Botanik: Schöllkraut (Chelidonium majus): Samen in Fluoreszenz und Streiflicht *

Begonnen von Peter T., September 29, 2026, 18:59:37 NACHMITTAGS

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Peter T.

Zum Schöllkraut habe ich im Rahmen der Pflasterritzenflora bereits einen (damals noch etwas holprig-oberflächlichen) Beitrag veröffentlicht:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=50024.msg365718#msg365718

Die Samen hat vor gut 10 Jahren Heiko sehr schön in Szene gesetzt:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=21311.msg159336#msg159336

Als Münchner darf ich mich aber an Karl Valentin halten und sinngemäß zitieren:

"Es ist alles schon gezeigt, nur nicht von mir."

In diesem Sinne habe ich mir einen Samen vom Schöllkraut, der seit dem Sommer in Ethanol schlummerte, unter meinem I3-Würfel und im Streiflicht angeschaut. Das Streiflicht wurde noch ethanolfeucht aufgenommen, die Fluoreszenz beim getrockneten Samen:

Bild 1 (Autofluoreszenz, 10x, Stack aus 167 Bildern)

Leica I3, Blau-Anregung, Erregerfilter BP 450–490 nm, Teilerspiegel DM 510 nm, Sperrfilter LP 515 nm

Man erkennt schön die wabig-netzartige Struktur der Oberfläche. Im unteren Bereich ist das Elaiosom zu sehen, ein fettreiches Anhängsel, das Ameisen anlockt. Sie tragen den Samen ins Nest, fressen das Elaiosom und lassen den Samen liegen. Es entsteht aus der Raphe und besteht aus kleinen Basalzellen und stark gestreckten Außenzellen, beide reich an Öl.
So haben die Ameisen etwas Nahrhaftes und das Schöllkraut wird verbreitet. (Gab es nicht vor kurzem hier eine Diskussion über Mutualismus?)

Die Wabenstruktur hier noch einmal in einer Vergrößerung aus dem Ausgangsbild:

Bild 2 (Autofluoreszenz, Ausschnitt aus Bild 1)


Die Zellen sind um die 100 µm groß. Die Wände tragen feine Falten, auch die Zellflächen sind fein gerunzelt.

Die Aufnahme im Streiflicht zeigt die Strukturen auf eine andere Weise:

Bild 3 (Streiflicht, Stack)



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Schöne Grüße

Peter






Daniel Scheibenstock

Lieber Peter,

sehr schöne Bilder, jetzt wandle sie noch in Schwarzweiß um dann hast du Aufnahmen die wie SEM wirken  :)

liebe Grüße, Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol, DIC, PH)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Olympus SZX12
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

Peter T.


Rawfoto

Hallo Peter

Das sind sehr schöne Bilder, aber, bei Autofluoreszenz mit blauer Filterung schauen bei mir die Ergebnisse deutlich anders aus. Rottöne bei aktiven Zellen und keine einfarbigen Ergebnisse.

Was ist der Grund warum die Bilder sind wie sie sind?

Gespannte Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Peter T.

Hallo Gerhard,

danke Dir!

Das Rot kommt ja bei der Autofluoreszenz meist vom Chlorophyll. An der Oberfläche des Samens gibt es wohl keins, der Samen ist auch durchgehend braun gefärbt. Außerdem lag die Probe seit Sommer in Ethanol, da wird auch viel Chlorophyll herausgelöst. Man darf nicht vergessen, dass das hier ein reines Auflichtpräparat ist und da sieht man nur die äußere Schicht. Die Zellwände haben offenbar eine monochrome Autofluoreszenz.

Schöne Grüße

Peter

Gerd Schmahl

Hallo Peter,
die Ethanol-Konservierung ist dem Elaiosom wohl nicht so recht bekommen. Sieht nicht mehr so schön appetitlich aus.

Ich hatte vor einigen Jahren schon mal beobachten dürfen, wie sich die Ameisen über die Samen hermachen. Sieht sehr putzig aus, wie sie zunächst versuchen das Ding vor Ort zu knacken, was ihnen aber nicht so recht gelingen will, auch wenn sie dabei regelrechte Kopfstände vollführen, bzw. sich auf die 4 hinteren Beine stellen, sich über den Samen beugen und diesen versuchen mit den beiden Vorderbeinen festzuhalten, um mit den Kiefern am Elaiosom zu zwicken und zu hebeln.

Hier, auf dem Foto, das ich mit der Digitalkamera im Blümchenmodus gemacht habe, sieht man sie die Dinger wegtragen, die ich für sie auf die Gartenterrasse gestreut hatte:


LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Peter T.

Hallo Gerd,

super Foto! Ich staune, dass die Konstruktion so gut hält, dass nicht mal Ameisen mit ihren enormen Kräften das vor Ort schnell mal erledigen können.

Schöne Grüße

Peter

beamish

Soweit ich weiß, sind de Ameisen am Samen selbst gar nicht interessiert, nur am Elaiosom. Dazu werden die Samen zum Bau geschleppt, das Elaiosom entfernt und verfüttert und schließlich die Samen vor den Bau geworfen. So tragen sie zur Verbreitung der Pflanzen (z.B. Veronica) bei. Dafür gibt es den Begriff Myrmekochorie.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Peter T.

Hallo Martin,

genau so ist es!
Ein echter Fall von Mutualismus.

Schöne Grüße

Peter

Rawfoto

Hallo Peter

Autofluoreszenz und Einlegen in Ethanol schließen aus, daher der gänzlich andere Eindruck.

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Peter T.

Hallo Gerhard,

na ja, ausschließen ist zu krass formuliert. Ethanol löst vor allem Chlorophyll und Flavonoide heraus. Was fest in der Zellwand sitzt, also Lignin, Suberin und Kutin, leuchtet auch im Ethanolpräparat weiter.

Aber Du hast Recht, ein frisch geschnittenes Präparat sieht anders aus.

Dass ich Fluo vor allem an Ethanol-Präparaten (nativ, manchmal auch gefärbt) zeige, hat praktische Gründe, nämlich die Aufsammlung von Proben und Lagerung in Ethanol über das Jahr hinweg. Es wächst halt nicht alles direkt vor der Haustür. Für mich ein Kompromiss, mit dem ich leben muss.

Schöne Grüße

Peter