch aus.
Die violett- bis rosafarbenen Blüten erscheinen kurzzeitig von Ende April bis Mitte Mai.
Der Rhododendron impeditum setzt seine Blüte aus je 2 bis 3 Einzelblüten zusammen, die ein Blütenbüschel ausbilden.
Sie bilden zu viert eine trichterförmige Krone mit einer Breite von etwa 2,5cm. Die Blüte besitzt 10 Staubblätter, die weit herausragen. An der Basis sind diese etwas behaart. Die eiförmigen Fruchtkapseln sind schuppig und 0,5cm lang.

Rhododendron impeditum ist giftig.

Wie fast alle Vertreter der Gattung enthält er Grayanotoxine (früher auch Andromedotoxin genannt), die als Nervengifte wirken.

Andromedotoxin (auch bekannt als Acetylandromedol, Rhodotoxin oder Asebotoxin) ist ein giftiges Diterpen, das hauptsächlich in Pflanzen der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) wie Rhododendren vorkommt.
Es ist der Wirkstoff, der in sogenanntem "mad honey" (verrückter Honig) aus der Schwarzmeerregion zu schweren Vergiftungen führen kann.

Besonders Kinder sind gefährdet, wenn sie mit den Blüten spielen oder Pflanzenteile in den Mund nehmen. Bereits der Verzehr geringer Mengen kann zu Übelkeit, Erbrechen, vermehrtem Speichelfluss und Schwindel führen. In schweren Fällen sind Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und Atemnot möglich.
Für Hunde und Katzen ist die Pflanze hochgiftig.

Fast alle Rhododendron-Arten – nicht eingeschlechtig, sondern zwittrig (bisexuell).

Das bedeutet: Jede einzelne Blüte besitzt sowohl männliche Staubblätter (die Pollen produzieren) als auch weibliche Fruchtblätter (mit der Narbe zur Aufnahme der Pollen).Die Pflanze ist also zur Selbstbestäubung fähig, wird aber in der Natur meist durch Insekten (Hummeln und Bienen) fremdbestäubt.

Zur Abgrenzung:
Eingeschlechtige Pflanzen (wie z.B. die Weide oder der Sanddorn) haben entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten auf einem Exemplar. Das ist bei Rhododendren nicht der Fall.

Botanisch zählt der Kleinblättrige Rhododendron zur Gruppe der lepidoten Rhododendren.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen (lepidōtós = schuppenbedeckt).

Das bedeutet:

Schuppen statt Haare: Im Gegensatz zu anderen Arten sind Blätter und Zweige mit winzigen, schildförmigen Drüsenschuppen bedeckt.

Aromatisches Laub: Diese Schuppen enthalten ätherische Öle. Reibt man die Blätter zwischen den Fingern, verströmen sie einen intensiv harzigen, würzigen Duft..

Blattmorphologie und Austrieb Blattfarbe: Die Blätter sind im Austrieb oft bläulich oder silbrig-grau bereift und verfärben sich erst später in ein dunkleres Graugrün bis Dunkelgrün.

Größe: Die Blätter gehören mit nur 0,8 bis 1,5 cm Länge zu den kleinsten in der gesamten Gattung, was der Pflanze ihr feines, fast heidekrautähnliches Aussehen verleiht.

Blütenbiologie Staubblätter: Eine Besonderheit der Blüte sind die 10 weit herausragenden Staubblätter, die oft länger als die Blütenkrone selbst sind und an der Basis fein behaart sein können.

Der Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum) wurde erstmals von den schottischen Botanikern Sir Isaac Bayley Balfour (1855 – 1922) und Sir William Wright Smith (1875 -1956) im Jahr 1916 wissenschaftlich beschrieben.
Die Erstbeschreibung erfolgte in den Notes from the Royal Botanic Garden Edinburgh.
Die Art wurde 1911 in Europa eingeführt.

Systematik:
Ordnung:  Heidekrautartige (Ericales)
Familie:    Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie:    Rhododendroideae
Tribus:    Rhododendreae
Gattung:    Rhododendren
Trivialname: Veilchenblauer Rhododendron, Zwerg-Rhododendron, Zwerg-Alpenrose
Wissenschaftlicher Name:: (Rhododendron impeditum)
Syn.: Rhododendron semanteum
Englische Bezeichnung: Small-leaved rhododendron

Es gibt über 1000 Rhododendren - Arten.
Der Gattungsname Rhododendronwurde aus den griechischen Bezeichnungen rhodon (Rose) und dendron (Baum) gebildet.
Der Name impeditus lat.: gehemmt, behindert, eventuell auf die geringe Höhe der Pflanze bezogen.


