Botanik: Kletten-Krapp (Rubia peregrina)

Begonnen von Peter T., Oktober 26, 2026, 21:18:53 NACHMITTAGS

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Peter T.

Der Kletten-Krapp (oder Wilder Krapp) gehört zu den Rötegewächsen (Rubiaceae), wie Labkraut und Waldmeister. Meine Probe stammt aus Rovinj in Istrien.
Die Pflanze klettert mit kleinen Haken an Stängel und Blatt. Diese Haken haben es in sich. Mit der bloßen Hand ist es schwer, hier eine Probe zu bekommen. Die Haken zeigen an Spross und Blatt nach unten, so dass es fast unmöglich ist, gegen den Strich zu "streicheln". (Gut, wer streichelt auch Pflanzen ...)


Zunächst der Habitus:

Bild 1 (Wikimedia Commons)

Foto: Franz Xaver, ,,Rubia peregrina 1", Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rubia_peregrina_1.jpg

Geschnitten habe ich Spross, Blattansatz und Blatt. Einen Blattstiel hat die Art nicht, die Blätter sitzen direkt am Spross. Die Schnittdicke beträgt 30 µm, gefärbt habe ich mit FCA nach Etzold. Einige Bilder sind nativ.

Zunächst zum Spross:

Bild 2 (nativ, Hellfeld)


Der Querschnitt ist vierkantig, die Kanten sind zu Flügeln ausgezogen. Innen ein geschlossener Xylemring und großzelliges Mark. Auf den Flanken stehen die Haken, im Schnitt in ganzer Länge.

Bild 3 (nativ, Autofluoreszenz)

Leica Filter A: BP 340–380, DM 400, LP 425

Die Hakenwand leuchtet so hell wie die Außenwand der Epidermis. Am hellsten ist der Mantel aus dickwandigen Zellen in den Flügeln.

Bild 4 (FCA, Hellfeld)


Der ganze Querschnitt mit FCA. Jeder der vier Flügel trägt an der Spitze eine Kappe aus dickwandigen Zellen, die sich kräftig blau färbt. Das ist Kollenchym. Dahinter liegt großzelliges Rindengewebe, viele Zellen mit bräunlichem Inhalt.
In der Mitte der Zentralzylinder. Außen ein schmales dunkles Band, vermutlich Kambium und Phloem. Dann der geschlossene Xylemring, rotbraun bis violett gefärbt, mit einzeln stehenden Gefäßen in radialen Reihen, die weitesten außen. Innen das großzellige, dünnwandige Mark, wieder blau.

Jetzt ein Haken im Detail:

Bild 5 (FCA, Hellfeld)


Ein Haken an der Flügelkante. Der Fuß sitzt in der Epidermis und enthält noch einen Zellkern. Die Zellen darunter laufen unverändert durch, es ist also ein Haar und keine Emergenz (wie etwa die Stacheln der Rose, an deren Aufbau auch subepidermales Gewebe beteiligt ist).

Um die Ausrichtung der Haken zu dokumentieren, habe ich den Spross längs geschnitten:

Bild 6 (FCA, Hellfeld)


Fünf Haken auf der Kante, alle zur selben Seite geneigt. Sie zeigen zum Sprossgrund, sind also rückwärts gerichtet. Das ist der Grund, warum "streicheln" nur nach unten, aber nie nach oben funktioniert.

Bild 7 (FCA, Polarisation)


Ein Haken im Längsschnitt, genau median getroffen. Die dicke Wand leuchtet gelb, sie ist doppelbrechend. Das Lumen im Inneren bleibt dunkel und reicht weit in den Kegel hinein, die gekrümmte Spitze ist massiv.
Darunter die Epidermis mit hell schimmernder Außenwand, dann die Rinde mit dunklen, großen Zellen und schließlich die Xylemstränge, die in Blau und Rosa leuchten.

Bild 8 (FCA, DIC)


Ein weiterer Haken im Detail.

Im Spross finden sich auch jede Menge Raphidenbündel, im Längsschnitt besonders gut zu erkennen.

Bild 9 (FCA, Polarisation)



Nun zum Blattansatz:

Bild 10 (FCA, Hellfeld)


Der Schnitt durch den Blattansatz ist dreieckig, mit einem einzigen Leitbündel. Haken stehen auf allen drei Seiten. Auf der Oberseite liegt ein dunkler, krümeliger Belag, in dem die Haken stecken.

Bild 11 (FCA, Polarisation)


Bild 12 (FCA, Polarisation)


Das Leitbündel im Detail erinnert ein wenig an ein Auge.


Nun noch das Blatt:

Bild 13 (nativ, Hellfeld)


Blattquerschnitt mit Mittelrippe und den beiden Spreitenhälften. Die Mittelrippe springt nach unten als Kiel vor.

Bild 14 (nativ, Polarisation)


Bild 15 (FCA, Hellfeld)


Mittelrippe mit einer Spreitenhälfte. Das Xylem bildet einen nach oben offenen Bogen und färbt sich rot. Am Kiel ein großer Haken.

Bild 16 (FCA, Hellfeld)


Der Kielhaken bei höherer Vergrößerung.

Bild 17 (FCA, Hellfeld)


Der besseren Optik halber habe ich den Haken auf den Kopf gestellt. Er hat einen sehr breiten Fuß mit großem, rundem Lumen. Die Wand ist dick und geschichtet, rund 28 µm, die Spitze massiv. Von der Fußmitte bis zur Spitze sind es mindestens 130 µm. Auch hier ist keine Querwand erkennbar, das heißt, wir haben eine einzige Zelle vor uns.

Bild 18 (FCA, DIC)


Im DIC tritt die Schichtung der Wand deutlich hervor. Das Lumen endet unter der massiven Spitze.

Zum Abschluss noch Stomata aus einem Bereich, in dem das Blatt beim Schneiden etwas abgeknickt war und deshalb keinen Querschnitt zeigt, sondern die Epidermis der Unterseite in Aufsicht:

Bild 19 (FCA, Hellfeld)


Bild 20 (FCA, DIC)



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Schöne Grüße

Peter

nils.h

Guten Abend Peter,


beeindruckend. Insbesondere die Bilder 19 und 20 finde ich interessant. Wie hast du denn die »Wellenstrukturen« zwischen den Stomata so schön plastisch dargestellt bekommen? Die sind mir bisher noch nie aufgefallen...


Herzliche Grüße und vielen Dank für die gelungene Präsentation
Nils
Mikroskop: Leitz Orthoplan mit Phasenkontrasteinrichtung

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