Autor Thema: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *  (Gelesen 24311 mal)

Fahrenheit

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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #30 am: August 26, 2011, 21:05:13 Nachmittag »
Lieber Eckhard,

ich glaube, wenn es nur um wenige Tage geht, würdest Du mit dem Molekularsieb im Aufbewahrungsbehälter mit Kanonen auf Spatzen schießen. Da hat Klaus mit dem Xylol sicher den besseren Tipp, obwohl ich das soweit wie möglich vermeide, um nicht zwei Lösungsmittel im Spiel zu haben (Isopropanol ist ja das Lösungsmittel im Euparal) oder auf Malinol ausweichen zu müssen, was von der Farbbrillanz nicht ganz so günstig ist.

Lieber Klaus,

jetzt, wo Du es schreibst, erinnere ich mich, schon einmal gelesen zu haben, dass Bernard nur fürs Foto präpariert. Schade um die tollen Schnitte - der Blick ins Mikroskop zeigt immer noch mehr als jedes Bild.

Wie weiter oben versprochen, habe ich in einer Regenlücke das Leitz HM in auf die Terrasse getragen und noch einige Bilder gemacht, die sich nach Weißabgleich, Einstellung der Kamera auf Unendlich und Fokussierung mit der Hilfslupe auf dem Display der Canon PS A520 durchaus wieder sehen lassen können:

Bild 18: Ausschnitt aus dem Spross mit Leitbündeln, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 100x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM


Bild 19: Xylem, Protoxylem und Sklerenchym, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 450x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM


Bild 20: Cuticula, Epidermis und ein Stoma, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 450x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM

Zumindest die Cuticula hat das Chrysoidin gehalten.

Bild 21: direkter Vergleich der Bilder 7, 10 und 19

Von oben nach unten: Frisch gefärbtes Präparat in Wasser mit dem Leitz HM, 45x Achromat
                                 Dauerpräparat in Euparal mit dem Leitz HM, 45x Achromat
                                 Dauerpräparat in Euparal mit dem Leica DME, 40x N-Plan

Auffällig ist der starke Rotton der verholzten Zellwände im Frischpräparat vor dem Entwässern. Der Unterschied zwischen den Aufnahmen vom Dauerpräparat mit dem HM und dem DME ist da subtiler, letztere wirkt auf mich gegenüber den lebendigen Farben der zweiten Aufnahme mit dem HM kälter.

Rolf-Dieter führt den Rotton im ersten Bild der Reihe auf das noch im Schnitt vorhandene Chrysoidin zurück und hat damit sicher recht. Ich denke aber, dass zumindest in meinem Prozess die Differenzierung bereits beim Entwässern erfolgt, da alle meine mit Etzold Grün gefärbten Präparate die Farbtöne wie im zweiten und dritten Bild der Reihe zeigen.
Vielleicht muss ich da noch etwas an meinem Prozess optimieren? Nach der letzten Spülung mit Aqua dest. sauge ich dieses so weit wie möglich ab und gebe dann großzügig reines Isopropanol auf die Schnitte (die sich dabei in einem nicht zu kleinen Uhrglas befinden). Dieses wird sofort wieder abgesaugt und gleich durch frisches Isopropanol ersetzt. Das ganze wiederhole ich nochmals, um die Restwasserkonzentration so schnell wie möglich zu minimieren. Nach zwei weiteren Spülungen mit reinem Isopropanol (3 und 5 Minuten) decke ich dann ein.

Herzliche Grüße
Jörg
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Rolf-Dieter Müller

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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #31 am: August 27, 2011, 08:38:44 Vormittag »
Guten Morgen Jörg,

so langsam machst Du das ganz schön spannend, denn irgendwie verstehe ich Deine Bilder nicht, zumindest das letzte.

Schön, das Wasserpräparat (erstes Bild) hätte eine Differenzierung vertragen können, aber Du hattest ja ein anderes Ziel, nämlich vorpräparierte Schnitte mit nach Hause zu nehmen.

