Fehlerteufel der besonderen Art

Begonnen von peter-h, April 15, 2010, 18:24:25 NACHMITTAGS

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peter-h

Liebe Diatomeenpräparatoren !

Ein Pol-Bild und Diatomeen  ???

Manche Diatomeen-Sammler geben in gereinigte Proben einen Tropfen Formaldehyd um Verpilzungen zu verhindern. Das hilft und sollte nicht stören. Leider mußte ich nun feststellen, dass sehr merkwürdige "Kristallisationen" bei einigen neu gefertigten Präparaten auftraten. Also Leerversuche mit den möglichen Substanzen, welche in irgend einer Weise mit der Präparation zu tun haben. Hier der Übeltäter !



Formaldehyd nach der Trocknung im Pol + Rot 1.  Schön bunt - hat aber nix zu suchen  >:(

Gibt es ähnliche Erfahrungen?

Gruß
P. Höbel


Klaus Henkel

Zitat von: peter-h in April 15, 2010, 18:24:25 NACHMITTAGS
Liebe Diatomeenpräparatoren !

Ein Pol-Bild und Diatomeen  ???

Manche Diatomeen-Sammler geben in gereinigte Proben einen Tropfen Formaldehyd um Verpilzungen zu verhindern. Das hilft und sollte nicht stören. Leider mußte ich nun feststellen, dass sehr merkwürdige "Kristallisationen" bei einigen neu gefertigten Präparaten auftraten. Also Leerversuche mit den möglichen Substanzen, welche in irgend einer Weise mit der Präparation zu tun haben. Hier der Übeltäter !

Formaldehyd nach der Trocknung im Pol + Rot 1.  Schön bunt - hat aber nix zu suchen  >:(

Gibt es ähnliche Erfahrungen?
P. Höbel

Hallo Herr Höbel!
Wenn es sich um Formol (35-40 %) handelt, dann könnten die Verunreinugungen auf Paraformaldehyd zurückzuführen sein. Es entsteht im Formol oder am Flaschenhals als weißes Pulver bzw. kristallin, wenn das Formol gekühlt aufbewahrt wird (Zimmertemperatur ist wichtig und richtig), oder wenn der Flaschenhals nach dem Ausgießen nicht sauber abgewischt wird). Das P. mindert die Wirkung des F. so stark, daß es als Fixier- oder Konservierungsmittel wirkungslos, unbrauchbar wird.
Gruß KLHJ

steffenclauss

Hallo Peter,

es ist auch gut möglich das zur Stabilisation der Formalinlösung Harnstoff zugefügt wurde, welche nun als Rückstand überbleibt und diese bunten Bilder im POL verursacht. Formalin wird oft mit Methanol oder Harnstoff stabilisiert um die Bildung von Paraformaldehyd zu vermeiden.

viele grüße
Steffen Clauss

peter-h

Danke für die Hinweise.

Jedenfalls sollte man sich also gut überlegen wann und wo man Formaldehyd einsetzt. Es geht jetzt bei der Miniprobe nur durch sehr vorsichtiges auswaschen , sprich dekantieren der "Brühe", ergänzen mit sauberem Aqua.bidest. usw.
Hoffentlich mit wenige Materialverlust.

Wieder etwas dazu gelernt.

Grüße
Peter Höbel

Hyperion

Formalin welches teilweise polimerisiert ist, ist keineswegs unbrauchbar, der Vorgang ist reversibel und man kann es wieder in Lösung bringen.

(Achtung ich spreche nicht von der Verwendung als Fixiermittel, damit kenne ich mich nicht aus)

felix

Lieber Herr Höbel,

ich gestehe: Ich bin so einer, der Diatomeen in AqDest+Formol aufbewahrt.  Vor dem Auftropfen für ein Streupräparat wasche ich manchmal die Probe kurz durch.  Manchmal tue ich das auch nicht -- vor allem dann nicht, wenn es sich es sich um besonders kleine oder zerbrechliche Formen handelt.  Das Risiko, daß irgendwo etwas auskristallisiert, gehe ich ein, da ich ja nur einige (na ja, schon möglichst viele) gute, d.h. photographierbare Exemplare brauche.

Ihre Pol-Aufnahme zeigt einen recht dramatischen Effekt.  Ist davon auch etwas im normalen Hellfeld bemerkbar?  Bei der Gelegenheit habe ich drei weitere Fragen:

1.  Was macht die Betrachtung von Kieselalgen in polarisiertem Licht interessant?

2.  (An die Chemiker:) Wie stelle ich fest, ob mein Formol noch gegen Schimmel etc. effektiv ist?

3.  Was kann ich tun, um Formol möglichst dauerhaft zu stabilisieren, ohne daß meine Algen unter dem Zusatz leiden?  (Ich beziehe meine Formol in 250ml-Chargen aus der Apotheke.)

(Ich hoffe, jetzt habe ich nicht eine einschlägige Stelle aus der Mikrofibel vergessen, lieber Herr Henkel.)

Mit bestem Gruß -- felix
"Du" angenehm.

peter-h

Hallo felix  und Mitleser dieser Fehlerquelle,

es ist schwer vorstellbar, aber leider recht dramatisch !
Eine Miniprobe mit sehr seltenem und für mich wertvollem Material sollte zu Dauerpräparaten verarbeitet werden. Auf den ersten Blick eine einfache Aufgabe.
Aber dann !
Ganz gleich nach welchen Methoden ich die Herstellung von Präparaten versuchte, es bildeten sich extrem störende Muster. Nicht unbedingt an allen Stellen im Präparat, aber zu 95% doch störend bis unbrauchbar.


Corethron   PlanApo 25 , schiefe Beleuchtung zur besseren Sichtbarmachung der "Kristalle".

Grauenhaft !
In dieser dünnen Schicht war keine opt. Aktivität nachweisbar. Doch kein Formaldehyd oderPara.... ?
Also eine Probe vorsichtig mit HCl behandelt und nach kurzer Einwirkzeit mit Aqua.bidest. ausgewaschen.


Ergebnis , sieht sehr vielversprechend aus !  Nun wird weiter "geforscht"  ;D

Zu 1.
Kieselalgen im polarisierten Licht nur um störende Kristallbildung zu erkennen.

Zu 2.
Das würde ich auch gerne wissen  :)

Zu 3.
Ich denke für die Zukunft an Isopropylalkohol für die Aufbewahrung oder 1:1 mit Aqua.bidest.
Aber auch hier Vorsicht !!!
Isopropylalkohol 70% aus einer Apotheke gab mir auch eine harte Nuß zu knacken. Es steht nicht auf der Flasche, was noch als Zusatzstoff enthalten ist, aber rein ist diese Mixtur nicht !  Also nur wirklich sauberes Isoprop 99,9% mit Zertifikat aller Anteile verwenden. Man lernt nie aus.  :D
Jetzt sind die langjährigen Erfahrungsträger gefragt.  ;D  Ich bin leider weder Chemiker noch Pharmakologe.

Schönes Wochenende und Grüße
Peter

Hyperion

ZitatWas kann ich tun, um Formol möglichst dauerhaft zu stabilisieren, ohne daß meine Algen unter dem Zusatz leiden?  (Ich beziehe meine Formol in 250ml-Chargen aus der Apotheke.)

Handelsübliches Formaldehyd ist normalerweise bereits mit Methanol stabilisiert.

Trotzalledem kann es in der Kälte polymerisieren (GGW Verschiebung durch schlechtere Löslichkeit).