Radula der spanischen Wegschnecke, Arion vulgaris

Begonnen von Ralf, August 09, 2011, 16:38:20 NACHMITTAGS

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Ralf

Hallo,


Mazeration biologischer Objekte in Kalilauge war das Thema beim gestrigen Treffen der Sektion Mikroskopie des NWV Wuppertal (http://www.naturwissenschaftlicher-verein-wuppertal.de/veranstaltungen-1). Mazeriert wurden Köpfe der spanischen Wegschnecke, Arion vulgaris.

Nach einem kurzen (ca. 5 Minuten) aufkochen der Schneckenköpfe in 30 % Kalilauge blieb von den Köpfen nur noch die Raspelzunge (Radula) und ein Stück des "Kiefers", das als mechanisches Gegenstück zur Radula vorhanden ist, übrig.

Nach dem Auswaschen mit Wasser wurde dann unter der Stereolupe die Radula mit einer Rasierklinge vom Rest abgetrennt und nach Entwässerung mit Isopropanol (erst 50%, dann 100%) in Euparal eingeschlossen. Problematisch hierbei ist, dass die Radula dazu neigt sich einzurollen und es somit nicht einfach ist, diese plan auf dem OT zu platzieren. Die folgenden Bilder sind noch während des gestrigen Treffens entstanden, das Präparat hat Herr Reckers gemacht.

- Radula der spanischen Wegschnecke, Phasenkontrast, jeweils 3 Bilder gestackt:





Jetzt wird klar, warum das Ding Raspelzunge heißt.







Alfons Renz

Hallo Ralph,

Ein interessantes Thema und beeindruckendes Bild!

"Jetzt wird klar, warum das Ding Raspelzunge heißt."

Aber es wird auch klar, dass die Wegschnecke nicht gerade zu den Geschöpfen mit 'feiner Zunge' gehört, wenn man sie z.B. mit einer Tellerschnecke (Planorbidae) vergleicht:



Je nach Laune kann man sich die Richtung der Zähnchen nach links (=> 2 Zähne) oder rechts (=> 3 Zähne) vorstellen. Für alle Rätselfreunde: Wieviele sind es wirklich?

Diese Radula wurde übrigens nicht durch Mazeration gewonnen, sondern einfach mit einer feinen Pinzette 'abgezogen'. Interessant ist diese Schneckengattung (Biomphalaria), weil sie als Zwischenwirt für die Erreger der Darmbilharziose, Schistosoma mansoni, dient. Deren Zerkarien sind Gegenstand einer anderen Diskussion. Wen es interessiert: Mehr zur Sektion einer solchen Tellerschnecke findet man unter -

http://www.vektorbiologie.uni-tuebingen.de/buch/ts/index.html

Mit herzlichen Malakologengrüßen,

Alfons


Ralf

Hallo Alfons,

vielen Dank für Deine lehrreichen Ergänzungen zum Thema!

Für mich persönlich besonders interessant ist der Hinweis, dass man eine Radula auch ohne Mazeration präparieren kann. Wer schon einmal einen Schneckenkopf mazeriert hat weiß, dass das eine wenig appetitliche Angelegenheit ist. Ich werde auf jeden Fall mal versuchen nur mit Pinzette und Präpariernadel auszukommen, denn diese hier war bestimmt nicht meine letzte Radula. Abgesehen von der interessanten Biologie der Schnecken kann man von so einer Radula auch schöne Bilder machen.

Ach so, das Rätsel: Für mich sieht es eher nach 3 Zähnen aus weil diese aus einem leicht anders zusammengesetzten Material zu bestehen scheinen und von der Anordnung her wohl für eine Abnutzung vorgesehen sind.