Teil 1
Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 04 Transportbehälter, Pflanzenproben im AFE 1 – Gemisch

Foto: H.-J_Koch

AFE 1 – Gemisch:
69,35 ml Ethanol verg. 96 %
20,65 ml Aqua dest.
5,0 ml Formol 40 %
5,0 ml Eisessig
Es konserviert Proben über Jahre.

Bild 05 Schnittstellen, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)


Foto: H.-J_Koch

Bild 06 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 07 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 08 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 09 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)


Bild 10 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)


Bild 11 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000

Bild 12 Übersicht, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 13 Primärer Markstrahl, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)


Als primäre Markstrahlen (auch primäre Holzstrahlen genannt) bezeichnet man in der Botanik und Holzwissenschaft radiale Gewebestränge, die direkt im Mark im Zentrum des Baumstammes oder Pflanzenstängels beginnen und den gesamten Holzkörper bis zur Rinde durchziehen.

Während die vertikalen Leitungsbahnen Wasser und Nährstoffe von den Wurzeln in die Blätter transportieren, sichern die Markstrahlen die Querverteilung. Sie versorgen das lebende Gewebe im Inneren des Astes und dienen der Pflanze als Stärkespeicher. Diese gespeicherte Energie benötigt der Rhododendron für den Austrieb im Frühjahr.

Das Gewebe rund um die Markstrahlen versorgt den neuen Austrieb direkt aus dem alten Holz heraus, sodass die Pflanze selbst nach einem Schnitt bis auf dicke Stümpfe wieder buschig austreiben.

Sekundäre Holzstrahlen werden erst später durch das Dickenwachstum vom Kambium neu angelegt. Sie enden innen blind im Holz.

Bild 14 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 15 Detailaufnahme mit Beschriftung, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)

MP = Markparenchym, XY = Xylem, J = Jahresringgrenze, K = Kambium, EP = Epidermis, PH = Phloem, PE =  Periderm

Bei diesem zweijährigen Spross hat das Dickenwachstum eigesetzt, das die primäre Begrenzung des Sprosses aus Rindenparenchym, Epidermis und Citicula ablöst.
Von der Epidermis sind nur noch Reste zu sehen.

Bild 16 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 17 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 18 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Teil 2
Spross, Längsschnitt
25 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 19 Übersicht, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 20 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 21 Holzstrahl, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 22 Übersicht, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 25 Markparenchym, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)



Teil 3
Blatt, Querschnitt
25 Mikrometer

Bild 26 Übersicht, Negativaufnahme, ungefärbter Schnitt, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 27 Detailaufnahme, Negativ, ungefärbter Schnitt, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 28 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron (Rhododendron impeditum)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 29 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 30 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)



Teil 4
Blattstiel, Querschnitt
25 Mikrometer

Bild 31 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 32 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 33 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 34 Detailaufnahme, Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)


Bild 35 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Kleinblättrige Rhododendron  (Rhododendron impeditum)



Literaturverzeichnis:

Bärtels, A., Roloff, A. (2008): Flora der Gehölze. Eugen Ulmer KG – Stuttgart.

Bruns (2023): Allgemeine Informationen Rhododendron impeditum zuletzt aufgerufen am 19.04.2023

Erhard Moser (1991): Rhododenren Wildarten & Hybriden, Neumann Verlag GmbH – Radebeul

Bärtels, Andreas (2001): Enzyklopädie der Gartengehölze, Stuttgart, Deutschland, Ulmer

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7

P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

,,Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen", ISBN: 978-3-89996-508-7

,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1966


Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen

Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Manfred Rath

Hallo Hans Jürgen,

Dein Beitrag ist wie immer umfassend recherchiert,aufgearbeitet und bebildert, für mich immer wieder Ansporn,
auch mich mit botanischen Schnitten zu  befassen,  danke dafür.

Auch an dich die Frage:Mein AFE ist bald verbraucht, ist Ethanol (70%?) für das Aufbewahren der Proben verwendbar?

