Lizonia sexangularis Döbb.& Polt. und Polytrichum sexangulare *

Begonnen von A. Büschlen, Juni 26, 2026, 14:32:11 NACHMITTAGS

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A. Büschlen

Hallo,

Etwas aus dem kurzen Leben von L. sexangularis.
P. sexangulare, das Schneeboden-Wiedertonmoos, ist eine Pionierpflanze und Teil der Pflanzengesellschaften in den Schneetälchenfluren auf Silikatgestein. 9-10 Monate liegt hier der Schnee. Die Zeit ist kurz, in der im Moospolster neue Triebe wachsen. Mit P. sexangulare lebt Lizonia sexangularis Döbb.& Polt., ein Ascomycet, der seine kleinen Fruchtkörperchen in den Antheridienständen bildet. Die befallenen Triebspitzen sterben ab.  Deshalb besiedelt dieser Bryoparasit jedes Jahr die heranwachsenden Antheridienstände. Sporen keimen und es bildet sich ein Mycel auf der Wirtspflanze. Sobald sich dies optimal entwickelt hat, wachsen die Fruchtkörper. Nun kann der bryoparasitisch interessierte Mikroskopiker auf die Suche gehen. Doch diese Schneetälchen liegen oft weit ab... oben in den Bergen und die befallenen Moospolster findet Mann nur mit dem lupenbewehrten Auge auf den Knien über Stock und Stein.

Die Fruchtkörper sind schwarz, rundlich mit einer aufgesetzten Spitze.
Die Asci  bitunicat; 8-sporig; Die Sporen hellbräunlich, 2-zellig, vereinzelt zeigen Sporen 2 Septen. Sporengrösse: bei 61 in Wasser gemessenen Sporen zeigt sich eine durchschnittliche Länge von 27,8µm ( 21 – 24,9 – 30,7 – 32,6µm) und eine Breite 8,5 – 9,6µm.

Als Wirt ist Polytrichum sexangulare  bekannt. Die Fruchtkörper bilden sich in den Antheridien-Ständen.

Am Weg zum Lej Muragl > 2700 m.ü.M. mit Primula hirsuta.

Beim Lej Muragl 1200.JPG

Soldanella pusilla.

Soldanellen 1200 .JPG

Polytrichum sexangulare mit den heranwachsenden rostroten Antheridien.

P. sexangulare Standort Lej Muragl 1200 .JPG

P. sexangulare, Blattquerschnitt.

P. sexangulare Blatt quer 1200 total .JPG

Ein Bestimmungsmerkal von P. sexangulare sind die glatten Endzellen der Längslammellen auf dem Blatt und ihre Zellwände sind verdickt.

P. sexangualre Blatt Quer L spitzen 1200 .JPG

Letztjähriger Antheridienstand mit den Fruchtkörpern von L. sexangularis. Balken 0,5mm.

P. sexangulare mit Perithecien im Antheridienstand 1200 0,5mm.JPG

L. sexangularis; die Asci sind 8 - sporig. Balken 20µm.

L. sexangularis Asci mit Sporen 100 Balken 20µm 1200 .JPG

L. sexangularis; Sporen im DIC und Hellfeld. Balken 20µm.

L. sexangularis Sporen 100  Balken 20µm 1200 .jpg

Grüsse Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Daniel Scheibenstock

Hallo Arnold,

Das finden klingt ja recht mühsam, vielen Dank das du das für uns gemacht hast und mit tollem Bildmaterial ausgestattet hast ☺️

Liebe Grüße,

Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol, DIC, PH)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Olympus SZX12
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

purkinje

Hallo Arnold,
tolle zelluläre Einblicke in diese hochalpinen Überlebenskünstler.
Beste Grüße Stefan

Peter T.

Hallo Arnold,

tolle Darstellung, die ich gerne in die Botanik-Liste aufnehme.

Was ich bei Deinen Beiträgen insbesondere schätze, sind die hervorragenden Habitataufnahmen!


Schöne Grüße

Peter

Alex H.

Hallo Arnold,

vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag. Lizonia sexangularis und Polytrichum sexangulare sind ein schönes Beispiel dafür, wie eng verflochten die Lebenszyklen und Grundlagen viele Arten sind. Gerade in extremen Lebensräumen wie Mooren oder eben hochalpinen Lagen ist das gar nicht mal so selten. Während das bei Blütenpflanzen und ihren oftmals spezialisierten Bestäuberinsekten eher bekannt ist, sind spezialisierte Bryoparasiten wohl deutlich weniger prominent.

Zitat von: A. Büschlen in Juni 26, 2026, 14:32:11 NACHMITTAGSNun kann der bryoparasitisch interessierte Mikroskopiker auf die Suche gehen. Doch diese Schneetälchen liegen oft weit ab... oben in den Bergen und die befallenen Moospolster findet Mann nur mit dem lupenbewehrten Auge auf den Knien über Stock und Stein.

Vielleicht wäre ein Fernglas, welches auch den Nahbereich bis 50 cm abdeckt und wie eine Lupe verwendet werden kann ohne sich dabei auf den Boden legen zu müssen, auch für dich eine interessante Investition, um zumindest die Wirtspflanzen aufzuspüren. Ich nutze es seit Jahren mit Begeisterung. Vor allem beim Auffinden von Riccia hat es mir auf extrem nassen Boden schon manches erspart. Den Tipp zu diesem (Nah- und) Fernglas bekam ich hier im Forum: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=43917.0

Grüße
Alex

A. Büschlen

Hallo,

danke für eure Rückmeldungen.

Alex: solange ich noch kann, mache ich es so ;) :

der Suchende .JPEG

Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Siegfried

#6
Hallo Arnold, wie immer, ein hoch interessanter Beitrag den ich mit Freude gelesen habe, auch wenn ich mich nicht allzu oft mit Botanischen Themen befasse, aber mich der Natur im Allgemenen sehr nah fühle.
  Gruß von Siegfried
PS: passt zwar nicht zum Thema, unser Turmfalkenpärchen hatte dieses Jahr 6 Junge, die auch unter der Hitze gelitten haben, aber Gott sei Dank vor 3 Tagen noch vor der größten Hitze ausgeflogen sind.