Autor Thema: Topfstein im Dünnschliff  (Gelesen 8388 mal)

Ragin

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Topfstein im Dünnschliff
« am: August 28, 2011, 00:49:10 Vormittag »
Hallo,
Ich hab heute mal in meinen Schliffen gekramt und fand eine recht interessante Probe, die ich letztes Jahr mal angefertigt habe.
Sie stammt aus dem Tessin, wo es ein Tal gibt, woher ich einige solcher Steine in Form von Geröllen aus einem Flussbett stammend bekommen habe.
Ich verarbeite die eigentlich zu speziellen Massagesteinen für La Stonemassage. Normalerweise wird dafür Basalt verwendet, aber ich finde, dieses Gestein hält die Wärme noch länger und ist gut schleif -und- pollierfähig. Manche der Steine enthalten allerdings auch Asbestfasern, man muss schon auch etwas aufpassen beim Bearbeiten. Der Stein hat seinen Namen von seiner traditionellen Verwendung her bekommen. Er wird auch Lavezstein genannt bzw. Giltstein oder Schneidestein. Es gibt auch ein Tal, welches danach benannt ist. Schon zu Römerzeiten wurden Steintöpfe von dort aus gehandelt.
Es werden auch heute noch vereinzelt solche Töpfe und andere Kochutensilien daraus gefertigt. Auch für Öfen und deren Platten ist der Stein geeignet, denn er wird durch die Hitze sehr hart und ist extrem temperaturbeständig. Die Töpfe werden in einem speziellen Drechselverfahren mit Hakenmessern gefertigt, wo mehrere ineinander aus einem Block gefertigt werden so dass nur wenig Abfall entsteht.
Es ist eine art Speckstein, also Talcum mit Anteilen aus Serpentin,  Magnetit, Quarz und Chloritblättchen.
Nun mal einige Bilder:
zuerst mit dem Stemi, im Polarisierten Durchlicht





Mit dem Laboval 2, Pol, Lambda rot













Einen schönen Sonntag
Rainer

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Klaus Herrmann

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #1 am: August 28, 2011, 21:53:33 Nachmittag »
Hallo Rainer,

"Topfstein" finde ich gut. Ich hatte schon einen Verschreiber vemutet mit einem fehlenden R

Zu Deinen Bildern eine Frage: hast du die Schliffe noch nicht eingedeckt? Sie wirken so grobstollig! Mit welcher Körnung endet dein Schleifprozess?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Ragin

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #2 am: August 28, 2011, 23:03:14 Nachmittag »
Hallo Klaus,
Der Schliff ist schon eingedeckt. Muss gestehen, dass ich das nicht genau dokumentiert habe, schätze, ich hab auf 1000er Körnung rauf geschliffen.
Das ist aber auch recht problematisch, denn das Gefüge ist recht unterschiedlich. Das merkt man schon an den Rohsteinen, die ich bekommen habe. Normalerweise sind Kieselsteine aus fließenden Gewässern ja recht glatt geschliffen, aber der Topfstein hat die Tendenz, dass die dunklen Einsprengsel stets erhaben stehen bleiben, während die weichere Matrix ausgeschliffen wird. Ich hab heute mal einen Magneten an einen solchen Stein dran gehalten und stellte fest, dass er den angezogen hat, so wie ich das von Serpentiniten her kenne. Ich werde sicher mal wieder nen neuen schleifen. Hab auch noch gesägte Plätttchen vorrätig, falls Du Dich mal wieder spielen magst. Mein fotografisches Geschick hab ich ziemlich ausgereizt und voll konzentriert beim Auslösen die Luft angehalten. Bin halt doch noch nicht so weit wie echte Scharfschützen, die angeblich sogar das Herz anhalten können beim Abdrücken.
So bin ich halt noch provisorisch und freihändig zu Gange, so dass es spätestens ab 100-fach nimmer so ganz scharf wird, aber ich denke, es wird schon keiner Augenkrebs davon bekommen ;D
Ich will ja auch nur mal was zeigen, um die anderen Steinemöger hier anzuregen, auch mal was zu posten.
Schöne Grüße,
Rainer
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Klaus Herrmann

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #3 am: August 28, 2011, 23:15:33 Nachmittag »
Hallo Rainer,

Zitat
Hab auch noch gesägte Plätttchen vorrätig, falls Du Dich mal wieder spielen magst

danke für das Angebot! Würde mich reizen, das Material scheint ja wirklich schwierig zu sein. Hast Du meine Adresse noch?

 Ich höre eigentlich immer mit 800er Körnung auf.

Gegen Ende gebe ich dann kein frisches Schleifmittel mehr zu, sondern verdünne nur noch mit Wasser.
 Nach dem Eindecken in Malinol sieht man dann Unebenheiten fast nicht mehr.