Grüße aus der Steiermark
Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Wutsdorff Peter

Guten Abend  Hans-Jürgen,
ich bin wieder einmal, wie der Berliner sagt, BAFF, tolle Aufnahmen.
Die Beschreibungen begeistern mich immer wieder.
Gratulation
In Bild 31 sieht man Haare in Bild war er beim Frisör? Wozu dienen Haare?
Man sieht  Rh. oft in Vorgärten?
Gruß  Peter W

Daniel Scheibenstock

Hallo lieber Hans Jürgen,

Als Zierpflanze habe ich die Pflanzenart gekannt, - das du uns die Wildpflanze  präsentieren kannst ist sensationell 💪

Vielen Dank,

Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol, DIC, PH)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Olympus SZX12
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

ein super Beitrag, wie immer!
Was mich am meisten fasziniert, sind die großlumigen Zellen basal in Blattstiel und Blatt (Mittelrippe). In der Autofluoreszenz erscheinen sie intensiv grün. Nun kenne ich mich nicht mit Fluoreszenz aus, deshalb die Frage: Haben diese großlumigen, dünnwandigen Zellen Deiner Kenntnis nach eine besondere Funktion (z.B. Wasserspeicher o.ä.)? Was bedeutet es, dass sich diese Zellen in der Autofluoreszenz so grün darstellen?

Beste Grüße

Peter

P.S. Natürlich nehme ich diesen Rhododendron gerne in die Botanik-Liste mit auf.
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch



Liebe Pflamzenfreunde,

Manfred, Peter W., Daniel und Peter T.,

danke für die lobenden Worte.

@ Manfred,

zum fixieren von Pflanzen verwende ich nur das AFE – Gemisch.
Es konserviert Proben über Jahre.
Das Formol (40%) ist für Privatpersonen schwierig zu kaufen.
Kusuri Formalin 30%  zur Behandlung bei Parasitenbefall für Koi und Zierfische gibt es im Handel.

@ Peter W..

ich fertige viele Quer- und  Längsschnitte von den Pflanzenproben an.
Die Schnitte liegen alle in verschiedenen Ebenen.
Angeschnittene Haare werden aussortiert.
Suche mir aus den Ebenen die besten heraus und erstelle Dauerpräparate.
Bei der Bildbearbeitung (Hintergrund aufhellen) verschwinden schon mal einige transparente Trichome.

Das Lexikon sagt zu den Haaren folgendes:

Trichome (Haare)

Haare (Trichome) bilden sich aus einer oder mehreren Epidermiszellen. Sie haben viele verschiedene Funktionen. Folgenden Haarformen werden unterschieden:

Haare allgemein
Haare sind meist abgestorbene Emergenzen auf der Blattoberfläche. Sie schützen die Blattoberfläche vor starker Verdunstung durch Wind und schützen somit vor Austrocknung. Sie dienen auch als Fraßschutz (vor allem durch Insekten und Schnecken) oder zusätzlich als Sonnenschutz, wie bei einigen Kakteen, z. B. dem Greisenhaupt (Cephalocereus senilis).

Drüsenhaare
Drüsenhaare haben ein verdicktes Köpfchen, in dem eine Flüssigkeit eingeschlossen ist (oftmals ätherische Öle), die bei Berührung platzt. Der intensive Duft dient zum Fraßschutz und zur Abwehr. Andere sondern eine Flüssigkeit ab, an der zum Beispiel Insekten kleben bleiben (Sonnentau, Drosera spec.). Eine Sonderform der Drüsenhaare sind sogenannte Nektarien, die Nektar für die die Blüte besuchenden Insekten absondern.

Brennhaare
Die Brennhaare der Brennnessel (Urtica dioica) haben an ihrer Spitze eine verkieselte Sollbruchstelle, an der das Köpfchen bei Berührung abbricht. Die Spitze des restlichen Haares dringt in die Haut ein und sondert Ameisensäure ab, wodurch das brennende Gefühl entsteht.

Klimmhaare
Klimmhaare dienen einer Pflanze zum Klettern oder zur Verbreitung (Klettenlabkraut, Galium aparine).

Fühlhaare
Die Fühlhaare der Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) ,,melden" der Pflanze, dass ein Insekt auf der Falle herum trampelt. Bei der ersten Berührung passiert noch nichts, bei der zweiten (die innerhalb von zwei Sekunden geschehen muss), schnappt die Falle durch einen schlagartig erschlaffenden Turgor im Innern blitzschnell zu.

