Historische Diatomeen Präparate : Eunotia triodon

Begonnen von Carsten Wieczorrek, Juni 04, 2026, 20:28:54 NACHMITTAGS

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Carsten Wieczorrek

Hallo,
hier kommt ein weiteres historisches Kieselalgen-Präparat. Und diesmal ein echtes Meisterwerk der Legekunst.

Dieser Objektträger entspricht mit 1,1 mm fast der heutigen Norm. Die Kanten sind geschliffen und gerundet. Das verwendete Deckgläschen ist rund und hat 10 mm im Durchmesser. Es gibt einen breiten schwarzen Lackring. Auf dem Objektträger befindet sich rechts ein ovales Etikett. Handschriftlich ist dort vermerkt "Eunotia triodon". Links von dem Deckglas befindet sich ein rundes Etikett mit dem gedrukten Text "Watson & Suns LTD, High Holborn, London". Es stammt also aus der späten Watson-Periode (Umbenennung der Firma in LTD). Darunter befindet sich ein weiteres ovales Etikett mit dem handschriftlichen Text "Mounted in Styrax".

Ich habe natürlich auch versucht, herauszufinden, von wem das Präparate angefertigt wurde. Leider hilft die Handschrift hier nicht weiter, das ist eine typische "Watsons Clerk" Handschrift: viele Präparatoren haben der Firma Watsons ihre Präparate unsigniert mit einem Begleitzettel "Was" und "Worin eingedeckt" zugesendet. Die Versandabteilung von Watsons hat dann ihre Firmenaufkleber mit den Angaben beschriftet und aufgeklebt. Damit sind sehr viele historische Präparate "anonym".

Einen Beweis, wer es präpariert hat, kann ich nicht liefern. Aber ich habe mich natürlich mit KI Hilfe daran versucht. Es gibt einen Verdacht mit laut KI 90% Wahrscheinlichkeit. Samuel Henry Meakin. Woher kommt die Vermutung? Erst mal anhand der Zeit. Die Geschäftsbeziehungen von Watson und Meakin bestanden hauptsächlich in der "LTD" Zeit. Dann aber von dem Präparat selber. Das ist kein Streupräparat, sondern gelegt. Dort sind 12 Algen in zwei konzentrischen Kreisen gelegt. Eunotia ist sehr klein. Der äußere Kreis hat einen Durchmesser von etwa 220 µm. Vom inneren Kreis kann mal alle 6 Algen mit dem 100er Objektiv zumindest teilweise gleichzeitig sehen! Angeblich (KI) ist Meakin für solche Kreis-Präparate bekannt. Er ist auch einer der ersten der einen "machanical finger", also einen Mikromanipulator, verwendet hat. Ein Beispielfoto konnte mir die KI aber leider nicht liefern.

Hier kommt Bild 1.


20260604_165432.jpg
Bild 1: der Objektträger



Historischer Hintergrund: Samuel Henry Meakin (1876 – 1955)
Geboren: 1876 in Sheffield, Yorkshire, England.
Hauptberuf: Meakin war ausgebildeter Ingenieur.
Der mechanische Finger: Anders als Biologen oder Apotheker ging Meakin an die Mikroskopie wie an den Bau einer Präzisionsmaschine heran. Da ihm die freie Handarbeit zu zittrig war, erfand und konstruierte er einen komplexen "Mechanischen Finger" für das Mikroskop-Stativ. Mit Mikrometerschrauben und einer einzelnen Schweinswimper konnte er so Kieselalgen völlig zitterfrei im Tausendstel-Millimeter-Bereich verschieben.

Meakin wurde weltberühmt für seine sogenannten "Exhibition Slides". Statt hunderte Algen in simple Raster zu legen, erschuf er winzige, geometrisch perfekte Rosetten, konzentrische Kreise und Sterne.
Er entwickelte eigene, extrem aggressive Säure-Waschverfahren, weshalb seine Präparate bis heute als die saubersten historischen Diatomeen-Legungen der Welt gelten.

Da er zu den besten seines Fachs gehörte, lieferte er viele seiner Meisterwerke anonym als Zulieferer an die große Londoner Optikfirma W. Watson & Sons Ltd., wo sie von Büroangestellten mit den typischen Watson-Etiketten versehen wurden.

Meakin behielt sein Wissen nicht für sich. In den 1930er und späten 1940er Jahren publizierte er (teils mit C. Swatman) eine legendäre Artikelserie in der britischen Fachzeitschrift ,,The Microscope". Diese galt jahrzehntelang als die absolute "Bibel" für das Reinigen und Legen von Diatomeen.

Zusammen mit J. W. Barker untersuchte er seltene fossile Kieselguren (u. a. aus Oamaru, Russland und Kalifornien). Das Duo entdeckte Dutzende neue Arten und publizierte im Journal of the Quekett Microscopical Club.

Meakin starb 1955 im Alter von 79 Jahren.


Was sieht man auf dem Präparat? Wie üblich absolut ungeputzt.


hell_10.jpg
Bild 2: Übersicht mit dem 10er Planapochromaten im Hellfeld


dik_10.jpg
Bild 3: Übersicht mit dem 10er Planapochromaten im DIK


dik_10_dunkel.jpg
Bild 4: Übersicht mit dem 10er Planapochromaten im DIK, Dunkelstellung

Viel Spaß beim Betrachten und einen schönen Abend,

Carsten


ACHTUNG: es geht noch weiter, bitte etwas Geduld.
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako

Carsten Wieczorrek

So, Teil 2.
Wie üblich die etwas höher vergrößernden Objektive.


dik_40_achro.jpg
Bild 5: Eunotia triodon, DIK, GF Planachromat 40/0,65


dik_40_apo.jpg
Bild 6: Eunotia triodon, DIK, Planapochromat 40/0,95


dik_100.jpg
Bild 7: Eunotia triodon, DIK, GF Planachromat 100/1,32



dik_100_schief.jpg
Bild 8: Eunotia triodon, DIK + Schieflicht, GF Planachromat 100/1,32
Für's grobe : GSZ 1
Zum Durchsehen : Amplival Hellfeld, Dunkelfeld, INKO, Phasenkontrast
Zum Draufsehen : Vertival Hellfeld, Dunkelfeld
Zum Polarisieren : Amplival Pol u Auf-/Durchlicht
Für psychedelische Farben : Fluoval 2 Auflichtfluoreszenz
Für farbige Streifen : Epival Interphako