Wenn das Material ferromagnetisch ist, dann müssen da ja erheblche Mengen Magnetit drin sein!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Ragin

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #4 am: August 28, 2011, 23:45:47 Nachmittag »
Hallo Klaus,
Deine Adresse ist mir leider abhanden gekommen. Du hast meine Mailadresse sicher noch.
Der Topfstein ist weich und dennoch lässt er sich recht dünn aufsägen. Ist wirklich schön zum schleifen, gerade für nen Handschliff.
Ich bin, was die Schleiferei angeht, auch von den Schleifmitteln abgekommen, wo die Körner in einer Matrix fix gebunden sind.
Da summiert sich die Zuggkraft der einzelnen Schleifkörner, besonders gegen Ende, wenn die Probe recht dünn wird doch zu sehr, und die Ränder beginnen auszureissen. Ich hab auch nur Schleifpulver von 80 bis 800er Körnung. Ich weiss auch nicht, womit ich das eingedeckt hab. Kann echt sein, dass ich da nen simplen Kleber verwendet habe oder Akemieharz. Dein Mallnol hätte ich ja ganz gerne mal getestet. Den Onkoidenkalk neulich hab ich mit Deinem Kanadabalsam eingedeckt, was halbwegs gelungen ist.
na denne, hab Dich wohl,
Rainer
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Dieter Stoffels

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #5 am: August 28, 2011, 23:47:30 Nachmittag »
Lieber Rainer,

ich vermute, dass Deine Schliffe des Topfsteines noch eine Dicke zwischen 60 und 100 Mikrometer aufweisen. Ich würde an Deiner Stelle die Schliffe in Xylol einstellen (wenn sie in Kanadabalsam eingeschlossen sind) und die Deckgläser wieder ablösen. Anschließend würde ich mit Nassschleifpapier 1000 und 2000 Körnung auf eine nahezu vollständige Transparenz herunterschleifen (Prüfung des Schliffes gegen eine schwarze Unterlage). Wenn Du die Möglichkeit hast, die Schliffe auf ethanolfeuchtem Nasschleifpapier der Körnung 5000 (ich glaube, dass habe ich Dir mal geschickt) zu polieren, wäre es ein schöner Abschluss der Präparation.


Topfstein im Dünnschliff, 60x, Aufnahme aufgenommen mit gekreuzten Polfiltern

Der Schliff des Topfsteines, den ich hier zeige, ist von Deinem Material angefertigt worden.

Herzliche Grüße!

Dieter
« Letzte Änderung: August 29, 2011, 10:02:09 Vormittag von Dieter S. »

Ragin

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #6 am: August 29, 2011, 00:45:55 Vormittag »
Hallo Dieter,
Ist ja genial, so was von schön, das freut mich aber grad ganz enorm. Ob ich das mal so schön hinkriege weiss ich ja nicht, aber ich will es noch mal versuchen.
Mit Deckglas ablösen seh ich schwarz, da mach ich lieber mal nen neuen Start, ist ja kein Akt bei dem weichen Zeugs. Ich hab noch einige Kilos der Steine auf Lager, manche mit offensichtlichen Einlagerungen von Asbest, ist frei Auge schon erkennbar. Mein Schliff ist zwar transparent, aber man erkennt die grüne Grundmatrix schon noch. Mit dem messen hab ich´s ja nicht so, ich höre das schleifen meistens grade noch rechtzeitig auf, wenn sich die Randbereiche aufzulösen beginnen. Da wird dann das Akemieharz auch immer ein bisschen wie Gummi und beginnt sich zu verformen mit dem Wasser. Er braucht einen wirklich glasharten Kleber, der schön in die Gefüge der Steine eindringt und ohne Blasen zu bilden halbwegs schnell aushärtet.
Wenn´s geht, ohne die nervige Zweikomponentenmischerei, was bei den von mir benötigten Kleinstmengen wirklich problematisch ist.
Womit hast Du das denn aufgeklebt?
Liebe Grüße,
Rainer
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Dieter Stoffels

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #7 am: August 29, 2011, 08:21:59 Vormittag »
Lieber Rainer,

einen derartigen Schliff bekommst Du sicher auch hin. Ich glaube, Dein eigentliches Problem liegt im Kleber begründet.  Einen Schliff von diesen Topfstein herzustellen ist problemlos möglich, ich würde sogar sagen, ist relativ einfach. Du selbst hast ja schon beschrieben, dass Du Topfsteine gerne gebrauchst, weil sie sich gut verarbeiten lassen. Ich habe Dir ein Muster meines Klebers zugeschickt. Sobald Du ihn erhalten hast, sollten wir uns noch einmal kurzschließen. Ich habe diese Aufnahme eingestellt, damit Du bei der mikroskopischen Kontrolle eine Vergleichsmöglichkeit hast. Schade, dass Du Deine bestehenden Schliffe nicht weiter aufarbeiten kannst.

Herzliche Grüße!

Dieter

« Letzte Änderung: August 29, 2011, 10:01:43 Vormittag von Dieter S. »

Rawfoto

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #8 am: August 29, 2011, 18:44:54 Nachmittag »
Hallo Dieter

Kannst Du bitte verraten welchen Kleber Du verwendest, ich habe bisher immer fertig geklebte Schnitte geschliffen. In meiner Sammlung warten schon ein paar Steine auf die Verarbeitung und die Fremdpraeperate haben teilweise Luftblaeschen ...