Absalz- oder Blasenhaare
Absalzhaare werden von an der Küste lebenden Salzpflanzen (Halophyten) genutzt, um überschüssiges Salz auszuscheiden. Dazu wird das Salz aktiv (unter ATP-Verbrauch) in die obere, blasig ausgebildete Zelle des zweizelligen Haares transportiert. Dieses weist eine Sollbruchstelle auf. Wenn das Haar abstirbt, fällt die Blase ab oder platzt und das Salz kann durch Niederschlag ausgewaschen werden.

Saughaare
Saughaare dienen epiphytischen Pflanzen zur Wasseraufnahme von der Blattoberfläche oder aus selbst gebildeten Regensammelblättern.

Hydathoden
Hydathoden sind eine spezielle Form wasserabscheidender Drüsen, über die Pflanzen bei sehr hoher Luftfeuchte Wasser aktiv oder passiv ausgescheiden.

@ Peter,

die Autofluoreszenz sollte möglich sofort nach der Probenentnahme aufgenommen werden.
Mein Bild ist leider mit einem fixierten Schnitt entstanden.


Besonderheit beim Rhododendron:

Der Petiolus Stiel ist massiv und starr. Er besitzt an der Basis ein sogenanntes Blattpolster am Stängel. Dies ermöglicht es der Pflanze, die kleinen Blätter bei extremer Kälte oder Trockenheit zu rollen und herabhängen zu lassen. Dies ist ein cleverer Verdunstungsschutz, um Wasserverluste im Winter zu verhindern.

Das Grundgewebe (Parenchym) füllt den restlichen Raum aus. Es enthält oft Chloroplasten, weshalb der Blattstiel grün ist und selbst Photosynthese betreibt.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank für Deine Ausführungen zum Blattpolster!

Noch eine Anmerkung zu Haaren: Auf Bild 26 könnte links ein spezielles Drüsenhaar (peltates Trichom) zu sehen sein. Ohne Vergrößerung ist das aber unsicher.

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Manfred Rath

Hans Jürgen, danke für deine Antwort bzgl. AFE, auch ich habe es jahrelang benutzt, eine Kollegin in unserem Werkslabor hat es mir immer wieder zubereitet.

Nun bin ich in Pension, somit ist meine Quelle versiegt,  Ethanol ist käuflich erwerbbar- auch Peter(T) verwendet es, was sind denn nun die Nachteile im Vergleich zu AFE?

Danke im voraus, Manfred


Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Hans-Jürgen Koch

Lieber Peter,

du hast scharfe Augen.
Ich habe von der Stelle am Blatt eine Vergrößerung aufgenommen.


Trichom ?
Für mich eher eine Blattschuppe.

Auf den 5 Objektträgern (Querschnitt – Blatt) nur an einer Stelle im Bild 26 ist diese  spezielle Struktur zu finden.

@ Manfred,

ich denke, das Ethanol härtet die Pflanzenprobe zu stark.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Wutsdorff Peter

Guten Abend Hans-Jürgen,
""du hast scharfe Augen.""
vielen Dank für Dein Lob.
Als ehem. Turbinen-Inbetr.-Setzungs-Ing. habe ich gelernt, kleinste Unregelmäßigkeiten am Schreiber einer Meßgröße zu erkennen. Dann bahnte sich oft ein Schaden an. Heute wird nichts mehr geschrieben, es wird digitalisiert und abgespeichert, kein Schwein sieht sich das Abgespeicherte mehr an; man nimmt einen eventuellen Schaden in Kauf.
Hier kommt es  `Gott sei Dank` nicht zu einem Schaden.
Ich bewundere immer wieder Deine prachtvolle Fotos.
Ich habe mir alle Fotos kopiert, in denen Du die Bezeichnungen eingetragen hast. Dann kann ich in den Ferien lernen. `Üben übt` wie der Berliner sagt.
Mit `querschnittigen` Grüßen
Peter W

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

genau, Blattschuppen sind peltate Trichome. Hab ich doch richtig gesehen ...
Danke Dir für das Detailbild.

Beste Grüße nach Weyhe

Peter
Liebe Grüße
Peter