Lackierung historischer Messingmikroskope

Begonnen von Alfons Renz, April 21, 2010, 07:15:45 VORMITTAG

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Alfons Renz

Liebe Freunde historischer Mikroskope,

In einem Forum von Museumswissenschaftlers wurde ein 'Messinglack von 1882' für die Lackierung / Restaurierung wissenschaftlicher Instrumente empfohlen, erhältlich bei:

http://www.kremer-pigmente.de/shopint/index.php?cat=06&product=79622

Damit soll keine Werbung betrieben werden. Ich selbst habe (noch) keine Erfahrung mit diesem Produkt, denke aber, dass es eventuell von Interesse sein könnte.

Generell bin ich allerdings der Meinung, alte Lackierungen besser nicht zu verändern und zu bearbeiten, auch wenn das Instrument dadurch "unansehlich" geworden sein sollte. Im Gegenteil, sein heutiger Zustand ist Teil seiner Nutzungsgeschichte und verrät vieles über seine Halter, Nutzung und Behandlung.

Beste Grüße,

Alfons

Jürgen H.

#1
Lieber Herr Renz,

Als Besitzer von zwei alten Leitz Messingmikroskopen möchte ich ebenfalls vor solchen Nachlackierungsversuchen warnen. Natürlich könnte man an einem so alten Mikroskop den ganzen Lack mit Spiritus ablösen, sein Messing anschließend mit einem Poliermittel  fein aufpolieren, um es dann mit einem neuen Lack zu überziehen. Aber wenn ich schon an einem alten Mikroskop Freude habe, dann ist es doch auch gerade die Freude an seiner Geschichte; in meinem Fall: schon der Schwiegergroßvater hat sein Studium damit zugebracht und die Präparate angeschaut, von denen ich ihnen schon einmal außerhalb des Forums schrieb.

Auf Streichinstrumenten befindet sich ein Lack, der ebenfalls regelmäßig aus in Spiritus gelösten verschiedenen Harzen besteht, oft auch aus Harzen, die in  Öl gelöst sind. Auf schönen alten Biedermeiermöbeln ist gleichfalls ein Spirituslack, wie bei den Streichinstrumenten, in mehreren Schichten mit der Hand aufpoliert, ein sehr zeitraubendes und kunstvolles Verfahren. Aber das Ergebnis ist in beiden Fällen ein wunderbar durchscheinender Lack, der mit dem Alter immer schöner wird. Ich weiß leider nicht, wie man die Messingmikroskope lackiert hat. Aber ich vermute, das auch hier das Verfahren einigermaßen aufwendig war. Nur gepinselt ist der Lack kaum.

Selbst Lackmängel retouchieren dürfte nicht ungefährlich sein, weil der Spiritus sofort die alten Lackschichten anlösen würde und das Lackbild hierdurch nur fleckig werden dürfte. Geigenbauer können an ihren Geigen Retouchen anbringen, weil sie die Lackschichten miteinander durch einen Poliervorgang verbinden können.

Mikrogrüße

Jürgen Harst

Hugo Halfmann

Liebe Restaurierer und Bewahrer,

ich glaube, der goldene Mittelweg ist das Ziel. Wenn man ein Gerät mit "Geschichte" besitzt, wird man sicherlich nichts, aber auch gar nichts daran verändern wollen.
Anders sieht´s für mich aus, wenn ich auf dem Flohmarkt oder im www ein total versifftes Schätzchen berge, welches sich in einem erbärmlichen Zustand befindet.
War bei mir letztes Jahr der Fall: ich fand auf dem Flohmarkt die Reste einer wundervollen Apothekerwaage (Kasten mit Schubladen, Messingsäule, Waagenbalken und Überreste der Waagschalen) . Alles verdreckt, fleckig, unansehnlich. Eigentlich was für die Mülltonne, entsprechend gering war der Preis.
Bei solchen Stücken kann man m.E. nicht viel verkehrt machen und dann finde ich es besser, sie in neuem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Ein unvollständiges Gammelteil wird der anno dazumal aufgewendeten Sorgfalt bei der Herstellung dann auch nicht gerecht, und angucken will sich das auch keiner.
Ich verwende aber keine Polierpaste, sondern "bade" die Messingteile in heißem Spülmittelwasser mit reichlich Salmiakgeist. Das Messing wird dann sauber ohne diesen unnatürlichen Polierglanz und das kann man dann auch mit dem von Herrn Renz genannten Lack lackieren.
Die Entscheidung zwischen restaurieren und im alten Zustand belassen ist immer eine Gratwanderung.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Florian Stellmacher

Liebe Freunde historischer Mikroskope,

annähernd die gleiche Diskussion hatten wir schon vor einiger Zeit: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2964.0

Vielleicht ist der verlinkte Thread in diesem Zusammenhang nochmals ganz interessant.

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)