Das zweite Bild erstaunt mich schon, es zeigt einen sauber präparierten Schnitt, in dem Farbdifferenzierungen erhalten geblieben sind. Gut, etwas Chrysoidin fehlt zum Teil in lignifizierten Zellwänden, doch das kann auch dem Alter des Gewebes geschuldet sein. Auf jungem Gewebe zieht Chrysoidin wenig oder gar nicht auf. Vornehmlich zeigt es aber wie mächtig das Tageslicht ist und wie gut man eigentlich mit Leitz-Achromaten (Zeiss-Achromate liefern dann sicher auch so ein gutes Ergebnis) fotografieren kann. Warum eigentlich nicht?

Aber das dritte Bild. Bei dem verwendeten leistungsfähigen Mikroskop und Objektiv hätte ich ein ganz anderes Ergebnis erwartet. Es fällt mir schwer eine Erklärung zu finden.

Vielen Dank für das Zeigen der Bilderstrecke.

Rolf-Dieter

Fahrenheit

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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #32 am: August 27, 2011, 15:21:44 Nachmittag »
Lieber Rolf-Dieter,

ja, die schöne Farbwiedergabe der Achromate ist wirklich ein Genuss. Auch beim Blick durch das Okular (und gerade bei homogenem Tageslicht bei bedecktem Himmel) kommen die Farbnuancen der Färbungen sehr gut heraus - bei einem insgesamt "weichen" Farbeindruck.

Tja, woran liegt es beim letzten Bild? Zum einen hätte ich für den Vergleich das Originalbild herunterrechnen und nachschärfen müssen und nicht eine verkleinerte und schon mal geschärfte Version - da habe ich zu spät dran gedacht. Dann ist da natürlich das Stacking, das immer Artefakte mit sich bringt - das grundsätzliche Schärfeproblem hatten wir ja für das DMLS und DME schon mal diskutiert. Zum dritten spielt sicher auch der Blaufilter eine Rolle, den ich seit der Kornrade drin habe - ich denke, der ist für eine gewisse Härte der Farben verantwortlich.

Herzliche Grüße
Jörg
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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #33 am: August 30, 2011, 22:19:58 Nachmittag »
Hallo Joerg

Wirklich spannender Thread, da hast Du ein schoenes Urlaubsprogramm durchgezogen ...

:-))

Gerhard
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Fahrenheit

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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #34 am: August 31, 2011, 18:22:21 Nachmittag »
Lieber Gerhard,

danke für Dein Lob! Aber der größte  Teil ist zu hause entstanden. Urlaubszeit ist Familienzeit - und leider interessiert sich meine Familie nicht wirklich für die Mikroskopie.  ;)

Herzliche Grüße
Jörg
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Rawfoto

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Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
« Antwort #35 am: August 31, 2011, 18:50:56 Nachmittag »
Hallo Joerg

Hmm, mein Weibchen ist da auch standhaft. Sie hat zwar Jahre auf der UNI mit Biologie verbracht und schaut mal gerne durch, aber der Funke ist nicht uebergesprungen. Ich habe aber zum Glueck ihr Verstaendnis ...

:-)

Gerhard
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micro_peter

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Re: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *
« Antwort #36 am: Juli 28, 2016, 13:11:38 Nachmittag »
Hallo Jörg,

schöne Dokumentation, die Struktur von den Pflanzenteile ist auf den Bilder sehr gut zu erkennen.

Ich hätte mal eine Frage zu den Stoffen die man nicht direkt unter dem Mikroskop (Kleinbetrachter) sehen kann.
Ich spreche von den Duftstoffen unter anderen aus ätherischen Ölen und Bitterstoffen z.B. Kampfer, Borneol und Thujon.

Würdest Du die Pflanze mit ihren Duft in deiner Wohnung als Trockenblume Lagern oder würde dich der Duft stören?

Grüße Peter

Fahrenheit

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Re: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *
« Antwort #37 am: Juli 28, 2016, 13:26:49 Nachmittag »
Lieber Peter,

ja, wir hatten schon einmal Trockensträuße vom Rainfarn, der sehr lange seine gelbe Farbe behält. Ich finde den Duft eigentlich recht angenehm und wenn der Strauss durchgetrocknet ist, ist der Geruch auch nur noch ganz schwach.

Herzliche Grüße
Jörg
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