Objektivempfehlung

Begonnen von volki, Oktober 14, 2010, 21:37:38 NACHMITTAGS

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volki

Liebe Objektivexperten,

bitte um eine Empfehlung für ein 40er Hellfeld-Objektiv für mein Zeiss Standard. Hintergrund: ich besitze ein 40er Neofluar Phakoobjektiv und konnte im Vergleich zum 40er Neofluar Hellfeldobjektiv keinen wirklichen Unterschied feststellen hinsichtlich Kontrastleistung (gleiche Einschätzung gilt für die 100er). Anwendung: universal auch für fotografische Anwendung. Es sollte bezahlbar sein, somit dürften neuere Planapos nicht in Frage kommen. Was leisten CZJ-Objektive (z.B. das 40/0.95 Apo) im Vergleich?

Gruß

Volker

rhamvossen

#1
Hallo,

Die Neofluar Objektive sind im Allgemeinen sehr gute Objektive. Aber es gibt einen feinen Unterschied zwischen Phako- und Hellfeld Objektive. Die Farben sind etwas lebendiger mit Hellfeld Objektive. Ich finde einen 40/0.75 Neofluar Objektiv eine bessere Wahl als ein trocken Apo 40/0.95 vor allem wegen der höher Empfindlichkeit für die Deckglasdicke und kleinere Arbeitsabstandes bei der Apo. Beste Grüßen,

Rolf

reblaus

Hallo Volker -

Für einen guten Rat müsste man wissen, was du alles untersuchen willst - bist du Tümpler oder Histologe?
Will trotzdem mal meinen Senf dazu geben:

In den letzten Monaten habe ich viele Zeiss-Objektive in dieser Klasse verglichen (ich nehme dazu immer Diatomeen-Test und einen Blutausstrich).

Ich habe im Hellfeld verglichen:
Neo 40 / Ph2 Neo 40/Neo 100/Ph3 Neo 100:  Der Unterschied ist wirklich sehr fein - Rolf hat das schon gesagt - und ohne Übung kaum zu sehen!
Nachteil der Neos fürs Fotografieren bei Blut und Histos - die Bildfeldwölbung. Bei dicken Pflanzenschnitten oder beim Tümpeln ist das aber völlig  irrelevant.
Vorteil - Kontrast ist soll etwas besser sein und für Áuflichfluoreszenz sind sie weit besser als Planobjektive.

Plan 16 / Ph2 Plan 16: Hier ist der Unterschied deutlicher, der Ring nimmt bei diesem Objektiv mehr von der Apertur weg als bei den entsprechenden Neos.
Plan 40/Plan 100 - mehrere Typen getestet (wegen INKO), leider kein Ph2 vorhanden.
Vorteil der Plan-Objektive: Sie waren neu mal sehr viel teurer als die Neofluoare (auf dem Gebrauchtmarkt ist das allerdings nicht mehr so) und haben ein wirklich planes Bildfeld!
Nachteil: Kontrast soll schwächer sein als bei den Neos, ich merke das aber nicht wirklich. Eventuell ist der Unterschied mit/ohne Phasenring größer als bei den Neofluaren

Weiterer wichtiger Aspekt: Falls man mal mit dem Gedanken spielt mal mit DIC anzufangen (sei es mit INKO alt oder mit DIC neu mit den Schieberchen) , sind die Plans die einzige (sichere) preiswerte Möglichkeit - aber Achtung: Vor allem beim Plan 40 sind die älteren Ausführungen nicht gut dafür geeignet und einen Tausender muss man für Kondensor + Schieber oder Schieberchen + Ring mit Analysator schon einplanen

Planapo 40/0,95: Bei voller Apertur ist eine relativ große Fummelei mit der Deckglasdicke nötig um die Leistung voll auszunützen und der Arbeitsabstand ist doch sehr gering. Auflösung ist dann überlegen, aber Kontrast deutlich schwächer als bei den Neos und Plans. In Anbetracht des Preises als Start nicht zu empfehlen - man bekommt einen ganzen Satz Plans oder Neos dafür.

Bei den doch mehrere Jahrzehnte alten Objektiven können natürlich die Unterschiede durch den Zustand größer sein als der bauartbedingte.

Viele Grüße

Rolf



wilfried48

Hallo,

ich stimme Rolf in vollem Umfang zu, das sind auch meine Erfahrungen.