Liebe Gruesse aus Wien :-)

Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Dieter Stoffels

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #9 am: August 29, 2011, 21:58:48 Nachmittag »
Lieber Gerhard,

wenn ich mich richtig erinnere habe ich eine Frage, die Du im thread "Eine runde Sache" gestellt hast, noch nicht beantwortet. Aus diesem Grunde möchte ich zunächst eine Aufnahme der Bohrvorrichtung zeigen, mit deren Hilfe ich die runden Kerne mit dem Diamantkernbohrer ausgebohrt habe:



Hierbei handelt es sich um eine relativ einfache "Ständerbohrmaschine" eines Baumarktes. Der Preis dieser Maschine betrug ca. 80 Euro. Zum Ausbohren der Kerne ist diese Bohrmaschine völlig ausreichend.

Ich selber klebe meine Anschliffe mit Körapox. Diesen Kleber beziehe ich von Georg Abele, einem Mitglied dieses Forums. Georg bietet das Körapox als Kit an, in dem neben dem Polymer auch der amischen Härter enthalten ist (2-Komponenten-Epoxidharzkleber). Die genaue Verarbeitung des Klebers wird in einem Beipackzettel ausführlich beschrieben. Für einen Test wäre ein derartiger Kit sicher die einfachste Lösung. Bitte denke aber daran, dass die Wahl des richtigen Klebers nur "die halbe Miete" darstellt. Mindestens genauso wichtig ist es, über die Klebung selbst und die zu verklebenden Oberflächenprofile nachzudenken. Vielleicht wäre es bei Interesse sinvoll, wenn Du Dich mit Georg über PN verständigst.

Für die verspätete Antwort auf Deine Frage zur Bohrvorrichtung möcht ich mich bei Dir entschuldigen.

Herzliche Grüße!

Dieter
« Letzte Änderung: August 29, 2011, 22:01:35 Nachmittag von Dieter S. »

Rawfoto

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #10 am: August 30, 2011, 21:07:40 Nachmittag »
Hallo Dieter

Danke fuer die Rueckmeldung, da hatte ich ja eine total andere Vorstellung. Ich bin da von vor Ort Einsaetzen ausgegangen. So ist es aber einfacher ...

Von Herrn Abele habe ich seit laengerem eine Einladung zu einer Vorfuehrung und natuerlich die Produktinfos und Preislisten. Super, jetzt habe ich die Info welchen Kleber ich brauche ...

Besten Dank und liebe Gruesse aus Wien :-))

Gerhard
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hebi19

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #11 am: August 30, 2011, 21:59:20 Nachmittag »
Hallo

Darf ich als "baldiger Schleifanfänger" mal etwas fragen ??
Rainer alias Ragin hat mir ja die ersten Proben zum schleifen geschickt.

bevor ich die auf einen Objektträger aufklebe, muss ich da die "Klebeseite" auch erst anschleifen ??
das spätere Plättchen muss doch auf beiden Seiten geschliffen sein, oder ??

Martin
Grüße von
Martin alias hebi19

Motic BA-300, div Lomo, Stereo-Mikroskop noname

TPL

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #12 am: August 30, 2011, 22:10:05 Nachmittag »
bevor ich die auf einen Objektträger aufklebe, muss ich da die "Klebeseite" auch erst anschleifen ??
das spätere Plättchen muss doch auf beiden Seiten geschliffen sein, oder ??

Hallo Martin,
ja, das ist korrekt. Und auch wenn bei diesem Schritt noch Alles nach Grobbehandlung aussieht (kein Objektträger, nur das rohe Klötzchen) ist dennoch Sorgfalt gefordert: die aufzuklebende Seite muss nämlich schön gleichmäßig plan geschliffen sein. Ich schreibe das, weil bei diesem Schritt viele Schliffe unwiederbringlich verhunzt werden. passt man beim Schleifen des Klötzchens nicht auf und erzeugt ein "Uhrglas" (also eine auch nur ganz leicht konvexe Oberfläche, dann wird beim späteren Herunterschleifen nur die Mitte der Probe erhalten bleiben und der Rand ist entweder viel zu dünn, bricht aus oder ist futsch.

Schleifst Du auf einer Glasplatte? Dann versuche, keine Kreise darauf zu beschreiben, sondern Achter. Drehe das Klötzchen gelegentlich um 180°. So reduziert sich die Gefahr, ein Uhrglas zu schleifen. Die Klötzchen sollten genauso sorgfältig geschliffen werden wie später die aufgeklebten Scheiben. Was man sich allerdings sparen kann ist die ganz feine Körnung. Das ist oftmals sogar kontrproduktiv, denn der Kleber braucht ein bisschen "Griff" in der dünnen Gesteinsscheibe.

Viel Erfolg, Thomas
« Letzte Änderung: August 31, 2011, 13:44:43 Nachmittag von TPL »

Ragin

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Re: Topfstein im Dünnschliff
« Antwort #13 am: August 31, 2011, 13:37:21 Nachmittag »
Hallo Martin,
Ich schleife die zu klebende Probe bis 800er Körnung und auch der Objektträger wird mit dieser Körnung angeschliffen. So klebt das ganz gut.
Viel Erfolg,
Rainer
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