Der Nachteil der endlich Optik gegen die neueren unendlich Optiken ist eben dass es keine trockenen PlanNeofluare gibt (ausser dem 63 er und das hat schon wieder die Deckglasdickenproblematik).
Alternativ wären noch die Multiimmersions PlanNeofluare interessant die aber auch selten und teuer sind.
Bei Wasserimmersion entfällt dann aber auch das Ölgeschmiere.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

volki

#4
Hallo,

nun habe ich doch mal einen Vergleich zwischen Neofluar 100er und 100er Phako angestellt, ohne Immersionsöl.
Der Kontrastunterschied ist doch beträchtlich (oben 100er Phako, unten 100er). Ist dieser Unterschied nach Eurer Erfahrung auch beim 40er derart zu beobachten?

Gruß

Volker

beamish

Hallo Volker,

ich weiß nicht, wo Du da einen "beträchtlichen" Unterschied im Kontrast siehst. Und überhaupt, wozu ein solcher Vergleich ohne Öl mit Objektiven, die doch nur für die Verwendung mit Immersionsöl berechnet sind?

Herzliche Grüße,

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Nomarski

ZitatUnd überhaupt, wozu ein solcher Vergleich ohne Öl mit Objektiven, die doch nur für die Verwendung mit Immersionsöl berechnet sind?

Abgesehen davon scheint mir die Aperturblende dafür wesentlich weiter zugezogen als nur 1/3tel.

Den Aufwand der Immersion sollte man schon betreiben, ansonnsten ist das Bild wesentlich schlechter als mit Trockenobjektiven.

Viele Grüße
Bernd

volki

Ich habe den Vergleich nun doch einmal mit Immersionsöl durchgeführt. Ohne hier eine wissenschaftliche Abhandlung anzuzetteln zeigt sich in der Tat, dass bei gleichen Blendenöffnungen (wie auch zuvor) der Kontrastunterschied geringer wird. Neben dem visuellen Eindruck läßt sich dies auch anhand des Histogramms der Aufnahmen nachvollziehen. Langer Rede kurzer Sinn: ich brauche eigentlich nicht beide Objektive.

felix

Hallo,

für die meisten Anwender ist ein 40er ein Routineobjektiv.  Das sollte dann eines sein, daß einfach zu verwenden ist und einen guten Kontrast gibt.  Insofern kommt ein CZJ 40/0,95 (Apo) nicht in Frage (s.u.).

Neofluar?  Sehr zu empfehlen, denn das Bild ist kontrastreicher und bringt ein merkliches Quentchen mehr Auflösung. Neofluare sind aber deutlich teurer als die in großen Stückzahlen gefertigten Achromate.  Erwähnt sei, daß Leitz-Fluorite eine preiswerte und optisch um keinen Deut schlechtere Alternative zu den Zeiss-Neofluaren sind; sie spielen m.E. gut mit den Zeiss-Okularen zusammen.

Achromat oder Planachromat?  Planachromaten machen eigentlich nur Sinn, wenn photographiert UND das gesamte Bildfeld auf die "Platte" (äh, auf den Chip) soll.  Sehr viele (die meisten?) Digitalkameraadaptionen kriegen das nicht hin: Sie greifen einen Ausschnitt heraus, den auch einfache Achromaten plan abbilden.  Dagegen zeichnen Achromaten aufgrund ihres einfacheren Aufbaus kontrastreicher und sie sind unempfindlicher gegen schlechte Behandlung.  Das macht sie zu sichereren Kandidaten auf dem Gebrauchtmarkt.  (Ich rede hier natürlich von älteren Objektiven, nicht von aktuellen Serien.)

Jetzt noch einmal zum CZJ Apo 40/0,95.  Das ist meines Erachtens ein "Geheimtip" auf dem Gebrauchtmarkt (ich habe schon eines und darf das also sagen, ohne mir etwas zu vergeben ;-): ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.  Die Anwendung ist schon lange nicht mehr "fiddelig", denn Deckgläser werden heute ziemlich zuverlässig mit 0,15 Dicke hergestellt.  Sofern man Objekte betrachtet, die direkt am Deckglas anliegen, braucht man also nie (ich wiederhole: nie) am Einstellungsring zu drehen.  Der Auflösungsgewinn gegenüber einem "normalen" 40er ist enorm.  ABER: Der geringe Arbeitsabstand zwingt zu steter Vorsicht, der Kontrast ist flau und die Bedingung, daß Objekte am Deckglas anliegen, erfüllen nur (gute) Dauerpräparate.  Deshalb ist dieses Objektiv sicher keine Alternative sondern eine gute Ergänzung zu einem Plan/Achromaten.

Ich hoffe, das hilft ein wenig. -- felix
"Du" angenehm.